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Segeberg Auch Omas Backrezept gehört in den Vorsorge-Ordner
Lokales Segeberg Auch Omas Backrezept gehört in den Vorsorge-Ordner
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11:12 06.08.2017
Niklas Horst und Marlies Stagat sind Generationenberater. Sehr zur Freude von Nils Oumar und Sylvia Johannsen (v. l.) spenden sie jeweils zehn Euro des Verkaufserlöses eines Workbooks an die Traveschule und den Verein Lebenshilfe. Quelle: Foto: Petra Dreu

Ein unglücklicher Sturz, ein Autounfall oder eine Hirnblutung infolge eines geplatzten Blutgefäßes: Heute noch kerngesund, morgen ein Pflegefall, der seinen eigenen Willen nicht mehr äußern kann. „Wer nichts regelt, wird geregelt“, sagt Marlis Stagat, Provinzial-Bezirkskommissarin in Bad Segeberg. Sie und ihr Mitarbeiter Niklas Horst ließen sich zu geprüften Generationenberatern ausbilden. In regelmäßigen und kostenlosen Infoveranstaltungen zeigen sie jetzt auf, was alles für den Notfall geregelt sein sollte. Das Interesse daran sei groß.

Eine Reportage des TV-Magazins „Brisant“ gab Marlis Stagat den entscheidenden Impuls für die Ausbildung zur Generationenberaterin. „Dort wurde von einem Mann berichtet, der einen Arbeitsunfall erlitten hatte. Danach war er nicht mehr dazu in der Lage, seinen eigenen Willen zu äußern“, gibt sie den Inhalt der Sendung wieder. Berufsgenossenschaft und Versicherung hätten zwar sofort gezahlt, aber es habe keinerlei Vollmachten gegeben. „Der Mann bekam einen Betreuer, sein Bankkonto wurde geschlossen, und seiner Frau blieb lediglich ein Taschengeld. Hätten die Eheleute mit gegenseitigen Vollmachten vorgesorgt, wäre das in der Form nicht passiert“, so Stagat.

Immer wieder nehmen sich viele Menschen vor, mit einer Patientenverfügung, einer Betreuungsverfügung und Vollmachten für solche Fälle vorzusorgen, doch genauso oft wird das Vorhaben auch wieder auf die lange Bank geschoben. Marlis Stagat und Niklas Horst verstehen sich deshalb als „staatlich geprüfte Arschtreter“. „Wir bieten keine juristische und medizinische Beratung. Unsere Aufgabe ist es, Hemmnisse zu überwinden. Jeder hätte gerne einen Notfall-Ordner, in dem alles Wichtige abgeheftet ist. Zuerst aber brauchen wir den Schritt dorthin“, weiß Marlis Stagat. Mit einer Betreuungsverfügung und Bankvollmacht sei es noch lange nicht getan. „Auch die Passwörter für den ganzen digitalen Kram müssen irgendwo notiert sein. Eine Kundin konnte einen Telekommunikationsvertrag nicht kündigen, weil sie weder ein Passwort noch eine Vollmacht dafür hatte“, erläutert die Generationenberaterin. Für sie gehört auch Omas geheimes Backrezept in einen solchen Ordner, damit es an spätere Generationen gelangt.

Wie es ist, wenn fremde Menschen das Zepter in die Hand nehmen, musste Marlis Stagat am eigenen Leib erfahren. Sie war in der 20. Schwangerschaftswoche, als ihre Mutter an Krebs starb. Nichts sei damals geregelt gewesen, folglich sei dann die gesetzliche Regelung eingetreten. „Wenn jemand bereits schwer krank ist, mag man ihn darauf auch nicht mehr ansprechen. Zum Kampf gegen die Krankheit braucht man nicht auch noch den Kampf um Formalitäten“, nennt Stagat ein häufiges Problem.

Um den Teilnehmern der Beratungsveranstaltungen einen Leitfaden an die Hand geben zu können, hat sie ein Workbook entwickelt, das für 15 Euro in der Provinzial-Geschäftsstelle in der Kurhausstraße 52–54 zu erhalten ist. Fünf Euro decken die Druckkosten, zehn Euro gehen an den Förderverein der Traveschule und an den Verein „Lebenshilfe“. Petra Dreu

LN

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