Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Aus dem Leben eines Unbekannten

Bad Segeberg Aus dem Leben eines Unbekannten

Zum 150. Todestag von Franz Claudius stellte Axel Winkler den Grundschul-Namensgeber vor.

Voriger Artikel
Segebergs Rettungsdienst: Sind Rotes Kreuz und KBA raus?
Nächster Artikel
A 21: Anschlussstelle heute gesperrt

Axel Winkler bewies Humor und schauspielerisches Talent. Der Lehrer der Franz-Claudius-Schule schlüpfte in die Rolle des ehemaligen Pastors von Bad Segeberg. FOTOS: PETRA DREU

Bad Segeberg. . Vieles ist über seinen Vater, den Dichter Matthias Claudius überliefert. Über Franz Claudius, jüngstes von zwölf Kindern, gibt es hingegen so gut wie nichts finden. Das wenige, was über den Pastor und Schulinspektor zu finden war, hat Axel Winkler, Lehrer an der Franz-Claudius- Schule, am Dienstag in einem eindrucksvollen und mit einer großen Portion Humor gewürzten Schauspiel in der Marienkirche wiedergegeben. Dort ist auch noch bis zum 25. November eine kleine Ausstellung über das Leben von Franz Claudius zu sehen.

LN-Bild

Zum 150. Todestag von Franz Claudius stellte Axel Winkler den Grundschul-Namensgeber vor.

Zur Bildergalerie

„Als ich mich als Schulleiterin beworben hatte, war meine größte Sorge, dass ich nach Franz Claudius befragt werde. Ich hätte über ihn nicht viel sagen können“, sagte Göntje Braren, Schulleiterin der Franz-Claudius-Schule bei der Begrüßung der Gäste. Sie habe großen Respekt vor dem, wie er in Bad Segeberg gewirkt habe: „Ich bin stolz, dass unsere Schule in ganz Europa die einzige ist, die seinen Namen trägt.“

„Hier bin ich nun, mit 43 Jahren meine erste feste Anstellung.“ Mit festen Schritten betrat Axel Winkler die Marienkirche. In der einen Hand hielt er einen alten Koffer, in der anderen ein Bild seiner Mutter Rebecca. „Zwölf Kinder hat sie in 22 Jahren geboren. Ich war das jüngste. Eine Schule habe ich nicht besucht. Mein Vater unterrichtete uns. Das aber war Unterricht in einem andern Sinne: Hier ist die Bibliothek. Ich weiß, wo alles steht, hat er stets gesagt.“

Mit seinem Vater war er nicht immer einer Meinung. Auch über den Ort, an dem er Theologie studieren sollte, gab es Unstimmigkeiten. „Ich wollte nach Kiel, er wollte Berlin. Ich ging nach Berlin. Als er starb, ging ich nach Kiel“, erzählte Axel Winkler, der die Zuhörer anschaulich am Leben von Franz Claudius teilhaben ließ. Große Hoffnung hatte er sich auf eine Stelle in Wandsbek gemacht, die er vertretungsweise ausfüllte. Doch wieder bekam ein anderer die Stelle. „Als letzte Amtshandlung durfte ich meine Mutter begraben.“ Ein Bündel Briefe, die allesamt an seinen Vater gerichtet waren, hatte sie ihm am Sterbebett gegeben und gebeten, die Briefe zu verbrennen. Ein Wunsch, den ihr Ehemann Matthias Claudius ebenfalls auf dem Sterbebett an sie gerichtet hatte. „Sie konnte es nicht. Ich konnte es auch nicht“, sagte Franz Claudius.

Schließlich bekam er seine erste feste Stelle in der Marienkirche. Mit ihm kam seine Schwester Auguste . „Ich weiß nicht, was die Segeberger von uns gedacht haben. Ich schwerhörig, Auguste fast blind“, zitierte Winkler Claudius, der Freundschaft zum damaligen Bürgermeister Johann Phillip Ernst Esmarch geschlossen hatte. Er hatte das Lehrerseminar nach Bad Segeberg geholt, das Franz Claudius sehr am Herzen lag. Bei den wohlhabenden Segebergern las damals Theodor Storm vor, der seine Cousine Constanze Esmarch geheiratet hatte und berühmt wurde. Gesangsunterricht bekam diese von Rudolf Reinecke, dessen Sohn Carl noch talentierter war als der Vater und schließlich ein berühmter Komponist geworden ist. Auch Joachim Mähl, der unbedingt Lehrer in Segeberg werden wollte, gehörte zu dem betuchten Kreis. Über den sagte Claudius: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.“

Franz Claudius verstarb am 25. November 1866. Gepflegt wurde er von seiner Schwester Auguste und dem Wollspinner Blunck, der ihm dabei geholfen hat, die Briefe, die der Dichter Gotthold Ephraim Lessing an seinen Vater Matthias Claudius geschrieben hatte, zu verbrennen. Lediglich ein einziger Brief ist davon erhalten geblieben. Beide Dichter waren zwar Christen, gehörten aber auch der Freimaurerbewegung an.

Petra Dreu

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Segeberg
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!

Sollte die Direktwahl von Bürgermeistern abgeschafft werden?

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt.

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt. mehr

  • Shopping & Lifestyle
    Unser Lifestyle-Portal

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

  • Hochzeitszauber

    Alles zum Planen Ihrer Hochzeit - Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwoch... mehr

  • Events & Veranstaltungen

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Urlaub & Reisen
    Unser Reiseportal

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.