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Segeberg Ausnahmezustand für die Wehren
Lokales Segeberg Ausnahmezustand für die Wehren
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22:31 29.10.2013
Nur ‘was für Schwindelfreie: Bei zahlreichen Einsätzen war die Bad Segeberger Drehleiter gefragt.
Segeberg

Sturmtief „Christian“ hat sich auch im Kreis Segeberg als arger Wüterich gezeigt. Allein die Polizeileitstelle in Elmshorn hat am Montag in nur fünf Stunden über 900 Notrufe entgegen genommen. Polizeipressesprecherin Sandra Mohr: „Die Telefone standen keinen Moment still.“

„Das war ein Extremsturm“, urteilte Lothar Gahrmann vom Landespolizeiamt, „so viele Einsätze hatten wir noch nie.“ Auch die Feuerwehren wussten kaum, wo sie zuerst helfen sollten: „Es war der arbeitsreichste Montag der vergangenen Jahrzehnte“, sagte Dennis Oldenburg, Pressesprecher des Kreis-Feuerwehrverbandes. Fast 400 Einsätze wurden von der Rettungsleitstelle veranlasst, zahlreiche andere haben die Wehren in Eigenregie übernommen, umgestürzte Bäume, Autos und Laster, abgedeckte Dächer, umgekippte Gerüste, Container, Mülltonnen, Schilder und Werbetafeln geborgen und gesichert.

Die Schäden gehen in die Millionen, die Versicherungsbüros werden mit Anfragen überhäuft. Andreas Toebs von der Agentur der Provinzial in Bad Segeberg berichtete gestern Abend von 60 gemeldeten Schäden allein in seinem Bereich. Da flogen Ziegel herunter, da wehte ein ganzes Stalldach weg. „Der Schaden wird sich nur bei uns auf etwa 130 000 Euro summieren.“

Am schlimmsten hat es einen 21 Jahre alten Kaltenkirchener getroffen: Ein umgestürzter Baum hat ihn unter sich begraben. Der Fußgänger wurde eingeklemmt, sein Bein schwer verletzt. Der Flottkamp wurde voll gesperrt, bis das Unfallopfer befreit und der Baum von der Feuerwehr entfernt war. Enormes Glück hatte der Wahlstedter Gert Götsch: Gerade als er mit seinen Nachbarn den Schaden begutachtete, den ein dicker, umgeknickter Ast an einem Anhänger angerichtet hatte, stürzte direkt neben ihm eine riesige Birke zu Boden. „Ach, ich dachte, die trifft mich nicht, sondern fällt genau in die andere Richtung. Ich hatte viel mehr Sorge, dass sie auf den Carport fällt“, so der 54-jährige Betreiber eines Kfz-Servicecenters, als er auf die Baumkrone zeigte, die haarscharf an dem großen Holzunterstand vorbeigerauscht war.

Dachziegel trafen einen Passanten

In Bad Bramstedt wurde das Dach eines Mehrfamilienhauses am Bahnhof teilweise durch den Wind abgedeckt. Der Gefahrenbereich wurde weiträumig abgesperrt, die Bewohner evakuiert. Sie mussten vorübergehend in der nahe gelegenen Grundschule untergebracht und versorgt werden. In Bad Segeberg rasten Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge insbesondere von 14.30 bis 17 Uhr pausenlos von einem Einsatz zum anderen. Ein Passant wurde an der Kurhausstraße von herunterfallenden Dachziegeln getroffen. Ein fliegendes Trampolin beschädigte an der Geschwister- Scholl-Straße ein Auto. In Wahlstedt bekam eine schwangere Frau ein fliegendes Werbeschild an den Kopf geschleudert.

Auch gestern noch wurde überall aufgeräumt. Unter anderem musste im Bad Segeberger Kurpark ein großer umgekippter Baum geborgen werden. In Fahrenkrug sperrte die Polizei den Schackendorfer Weg, weil eine alte Eiche drohte, auf ein Haus zu kippen. An der Kurlandstraße in Trappenkamp ist ein Baum auf ein Haus gestürzt. Und in Norderstedt ist ein 15 Meter langer Baum auf einen dreigeschossigen Wohnblock gekracht. Wie die Schleswig-Holstein-Netz AG mitteilt, sind auch im Kreis Segeberg Stromleitungen und -masten beschädigt worden. Landesweit hat das Unternehmen 300 eigene und Mitarbeiter von Fremdfirmen zu Reparaturarbeiten eingesetzt, damit wieder überall Strom bereit steht.

80 der 116 Feuerwehren im Kreis Segeberg waren gestern im Einsatz, teilweise unterstützt vom Technischen Hilfswerk, das kurioserweise selbst zum Sturmopfer wurde: Beim THW Wahlstedt hatte eine Böe das Dach aus Trapezblech abgehoben und auf das Nachbargrundstück geschleudert. Auch in Tönningstedt wurde ein Dach vom Orkan abgedeckt. „Viele Einsatzkräfte begeben sich in große Gefahr, da während laufender Einsätze jederzeit weitere Bäume oder Gegenstände umherfliegen können. Glücklicherweise kam keiner der Einsatzkräfte bei der Beseitigung der Sturmschäden zu Schaden“, sagte Kreiswehrführer Rolf Gloyer erleichtert. Besonders gefragt war am Montag die Drehleiter der Bad Segeberger Wehr. Sie wurde nicht nur bei 30 Einsätzen in der Kreisstadt, sondern auch in Fahrenkrug, Wahlstedt und Trappenkamp eingesetzt.

spr

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