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Auf „Mut-Tour“ gegen die Depression

Bad Segeberg Auf „Mut-Tour“ gegen die Depression

Radfahrer machten in Bad Segeberg Station: Sie wollen über die Krankheit aufklären und Hemmungen abbauen.

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Die Etappenteilnehmer der Mut-Tour gegen Depression informierten auch in Bad Segeberg.

Quelle: Domann

Bad Segeberg. Depression gehört zu den Volkskrankheiten. Doch im Gegensatz zu Krebs und Diabetes wird über die psychische Erkrankung nur selten öffentlich gesprochen. Die Mut-Tour will das ändern. Sie will Betroffenen Mut machen und Nicht-Betroffenen die Angst vor dem Umgang mit Menschen mit Depressionen nehmen.

Bereits zum dritten Mal ist Initiator Sebastian Burger per Tandem deshalb unterwegs in Deutschland. 50 depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen radeln in zwölf Etappen durch die Republik und laden an vielen Orten zum Mitfahren ein. Mit je drei Tandems sind die zwei Teams unterwegs, in der ermutigenden Öffentlichkeitsarbeit werden sie dieses Jahr zum ersten Mal von Team Kajak und Team Esel unterstützt. Eigentlich wandern die Teilnehmer allerdings nicht mit einem Esel durch Deutschland sondern mit Pferden, die das Material tragen. Gemeinsam werden die vier Teams am 3. September 7300 Kilometer zurückgelegt haben, wenn sie ihr Ziel, Bremen, erreichen. Eine Etappe führte Team zwei am Sonnabend durch Bad Segeberg.

„Wir wollen ein Zeichen gegen die Stigmatisierung setzen“, sagt Sebastian Burger. Tandems fallen auf, so komme das Team schnell ins Gespräch. Die Hälfte des Teammitglieder hatte bereits Depressionen.

Die drei Frauen sprechen über ihre Krankheit, geben Angehörigen Tipps und raten vermutlich Betroffenen zur Hilfe.

„Das rechtzeitige Erkennen ist wichtig“, sagt Christine. Denn das hätte ihr viel Leid erspart. Doch sie habe ihre Erkrankung nicht wahrhaben wollen, habe die Anzeichen verdrängt. Als sie dann bereit war, sich behandeln zu lassen, hätten Diagnose und Therapie viel Zeit benötigt. „Lange Wartezeiten und zwei bis drei Therapeuten abklappern, bis man den gefunden hat, der zu einem passt. Das ist schwierig, wenn man akut krank ist.“ Sie plädiert für ein frühzeitiges Erkennen einer Depression, denn das erspare eigenes Leid und der Wirtschaft hohe Ausfallzeiten.

Noch einen weiteren persönlichen Punkt spricht sie an: Die Offenheit am Arbeitsplatz – sage ich es oder sage ich es nicht? Einige Arbeitgeber seien aufgeschlossen und tolerant. „Ich habe es gesagt, doch häufig fühle ich mich in Watte eingepackt. Mir wird nichts zugetraut, dabei bin ich leistungsfähig.“

Doch nicht jeder Betroffene kann über seine Erkrankung reden, berufliche Benachteiligung, Mobbing und vieles mehr wären die Konsequenzen. Und so verdecken diese beim Pressefoto ihr Gesicht mit einem Smiley. „Der hat eine doppelte Bedeutung, zum einem ist er Persönlichkeitsschutz, zum anderen steht er für die lächelnde Fassade vor einem Inneren, in dem die Katastrophe herrscht“, sagt Burger.

Jeder kann Depressionen entwickeln. Meist werde die Krankheit durch eine Überforderung ausgelöst. Deshalb sei es wichtig, Dinge zu machen, die gut für einen sind. Dazu gehören Bewegung, Natur und Struktur erleben sowie Gemeinschaft, auch eine Begleiterscheinung der Mut-Tour. Doch auch auf Probleme aufmerksam machen wollen die Radfahrer.

So soll die Kassenzulassung von Psychotherapeuten gemindert werden, doch bereits jetzt warten Betroffene etwa acht Monate auf eine Therapie. Außerdem soll das pauschale Entgeltsystem eingeführt werden. Dabei wird jeder Diagnose eine Aufenthaltsdauer zugeordnet. „Doch die Behandlungsdauer muss individuell bleiben“, betont Claudia. Auch müsse endlich eine offene Sprechstunde eingeführt werden. „Es gibt noch viel zu tun, wir hoffen auf eine Sensibilisierung und, dass eine Depression als eine ganz normale Erkrankung angesehen wird“, sagt Claudia.

Mehr psychische Erkrankungen im Kreis Segeberg

13 Prozent mehr Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen als im Vorjahr gab es im Kreis Segeberg, das ist das Ergebnis des DAK-Gesundheitsreports für 2015. Damit sind diese Art von Erkrankungen erstmals Hauptursache für Fehltage. Die Region lag bei der Anzahl der Ausfälle 28 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Insgesamt lag der Krankenstand in der Region im vergangenen Jahr über dem Landesniveau. Demnach stiegen die Ausfalltage im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent. Der Landesdurchschnitt lag bei vier Prozent. Fehltage wurden häufig auch durch Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Atemwegsbeschwerden sowie Verletzungen und Vergiftungen verursacht.

Auffällig ist, dass Frauen im Kreis Segeberg 26 Prozent mehr Tage gefehlt haben als Männer. Im Landesdurchschnitt waren es 23 Prozent. Während Männer häufiger am Herz-Kreislauf-System erkranken, leiden Frauen öfter unter psychischen Erkrankungen. Auch bei den Krebsleiden liegen die Frauen mit 16 Prozent über denen der Männer. Grund dafür ist das vergleichsweise frühere Auftreten von Brustkrebs. Männer erkranken am häufigsten an Prostatakrebs. Dieser tritt meist erst ab etwa 60 Jahren auf.

Obwohl Frauen einen höheren Krankenstand aufweisen, schleppen sie sich sogar noch häufiger krank zur Arbeit als Männer. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von Präsentismus – sie wollen Kollegen nicht hängen lassen oder etwas fertig stellen. Die DAK hat rund 240000 Versicherte in Schleswig-Holstein, davon rund 35000 im Kreis Segeberg. km

Silvie Domann

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