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Auf den Spuren der Auswanderer

Bad Segeberg Auf den Spuren der Auswanderer

Etwa 6000 Namen von Schleswig- Holsteinern, die im 18. und 19. Jahrhundert die Ausreise in die USA gewagt haben, sind im „Auswanderer- Archiv“ der Amerika-Gesellschaft gesammelt.

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Hunger, politische Unruhen, der Wunsch nach Freiheit: Millionen Deutsche suchten in der „neuen Welt“ Amerikas ihr Glück.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg

Bad Segeberg. Ganze Kartons sind gefüllt mit Namen: Listen von Schiffspassagieren, die im 18. und 19. Jahrhundert in die „neue Welt“ nach Amerika aufbrachen. Dicht bedruckt. Auf Karteikarten, alphabetisch geordnet sind die Namen von Schleswig-Holsteinern gesammelt, die den Weg gewagt haben – aus Büchern zusammengetragen, aus alten Zeitungsberichten, Archiven hier und der anderen Seite des großen Teichs. „Wir haben etwa 6000 Namen hier“, schätzt Bibliothekarin Sabine Klein, die das Auswanderer-Archiv der Amerika-Gesellschaft Bad Segeberg im Keller des Wickel-Hauses aufgebaut hat. Wer Verwandte hat, die irgendwann den Weg in die USA gewagt haben, kann Glück haben und hier nach ihnen forschen.

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Etwa 6000 Namen von Schleswig- Holsteinern, die im 18. und 19. Jahrhundert die Ausreise in die USA gewagt haben, sind im „Auswanderer- Archiv“ der Amerika-Gesellschaft gesammelt.

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„Es gibt hier viele spannende Geschichten zu entdecken.“ Sabine Klein

„Bis 1893 sind über drei Millionen Deutsche arbeitsbedingt in die USA ausgewandert“, zitiert Klein aus einem der vielen Bücher, die hier zum Thema gesammelt sind. Viele aus dem Nachlass von Dr.

Gerd Hagenah. Der vor einigen Jahren verstorbene Privatgelehrte aus Bad Segeberg hat viele Jahre zum Thema geforscht und Dokumente gesammelt auf beiden Kontinenten. Diese Schätze und das Archiv der Amerika-Gesellschaft sind nun katalogisiert und seit dieser Woche zugänglich. Der Weg in den kleinen Raum führt durch Feuerschutztüren und um viele Ecken im Keller der Alten Sparkasse. Wer hier rein will, muss sich vorher bei Klein in der Stadtbücherei melden oder beim Kreis- und Stadtarchivar Georg Asmussen.

„Es gibt hier viele interessante Geschichten zu entdecken“, sagt Klein. Doch man muss schon suchen, wenn man keinen konkreten Anhaltspunkt etwa aus der Verwandtschaft hat. In einem Karteikasten sind Namen von Auswanderern aus Schleswig-Holstein gesammelt. Geordnet nach Kreisen. Der Name Blunck aus Schieren taucht hier öfter auf. Hans-Peter, Marie und Luise. 1847 wanderten sie aus nach Davenport, verraten die kleinen Karteikarten. Unter „B“ in einem anderen Kasten findet man Hans-Peter Blunck wieder. Mit weiteren Informationen: Marie war seine Frau, Luise die gerade geborene Tochter, liest Sabine Klein vor. Auf dem Hof seines Bruders Hans Christian war Hans Peter Tagelöhner gewesen vor der Auswanderung.

„Um 1847/48 sind viele Schleswig-Holsteiner ausgewandert“, sagt Klein. Weil sie mit der politischen und wirtschaftlichen Situation unzufrieden gewesen seien, es folgte die Schleswig-Holsteinische Erhebung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein.

Der Zettel über die Bluncks aus Schieren verrät noch mehr: Sie ließen sich in Sheridan in Scott County nieder, im Bundesstaat Iowa. Das Paar hatte fünf Kinder. 1986 lebten noch elf Ur-ur-ur-Enkel von Hans Peter Blunck. Der Hinweis „Familiengeschichten“ auf der Karteikarte führt Klein zu einem weiteren Ordner. Der Name Blunck taucht auch hier öfter auf. In der Klarsichthülle von Hans Peter findet sich unter anderem die Kopie eines Stammbaums der Familie.

So wird Auswanderung lebendig findet Dieter Kuchenbecker, Präsident der örtlichen Amerika- Gesellschaft. Zu finden seien hier auch alte Aufzeichnungen über die Gründe und Beschwerlichkeiten einer Auswanderung. Hunger, der Wunsch nach Freiheit, aber auch die lange Reise auf dem Schiff, die Hürden der Einreise. Aus einem Kasten zieht Kuchenbecker ein altes „Buch“ von 1850: lose kopierte Seiten, eingefasst in Spanplatten: „Amerika. Hoffnung und Sehnsucht – Rathgeber einer Auswanderung.“ „Rathgeber mit h“, betont Kuchenbecker. Das Material schlage den Bogen zur Arbeit der Amerika-Gesellschaft etwa in Schulen. So werde Geschichte anschaulich.

 Nadine Materne

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