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Segeberg Auch Bob Dylan spielte schon am Berg
Lokales Segeberg Auch Bob Dylan spielte schon am Berg
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20:40 08.10.2016
Das Kalkbergstadion ist heute Konzertstätte für David Garrett, für Cro, für Santiano und immer wieder für Peter Maffay. Die Luftaufnahme, die jetzt auch in der LN-Ausstellung im Bad Segeberger Rathaus zu sehen ist, entstand im Frühjahr bei einem Konzert von Cro. Quelle: Karsten Wilkening

Das Freilichtstadion am Kalkberg – in der kurzen Phase zwischen Winterruhe der Fledermäuse und Karl-May-Proben ist es heute Konzertstätte für David Garrett, für Cro, für Santiano und immer wieder für Peter Maffay. Bis in die 80er und 90er – als man es mit dem Fledermausschutz noch nicht so genau nahm und als die Kalkberg-Anlieger offenbar langmütiger waren – da gab es noch so richtig harten Rock am Berg. Bob Dylan ist hier aufgetreten, Carlos Santana . . . die Stones mit Mick Jagger und Eric Clapton allerdings nie.

Erinnerungen an das legendäre Konzert von 1981, und wer alles nicht im Kalkbergstadion spielte . . .

Im 11 000-Leute-Stadion traten Weltstars auf wie der Jazzer Miles Davis, Joe Cocker (damals beim „Woodstock-Revival“ stark angesäuselt), Elton John, David Bowie, Stevie Wonder, Müller-Westernhagen, Joan Baez, Montserrat Caballe und nicht zuletzt . . . Wolle Petry, der auch wieder Platten macht.

Wir wollen uns eines besonderen Konzertes erinnern. Es ist der 14. Juli 1981, ein voll besetztes Kalkbergstadion wartet auf den Poeten einer ganzen Generation, den Mann, der die Folkmusik elektrifizierte: Bob Dylan. In manchen Zeitungen – leider auch in den LN – ist fälschlicherweise zu lesen, das Segeberger sei Dylans erstes Konzert auf deutschem Boden. Das stimmt nicht, drei Jahre zuvor ist Dylan in Nürnberg aufgetreten . . . bis zur Probe gar nicht wissend, dass er auf dem Zeppelinfeld, dem Aufmarschgelände der Reichsparteitage spielen soll. Deutschland kann seine Geschichte nicht wegwischen. In Bad Segeberg hat wohl niemand Dylan erzählt, dass dieses tolle Stadion 1937 von Propagandaminister Josef Goebbels eingeweiht wurde.

Doch nun schreiben wir den 14. Juli 1981, die Menge wartet auf Bob Dylan. Der kommt gegen 21 Uhr auch, begleitet allerdings von drei Gospel-Sängerinnen. Die singen die meisten Songs mit, bestreiten auch Parts allein, und zwischendurch beginnt Dylan – genau jener Rocker, der zuvor und auch bei heutigen Konzerten kaum mal „Guten Abend“ und „Auf Wiedersehen“ sagte – zu p r

e d i g e n. Denn Dylan begreift sich seit 1979 als wiedererweckter Christ, hat gerade mit „Shot of Love“ das dritte seiner religiös geprägten Alben herausgegeben. Daraus singt er auch zwischen den Predigten „Property of Jesus" oder „Dead Man, Dead Man“. Draußen vor dem Eingang verteilen deutsche Wiedererweckte ihre Traktate. Nein, so haben die Alt-68er im Segeberger Publikum sich ihren Dylan nicht vorgestellt.

Doch sie haben Glück, „der Meister“ befindet sich im Umbruch. Auch der Titel „Lenny Bruce“ befindet sich auf dem neuen Album, eine Hommage an den 1966 gestorbenen subversiven US-Komiker. Dylan ist im Wandel. Die nächste Platte wird „Infidels“ („Ungläubige“) heißen, und auch am Kalkberg ist ein wenig von dieser Umkehr zu spüren: „Like a Rolling Stone“ singt Dylan und am Ende – zu Tausenden von Wunderkerzen und Feuerzeugen – „Blowing in the Wind“.

LN-Quiz mit Bob Dylan

Die Lübecker Nachrichten begleiten die Luftbildausstellung im Bad Segeberger Rathaus mit einem Quiz, bei dem Antworten auf fünf Fragen, unter anderem zu Bob Dylan, gefordert sind. Das Bad Segeberger Kalkbergstadion ist nur eines von zahlreichen Motiven, bei denen die Stadt unter dem Motto „Segeberg von ganz oben“ zu sehen ist. Die Ausstellung ist bis zum 28. Oktober im ersten Obergeschoss des Rathauses zu besichtigen.

Die Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Mitmachkarten zum LN-Quiz mit Preisen gibt es im Rathaus, im Ausstellungsraum (1. Stock) oder in der neuen LN-Geschäftsstelle in der Kurhausstraße 14.

 Lothar Hermann Kullack

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