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Auf der Bühne Apache, dahinter Berliner

Bad Segeberg Auf der Bühne Apache, dahinter Berliner

In seiner vierten Kalkberg-Saison spielt Jan Sosniok den Winnetou – mit den LN sprach er über das miese Wetter, das tolle Publikum und seine Karl-May-begeisterte Tochter.

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In seiner vierten Kalkberg-Saison spielt Jan Sosniok den Winnetou.

Quelle: hfr

Bad Segeberg. Jan Sosniok geht es nicht so richtig gut. Seit einer Woche schleppt er einen grippalen Infekt mit sich herum. Jedem, der ihm die Hand gibt, warnt der 48-Jährige deshalb vor, sich am besten gleich die Hände waschen zu gehen, um sich nicht anzustecken. Mal früher Feierabend zu machen, gar eine paar Tage krank zu Hause zu bleiben, wie es die meisten Angestellten in dieser Lage tun würden, ist für Sosniok nicht drin. Schließlich ist er Winnetou, Häuptling aller Apachen, und damit der wichtigste Mann im Kalkberg-Stadion.

LN-Bild

In seiner vierten Kalkberg-Saison spielt Jan Sosniok den Winnetou – mit den LN sprach er über das miese Wetter, das tolle Publikum und seine Karl-May-begeisterte Tochter.

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„Es ist anstrengend – aber du wirst es lieben, hat man mir gesagt. Und das hat sich bewahrheitet.“ Jan Sosniok (48)

In einer guten Stunde muss er wieder im Sattel sitzen, die Schurken bekämpfen und dem Guten zum Sieg verhelfen. „Jan Sosniok bleibt dann hinter der Bühne und Winnetou reitet raus“, erklärt der Schauspieler sein Prinzip. Zurück bleibt dann auch die Infektion, wenigstens so gut es irgendwie geht. Denn einen erkälteten Apachenhäuptling hat Karl May in seinen Büchern nicht vorgesehen. Einen mit Berliner Schnauze im Übrigen auch nicht. Das „dit“und das „ick“, das der in der Hauptstadt lebende Schauspieler im Gespräch gerne benutzt, gehört zu den Dingen, die ebenfalls hinter der Bühne bleiben müssen.

Wer bisher alles den Winnetou gespielt hat, lesen Sie in unserer Ahnengalerie.

Vermutlich war es der dauernde Regen der laufenden Saison, der Sosniok die Erkältung eingetragen hat. Klagen über das Wetter will er trotzdem nicht. „Meistens hat man während der Vorstellung so viel Adrenalin in sich, dass man den Regen kaum merkt“, sagt der Schauspieler. Achtung habe er vielmehr vor dem Publikum, „das auch bei schlechtem Wetter dort sitzt und trotzdem eine fantastische Stimmung verbreitet“. Daraus ziehe er auch seine Hauptmotivation, sieben mal in der Woche unermüdlich die Silberbüchse zu schultern und auf Schurkenjagd zu gehen. „Es ist einfach toll, besonders die vielen Kinder, die sich darüber freuen. Ich glaube, am Ende einer Vorstellung hat man viele Menschen wirklich glücklich gemacht.“

