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Segeberg Auf dem Weg zum Schach-Großmeister
Lokales Segeberg Auf dem Weg zum Schach-Großmeister
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22:24 28.08.2018
Ashot Parvanyan liebt Schach und hat bereits den Rang eines internationalen Meisters. Jetzt will der Deutsche Jugend-Vizemeister Weltmeister der unter 18-Jährigen werden. Quelle: Foto: Fuchs
Norderstedt

Beinahe wäre sein Talent unentdeckt geblieben. In seinem Heimatland Armenien wird Schach schon in der Grundschule gelehrt. Doch Ashot wollte lieber draußen Fußball spielen. Schach war ihm zu langweilig. Aber seine Mutter setzte sich durch: „Du musst Schach spielen“, forderte sie von ihrem damals siebenjährigen Sohn. Schließlich spielt bis auf die Mutter die ganze Familie Schach. „Ich spiele Klavier“, sagt die Mutter Hasmik Parvanyan.

Der Junge denkt Schach, kann mehrere Partien gleichzeitig im Kopf durchspielen, ohne dass Figuren auf einem Schachbrett stehen. Dabei ist Ashot Parvanyan gerade erst 17 Jahre jung. Der Norderstedter ist damit bereits ein junger Meister seines Fachs.

Vor eineinhalb Jahren ist Ashot Parvanyan mit seinen Eltern und seinem Bruder aus Armenien hierher nach Norderstedt geflüchtet. Im Frühjahr ist das Ausnahmetalent, das für den Schachklub Norderstedt in der Bundesliga spielt, bereits Deutscher Vizemeister der Schach-Junioren geworden. Nun will Ashot für Deutschland Mitte Oktober auf Kreta in Griechenland den Weltmeister-Titel in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen holen.

Ashots Vater Mesrop Parvanyan, der als Koch in Norderstedt arbeitet, gehört wie sein Bruder Alfred dem Landesliga-Team von TuRa Harksheide an, das jetzt 18 Mal hintereinander nicht verloren hat. Doch gegen seinen Sohn Ashot haben beide keine Chance mehr, sagt der Vater stolz.

Schnell zeigte sich, wie gut Ashot das königliche Spiel mit den 16 Figuren auf dem 64-Felder-Brett beherrscht. Als Elfjähriger gewann er in Georgien den Europa-Cup in seiner Altersgruppe. Ashot ist seinen Gegnern um Züge voraus. Er trainiert jeden Tag fünf Stunden mit voller Konzentration, studiert die Partien der Großmeister, spielt sie nach, analysiert sie, prägt sie sich ein. Vor allem die seines Idols Levon Aronjan (35), der wie Ashot in Armenien geboren ist und als ehemaliger Weltmeister im Blitzschach als einer der weltweit Besten seines Fachs gilt.

Da bleibt manchmal nicht viel Zeit für andere Dinge, gibt Ashot zu. In der Schule und vor allem in Mathe sei er nicht so gut. „Dafür müsste ich mehr lernen“, sagt er schmunzelnd, will aber im nächsten Jahr seinen Abschluss in der Gemeinschaftsschule Harksheide machen, in der er zurzeit in die zehnte Klasse geht. Vielleicht sollte er auch früher ins Bett gehen. „Du musst schlafen“, ermahnt seine Mutter ihren schachbegeisterten Sohn ein ums andere Mal, wenn er bis spät in die Nacht seine Schachpartien spielt – gegen sich selbst oder den Schach-Computer. Denn sonst ist ihm in seiner Umgebung kaum einer gewachsen.

Ashot hat Ausdauer bei diesem Spiel, bei dem es auf höchste Konzentration ankommt. So spielte er im Mai bei der Deutschen Jugendmeisterschaft im sauerländischen Willingen eine Partie sieben Stunden lang. 90 Züge brauchte er, bis er seinen Gegner bezwungen hatte. Von neun Partien gewann er fünf, spielte dreimal Remis und verlor nur eins. Gegen den späteren Deutschen Jugendmeister Jari Reuker aus Oldenburg verlor Ashot nur, weil er nicht mehr genügend Zeit hatte. „Von der Stellung her war die Partie schon gewonnen.“

Ashots Berufswunsch ist klar. „Ich will Profi-Schachspieler werden“, sagt der Norderstedter. 2430 Punkte hat Ashot bei der sogenannten Elo-Zahl schon gesammelt, die die Spielstärke im Schach angibt und sich aus jedem einzelnen Wettkampf-Spiel – ein Sieg gibt einen Pluspunkt, eine Niederlage einen Minuspunkt – zusammensetzt. Damit hat Ashot bereits den Rang eines Internationalen Meisters bei den Männern erreicht. Nun fehlen ihm nur noch 70 Punkte, um sich Großmeister nennen zu dürfen, von denen es weltweit heute etwa 1620 gibt – 91 in Deutschland und 220 in Russland. Der 27 Jahre junge schwedische Schachweltmeister Magnus Carlsen hat mit 2842 Punkten die bislang höchste Elo-Zahl aller Zeiten erreicht.

Schach-Profi zu werden, sei schwer, sehr schwer, ahnt sein Vater. „Du brauchst Talent und musst viel trainieren, sonst hast du keinen Erfolg. Aber mein Sohn liebt Schach. Er kann was daraus machen.“ Davon ist auch sein Mannschaftskapitän Viktor Polischuk beim SK Norderstedt überzeugt. „Ashot ist für sein Alter schon sehr gut und hat das Potenzial, ein Großmeister zu werden“, sagt der gebürtige Ukrainer über einen seiner besten Spieler, der in der abgelaufenen Saison als einziger alle 15 Bundesligaspiele mitgemacht hat.

Ashot Parvanyan ist ehrgeizig. Auf die Frage, was er bei der U18-WM Mitte Oktober auf Kreta erreichen will, sagt er selbstbewusst: „Ich will Erster, Zweiter oder Dritter werden.“ Seine gefährlichsten Gegner, erklärt er, kommen aus Russland, Aserbaidschan, der Ukraine und seiner Heimat Armenien.

Von Burkhard Fuchs

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