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Segeberg Aus für giftige Jagdpatronen: In den Landesforsten nur bleifrei
Lokales Segeberg Aus für giftige Jagdpatronen: In den Landesforsten nur bleifrei
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23:00 13.10.2012
Segeberg

Von Ursula KronlageBad Segeberg/Kiel – Bleiversetztes Benzin? Das ist Vergangenheit. Trinkwassserrohre aus Blei? Undenkbar. Fischesterben wegen verbleitem Grundwasser? Ein Skandal. Jetzt ist die Jagdmunition dran: Schleswig-Holsteins Jäger sollen ab 1. April 2013 zumindest in den Landesforsten bleifrei schießen. Das betrifft nicht nur die angestellten Förster, sondern auch Privatleute, die in den Landesforsten jagen. Mit dieser Verordnung folgt die Landesregierung anderen Bundesländern. Und stößt damit auf ungeteilten Zuspruch von Naturschutzverbänden und der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd. Kritik kommt von vielen Jägern und den Jagdverbänden auf Landes- und Bundesebene. Aus ihrer Sicht sind etliche Fragen noch ungeklärt. Doch unabhängig von der Sichtweise: Die Diskussion über bleifreies Schießen ist eine ideologische und eine politische.Bedeckt hält sich zurzeit noch der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Segeberg, Dr. Volker Henschel. „Es liegen noch nicht ausreichende Untersuchungsergebnisse für bleifreie Munition vor“, betont er. Und deshalb darf auch auf der großen Schießanlage in Hartenholm, die auch von auswärtigen Jägern genutzt wird, noch nicht mit bleifreier Munition geschossen werden. „Die Genehmigung des Schießstand-Sachverständigen liegt beim Kreis. Das Bauamt muss jetzt zustimmen“, bemerkt Hans-Jürgen Hamann, Presseobmann der Kreisjägerschaft. Doch an bleifreier Munition führt kein Weg vorbei. „Weg mit dem Blei aus der Umwelt“, fordern Naturschützer, allen voran der Nabu, schon seit Jahren. Denn Blei ist ein giftiges Schwermetall. Werde es bei der Jagd verwendet, gelange es in die Umwelt und schädige Mensch und Tier, begründet der Verband. Und das ist längst nicht mehr nur eine Theorie, das ist bewiesen. Sagt Eckehard Heisinger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd und Revierförster in Ahrensbök – eine von den 30 Förstereien innerhalb der Landesforsten. Heisinger stützt sich unter anderem auf Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Berlin). Nach dessen Einschätzung stellen die Reste bleihaltiger Munition in Aufbrüchen und beschossenen Wildtieren eine der wichtigsten Quellen für Bleivergiftungen bei Greifvögeln dar. Diesem Ergebnis liegt ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Verbundprojekt über die Ursachen von Bleivergiftungen bei Greifvögeln zugrunde. Und mit diesem Argument begründet die Landesregierung in Kiel auch ihre Verordnung: „Unsere Seeadler und andere Wildtiere sollen zukünftig nicht mehr durch bleihaltige Munition vergiftet werden.“ Doch was wäre die Alternative zum Blei? Kupfer? Zinn? Auch das sind Schwermetalle. Eisen? Ist zu hart, verformt sich nicht beim Aufprall. Stahl? Die Landesregierung erhofft sich hier von Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung (Berlin) Aufschluss über alternatives Geschossmaterial. „Diese werden nach allgemeinem wissenschaftlichen Stand als weniger, aber unterschiedlich toxisch eingestuft“, räumt der zuständige Staatssekretär Dr. Ulf Kämpfer ein. Und genau hier setzt auch die Kritik vieler Jäger und ihrer Landesverbände an. „Es fehlt eine vernünftige toxikologische Bewertung von Geschossmaterial“, fordert Dr. Klaus Hinnerk Baasch, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landesjagdverbandes (rund 17 000 Mitglieder). Aus seiner Sicht ist eine fundamentale Frage bisher nicht geklärt: Welche Munition tötet unabhängig vom Material tierschutzgerecht? Und wie wirkt sich das Metall aus der Jagdmunition auf die Fleischqualität aus? Weil so viele Fragen noch ungeklärt sind, sieht Baasch zurzeit auch keine Notwendigkeit, auf bleifreie Munition umzusteigen. Auch nicht aus Gründen des Verbraucherschutzes. Das betont der LJV-Präsident. „Es ist richtig, Menschen zu sensibilisieren und es auch richtig, in der Umwelt das Blei zu minimieren“, betont er. Doch für die Entscheidung der Landesregierung fehlen ihm gesicherte Erkenntnisse sowohl zu vergifteten Seeadlern und anderen Wildtieren als auch Vorgaben zu belastetem Wildfleisch. „Es gibt keine Gefährdung für den Verbraucher“, hält er fest. Ausnahmen mögen gelten für Kleinkinder und Schwangere, schränkt er ein. Die Landesregierung würde gern noch weiter gehen, nämlich ein generelles Verbot bleihaltiger Munition zu erlassen, doch dafür muss das Landesjagdgesetz geändert werden. „Daran arbeiten wir derzeit“, sagt Staatssekretär Dr. Ulf Kämpfer.

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