Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Ausstellung „Fegt alle hinweg“: Berufsverbot für 8000 jüdische Ärzte
Lokales Segeberg Ausstellung „Fegt alle hinweg“: Berufsverbot für 8000 jüdische Ärzte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:32 30.10.2013
Bei der Ausstellungseröffnung (v. l.): Walter Blender (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde), Dr. Henrik Herrmann (Vizepräsident der Ärztekammer), Dr. Carsten Leffmann (Ärztlicher Geschäftsführer). Quelle: Fotos: urs
Anzeige
Bad Segeberg

Magdalena Schwarz, geborene Buchwald, wird 1900 in Berlin geboren, wächst in einem großbürgerlichen Elternhaus auf und studiert Medizin. Sie besteht ihr Examen 1928 mit „Gut“ und arbeitet als Volontärärztin, nebenbei als Fürsorgeärztin. Doch eine Kassenzulassung erhält sie nicht mehr. Denn bereits ab 22. April 1933 sollen jüdische Kassenpraxen für „arische“ Ärzte frei gemacht werden. Das Schicksal der Ärztin Magdalena Schwarz ist eines von 22 in der Ausstellung „Fegt alle hinweg“, die gestern in der Ärztekammer eröffnet wurde.

Die Ausstellung zeichnet das Leben von jüdischen Frauen und Männern nach, die damals, zwischen 1933 und 1939, aufgrund der Nürnberger Vereinbarung als Ärzte und Wissenschaftler entlassen wurden, ihre Approbation und damit auch ihre Existenz verloren, viele wanderten aus, andere kamen ins KZ, einige nahmen sich das Leben. Es sind Lebensgeschichten vorwiegend aus Süddeutschland, die exemplarisch stehen für Tausende in ganz Deutschland. „Ursprünglich waren die Tafeln nur für Bayern konzipiert“, erklärte Kuratorin Ursula Ebell, die die Ausstellung zusammen mit Ehemann Hansjörg zusammengestellt hat. Schirmherrin ist Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland.

„8000 jüdische Ärzte wurden damals von ihrem Beruf ausgeschlossen, obwohl jeder mit hoher fachlicher Kompetenz seine Profession ausübte“, bemerkte Dr. Henrik Herrmann, Vizepräsident der Ärztekammer.

Die Ausstellung habe 2012 zum offiziellen Programm des Deutschen Ärztetages in Nürnberg gehört; die Delegierten haben damals einstimmig die sogenannte Nürnberger Erklärung verabschiedet, in der eine wesentliche Mitverantwortung von Ärzten an den Unrechtstaten der NS-Medizin anerkannt worden sei.

„Obwohl alle wussten, dass es sich um vorgeschobene Gründe, Schikane und Willkür handelte, machten alle mit“, hielt Walter Blender (Jüdische Gemeinde) fest. Keiner habe sich erhoben, keiner habe sich gewehrt zu Gunsten eines jüdischen Kollegen. „Mit einer Ausstellung wie dieser vergessen wir das Schema nicht.“ Für Bürgervorsteherin Ingrid Altner ist die Ausstellung eine Mahnung zu Achtsamkeit und eine Aufforderung zur Wahrung der Demokratie. Die Ausstellung ist bis 12. Dezember zu sehen.

Ursula Kronlage

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige