Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Feuerwehrhaus: BBS will einen Architektenwettbewerb
Lokales Segeberg Feuerwehrhaus: BBS will einen Architektenwettbewerb
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 14.03.2019
Streit um das teure Feuerwehrhaus: Die Kontrahenten Wolfgang Tödt (BBS) und Bauamtsleiterin Antje Langethal. Quelle: Glombik
Bad Segeberg

Wie weit darf Politik das Handeln der Verwaltung infrage stellen, ja sie auf die Anklagebank setzen? Im Bad Segeberger Rathaus scheint es angesichts der möglichen Kosten von über 16 Millionen Euro für das neue Feuerwehrhaus die Zweifel bei BBS und Grünen immer größer zu werden, ob hier alles in richtigen Bahnen läuft. Den Part des Zweiflers hat Bauausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) übernommen. „Wir müssen bei einem Bauvorhaben, das zurzeit mit 16 Millionen Euro gehandelt wird, auch im Bauausschuss darüber reden“, stellte er klar. Er wisse bis heute nicht, auf welcher Grundlage das Raumprogramm für das Feuerwehrhaus erstellt wurde. Vieles sei ohne die Politik im Rathaus zusammen mit der Feuerwehr besprochen worden.

Bauamtsleiterin gerät in Bedrängnis

Dass die Auflagen der Feuerwehr-Unfallkasse alle erfüllt werden müssten, sei für ihn und den BBS selbstverständlich. Aber dafür 16 Millionen Euro? Bauamtschefin Antje Langethal, die mehrmals in Bedrängnis geriert und sich über den – zugegeben – manchmal inquisitorischen Fragestil von Tödt beschwerte, stellte klar, dass sie nicht für alles zuständig sei. „Ich weiß nicht, welche Fahrzeuge gebraucht werden, aber ich weiß, was ich bauen muss, um diese unterzubringen.“ Demnächst werde der Politik ein Vorbericht zu den Ergebnissen des mit der Vorplanung beauftragten Architekturbüros vorgelegt, kündigte sie an.

Tödt: „Wir planen hier auf Grundlage von Unterlagen, die von der Stadtvertretung noch gar nicht beschlossen sind, das ist fragwürdig.“ Da von der Politik noch gar nicht festgelegt worden sei, ob es die „Variante 2“ überhaupt sein solle, müsse er das weitere Prozedere infrage stellen. „Wir reden hier von Millionen Euro, das muss sauber und nachvollziehbar sein“. Langethal indes verwies darauf, dass die Stadtvertreter dafür Planungsgelder bewilligt hätten. Es sei in den Debatten immer klar gewesen, dass „Variante 2“ favorisiert werde.

Zur Erinnerung: Die deutlich attraktivere und zukunftsfähigere „Variante 2“ sieht vor, dass mit Ausnahme der bestehenden Fahrzeughalle ein kompletter Neubau entstehen soll. Dazu müsste aber noch ein Grundstücksdeal mit der Nachbarschaft getroffen werden. Der soll aber immer noch nicht unter Dach und Fach sein.

„Aus sechs bis acht Varianten auswählen“

Der BBS fordert nun, sich nicht nur auf ein Planungsbüro zu verlassen, sondern einen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Gunter von Tluck und Toschonowitz: „Dann bekommen wir die Möglichkeit, aus sechs bis acht verschiedenen Varianten auszuwählen.“ Ein oder zwei Angebote werden dann bestimmt wesentlich günstiger sein als die jetzige Version. Jochim Hollmann (Grüne) mokierte, dass die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs „unter Asbestdächern“ arbeiten müssten. Auch hier müsste dringend etwas passieren. Doch ist die Stadt hier überhaupt noch handlungsfähig, wenn sie 16 Millionen für die Feuerwehr ausgeben wird?

Die Bad Segeberger Feuerwache liegt zentral, hier soll sie auch erweitert werden Quelle: GLOMBIK

Langethal verwies immer wieder auf fehlende Beschlüsse zu den BBS-Ideen. Sie wehrte sich gegen alle Vorhaltungen Tödts: „Wenn ich in den politischen Gremien keine Mehrheit finde, kann ich doch dafür nicht die Verwaltung dafür verantwortlich machen.“ Dem BBS stehe es doch frei, einen Antrag für einen Architektenwettbewerb zu stellen. Bislang hätte das allerdings wenig Sinn gehabt, weil man gar nicht wusste, ob man das Raumprogramm überhaupt auf dem Grundstück des bestehenden Feuerwehrhauses unterbringen könne. Und zu Tödt: „Ich lasse mir nicht unterstellen, dass ich wider besseren Wissens arbeite. Ist das der richtige Umgang mit der Verwaltung?“ Ihr sprang Angelika Sorgenfrey (FDP) bei. „Es ist ganz bitter, wie hier mit Frau Langethal umgegangen wird.“

„Jeder gute Architekt kann ein Feuerwehrhaus bauen“

Gunter von Tluck und Toschonowitz warnte davor, mit dem 16-Millionen-Projekt ein Architektenbüro zu beauftragen, dass „noch nie ein Feuerwehrhaus gebaut hat“. Auch Annelie Eick sagte, dass sie „einen Schreck“ bekommen habe, „dass das Büro so unbedarft an das Thema herangeht“. Langethal widersprach: Für ein gutes Architektenbüro sei es „nicht kompliziert“. Ein Feuerwehrhaus bauen könne jeder gute Architekt. „Wir haben von der Feuerwehr-Unfallkasse und dem Kreisbrandmeister die Bestätigung bekommen, dass die Planung angemessen ist.“ Immerhin gäbe es die Möglichkeit, in der folgenden Planungsphase zu prüfen, mit welchen Materialien man das Gebäude bauen möchte. Statt Klinker, der städtebaulich wünschenswert wäre, eine Wellblech-Fassade, statt Parkett im Saal Betonboden, da ließen sich etwa zwei Millionen Euro sparen.  

Wolfgang Glombik

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vergabe- und steuerrechtliche Änderungen erfordern eine Umstrukturierung des Wege-Zweckverbands. Die Mitarbeiter des Segeberger Entsorgers gehen zurück in den öffentlichen Dienst und freuen sich auf mehr Geld im Portemonnaie.

14.03.2019

Wegen „Amtsanmaßung“ ermittelt die Polizei gegen einen Mann, der in Kaltenkirchen illegal Bußgelder von Hundehaltern wegen Verstößen gegen den Leinenzwang eingetrieben haben soll. Beim Ordnungsamt gingen inzwischen mehrere Beschwerden über den Unbekannten ein.

14.03.2019

Unbekannte haben auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft in Boostedt an elf Dienst- und vier Privatfahrzeugen Seitenspiegel und Scheibenwischer abgebrochen. Der Schaden liegt bei rund 10 000 Euro. Ein gezielter Sabotageakt?

14.03.2019