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Segeberg Ausreise statt Gerichtsurteil
Lokales Segeberg Ausreise statt Gerichtsurteil
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18:13 09.06.2016

Es ist eigentlich eine Lappalie, durch die sich Enis C. (Name von der Redaktion geändert) eine Anklage einhandelte: Im Januar dieses Jahres stahl der 30-jährige Henstedt-Ulzburger eine Handyhülle im Wert von knapp 20 Euro bei einem Elektrogeschäft an seinem Wohnort. Schwerwiegender wurde der Tatvorwurf aus juristischer Sicht, weil der aufmerksame Ladendetektiv nicht nur das Diebesgut bei dem Angeklagten fand, sondern auch in dessen Hosentasche ein ausklappbares Taschenmesser.

Die Folge: C. musste sich nun vor dem Norderstedter Amtsgericht wegen eines Diebstahls mit Waffen verantworten – ein Delikt, das mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem halben Jahr zu ahnden ist, da man davon ausgeht, dass die griffbereit mitgeführte Waffe im Notfall zum Einsatz kommen kann. „Ja, ich wollte die Hülle klauen, aber das Messer trage ich immer bei mir. Es ist ein Erinnerungsstück aus meiner Heimat Albanien. Damit schneide ich ab und zu Obst für meine Kinder, aber verletzen wollte ich niemanden damit,“ ließ der Angeklagte durch den im Gerichtssaal anwesenden Dolmetscher übersetzen. Seit 16 Monaten lebt C. mit seiner Familie in Deutschland, spricht aber die hiesige Sprache kaum. „Wir sind vor den Serben geflohen, die uns bedroht haben. Mein Asylantrag wurde jedoch abgelehnt,“ erzählte der Angeklagte.

Er überraschte Richter Matthias Lohmann sodann mit der Ankündigung, morgen Deutschland zu verlassen, da seine Aufenthaltserlaubnis in diesen Tagen ende. Zum Beweis legte der Mann das Flugticket vor, das belegt, dass der Rückflug ab Berlin zurück nach Albanien geplant sei. Er wolle aber unbedingt nach Deutschland zurück und habe schon eine Arbeitsstelle als Fliesenleger, berichtete der Angeklagte. Der Richter hielt angesichts der Schwierigkeit der Vollstreckung eine Bestrafung des bisher nicht vorbestraften Angeklagten für nicht sinnvoll. Im Einverständnis mit allen Beteiligten wurde das Verfahren eingestellt mit der Auflage, dass der Angeklagte nur mit einer gültigen Aufenthaltserlaubnis nach Deutschland zurückkehren darf, anderenfalls wird sofort wieder das Strafverfahren neu aufgerollt.

Der Angeklagte erklärte sich zudem einverstanden, dass die ihm nach dem Diebstahl abgenommenen 50 Euro der Einrichtung „Pro Asyl“ zur Verfügung gestellt werden – und er auf die Rückgabe des Klappmessers verzichtet.

mka

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