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Segeberg Auf Augenhöhe mit den Bundespolitikern
Lokales Segeberg Auf Augenhöhe mit den Bundespolitikern
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21:21 16.09.2013
Über den Tellerrand: Die Teilnehmer fragten beim LN-Leser-Brunch im Ihlsee-Restaurant kritisch nach, glänzten dabei auch mit Detailwissen über soziale Themen und Verkehrsinfrastruktur. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Vorweg: Es gab keinen Stinkefinger, auch die Merkel-Raute fehlte. Es gab keine Kritik unterhalb der Gürtellinie — und Fettnäpfchen liegen ohnehin nie im Ihlsee-Restaurant herum. Dafür gab es beim LN-Leser-Brunch ein leckeres Büfett und mit Gero Storjohann (CDU) und Franz Thönnes (SPD) zwei gutaufgelegte Bundestagskandidaten, die trotz Wahlkampf- Stress‘ zehn LN-Lesern geduldig alle Fragen beantworteten. Die politisch interessierten Segeberger demonstrierten in der Runde, dass sie weit über den lokalpolitischen Tellerrand hinwegschauen.

Da ging es lange auch um die 100 Jahre alten, kaputten Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals. „Ich habe das Gefühl, wenn Verkehrsminister Ramsauer Schleswig-Holsteiner wäre, wären die Schleusen schon repariert. Stattdessen mussten die Schiffe zeitweise im Norden Skagen umschiffen“, sagte Reinhard Krassau. Storjohann verwies darauf, dass auch an der Mosel Schleusen über 100 Jahre alt seien. Erst jetzt, mit der schwarzgelben Koalition, werde das dringende Thema am Kanal angepackt. „Wir haben jetzt die 300 Millionen zusammen.“ Thönnes dagegen: „Hier ist trotz großer Ankündigungen nichts passiert.“ Der Nord-Ostsee-Kanal sei wichtig für die Wirtschaft in Hamburg und von der hänge auch der Kreis Segeberg ab.

Die wissbegierigen LN-Leser bissen sich beim Thema Infrastruktur fest. Die A 20 ist und bleibt ein heißes Thema: Wichtig sei, dass die Straßenplanungen vom Land vorfinanziert werden, so Storjohann.

LN-Leser Dieter Koll hat die Befürchtung, dass die A 20 nur bis hin zur A 7 gebaut werde. „Können Sie vom Bund nicht den Weiterbau forcieren?“ Storjohanns „persönliche“ Meinung: „Wir müssen gleich mit der Elbquerung anfangen. Das ist das schwierigste Bauwerk, das am längsten dauert.“ Finanzierungsmodelle dafür gebe es. Stehe erst die Elbquerung „kommt man gar nicht erst auf die Idee, mit dem Bau der A 20 irgendwann einmal aufzuhalten“. Der Bund könne das Land nur auffordern, die Planung zu beschleunigen.

LN-Leserin Silke Andersen mahnte an, dass man vor dem Neubau erst die maroden Straßen sanieren müsse. Franz Thönnes verwies auf einen Investitionsstau von sieben Milliarden Euro bei Brücken und Straßen. Da passe es nicht zusammen, „Steuergeschenke an Hoteliers zu verteilen“. Die SPD möchte stattdessen — für fünf Prozent der Bestverdiener — Steuern erhöhen.

Heinz Tölle fasste energisch nach: „Was können Sie konkret tun, um Geld für Infrastruktur in den Norden zu bekommen?“ Storjohann: „Wir brauchen mehr Geld für Straßenbau. Es ist nur fraglich, ob wir bei einer Steuererhöhung dafür tatsächlich mehr bekommen würden.“ Aber egal wie die nächste Koalition aussehe, man werde mehr Geld für Infrastruktur benötigen. Kontrahent Thönnes forderte mehr Druck von ihm im Bundesverkehrsausschuss. „Schleswig-Holstein muss immer laut werden, sonst gehen die Investitionen woanders hin.“ Er sprach sich für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes aus. „Wir sind damit immer noch unter dem, was die Kohl-Regierung hatte.“ Storjohann verwies hingegen auf die ohnehin sprudelnden Steuereinnahmen, die viel höher seien als erwartet.

Warum dann noch Rente erst mit 67? LN-Leserin Christel Lunau merkte an: „Wenn einer 45 Jahre gearbeitet hat, muss es doch möglich sein, mit 63 Jahren bedingungslos in Rente zu gehen und nicht lebenslang Abschläge hinzunehmen. Das ist unerträglich.“ Thönnes stimmte zu. Außerdem: 6,8 Millionen Menschen die unter 8,50 Euro in der Stunde verdienen, dass sei für ihn „Lohndrückerei“. Deshalb sei die SPD für flächendeckenden Mindestlohn. Storjohann glaubt nicht, dass alle Wünsche zu finanzieren sind. Die Rentenlaufzeit sei um sieben Jahre länger. Den Vorschlag von Dr. Christopher Schumacher, die Einzahlungszeiten stärker zu berücksichtigen, nahm Storjohann ironisch auf. „Ich nehme Sie beim Wort. Danach würden Menschen, die mit 30 Jahren anfangen zu arbeiten, erst im Alter von 75 Rente bekommen.“

Wolfgang Glombik

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