Zu den glücklichen Kindern gehört auch Sosnioks eigene, fünfjährige Tochter, die ihren Vater am liebsten während der ganzen Saison begleiten würde. Seit ihrem zweiten Lebensjahr sei ihr Papa schließlich immer „der Indianer“ gewesen. „Sie hat die ganze Karl-May-Atmosphäre praktisch von Anfang an aufgesogen und ist richtig begeistert davon“, erzählt Sosniok lächelnd. Cynthia sei deshalb auch jedes Mal richtig böse mit ihm, wenn er zur Arbeit nach Bad Segeberg fährt und sie mit ihrer Mutter in Berlin bleiben muss. Aber es wird in Zukunft sicher noch viele Gelegenheiten für die Fünfjährige geben, ihren Vater im Indianerkostüm zu bewundern. Denn so bald möchte Jan Sosniok das rote Stirnband nicht an den Nagel hängen. Unterzeichnet sei zwar noch nichts. „Ich gehe derzeit aber fest davon aus, dass ich auch in der nächsten Saison den Winnetou spielen werde“, kündigt der 48-Jährige an. Denn auch wenn sich die Stelle des Bad Segeberger Indianerhäuptlings als „anstrengender als gedacht“ erwiesen habe, sei ihm die Rolle und vor allem das Team der Karl-May-Spiele inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Von Schauspielkollegen, die schon vor ihm am Kalkberg aufgetreten sind, sei ihm das prophezeit worden. „Es ist oft sehr fordernd, körperlich anstrengend – aber du wirst es lieben, haben sie gesagt. Und das hat sich bewahrheitetet.“

Heute Abend, nach der letzten Vorstellung der Woche, macht der Indianerhäuptling dann erst mal wieder für ein paar Tage Pause, Sosniok wird zurück nach Berlin fahren, „die Kuschelklamotten anziehen und mich zu meiner Frau auf die Couch setzen“. Bis Donnerstagvormittag wird Jan Sosniok nur Jan Sosniok sein, im Garten werkeln, mit der Tochter spielen und die Erkältung auskurieren.

Zunächst ist aber noch einmal der nicht erkältete Winnetou gefragt, der „Schatz im Silbersee“ muss verteidigt, Colonel Brinkley in die Schranken gewiesen werden. Aus dem Stadion ertönt zum zweiten Mal die Kavallerie-Fanfare, die Zuschauer warten schon gespannt, höchste Zeit für die Maske. Angefangen zu regnen hat es auch wieder.

Hintergrund: Der Schauspieler und seine Rolle

Jan Sosniok wurde am 14. März 1968 in Gummersbach geboren. Erste öffentliche Aufmerksamkeit erregte der Rheinländer 1992 bei einem Modelwettbewerb der Zeitschrift „Max“, bei dem der damals 24-Jährige unter die ersten zehn gewählt worden war. Einem bundesweiten Publikum wurde Sosniok ab 1994 in der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ als Thomas Lehmann bekannt. Es folgten etliche weitere Auftritte in zahlreichen TV-Film- und -Serienproduktionen wie „OP ruft Dr. Bruckner“ oder „Danni Lowinski“. Eine der erfolgreichsten war die ARD-Serie „Berlin, Berlin“ von 2001 bis 2004, für die Sosniok in allen vier Staffeln die Hauptrolle des Sven Ehlers übernahm. Sosniok ist Vater eines Sohnes und einer Tochter und lebt mit seiner Frau Nadine, die er 2015 heiratete, in Berlin. Privat fährt er gerne Motorrad und begeistert sich für den Modellbau.

Winnetou ist die wohl berühmteste Figur, die der Schriftsteller Karl May (1842 bis 1912) in seinen Erzählungen und Romanen schuf. Als fiktiver Häuptling der (real existierenden) Mescalero-Apachen, die im Südwesten der USA leben, ist Winnetou der Prototyp eines guten, edlen Indianers, der im Einklang mit der Natur lebt und für Gerechtigkeit, Frieden und Harmonie kämpft. Sein Erscheinungsbild wird geprägt von langen, schwarzen Haaren einem beigen Jagdanzug mit Fransen und einem Stirnband aus Schlangenhaut. Fest zu Winnetou gehören ein mit silbernen Nieten beschlagenes Gewehr, die „Silberbüchse“, und der Rappe „Iltschi“. Von einem deutschen Auswanderer, der als Klekih-Petra (Weißer Vater) bei den Apachen lebt, lernen Winnetou und seine jüngere Schwester Nscho-Tschi Verständnis für die Sitten der Weißen. Später wird Old Shatterhand Winnetous Blutsbruder.

 Oliver Vogt

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