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17:24 24.11.2018
„FriendsDay“ dient der Berufsorientierung: Schüler des BBZ erklären den Gästeschülern die Kfz-Elektronik. Quelle: Weidling/hfr
Bad Segeberg

 Unter dem Motto „Staunen, Mitmachen und Experimentieren“ fand vor Kurzem am Berufsbildungszentrum (BBZ) Bad Segeberg der „FriendsDay“ statt. Hier ging es darum, Schüler ab der achten Klassen Begegnungen mit der Berufswelt zu ermöglichen. Über 600 Schüler kamen zur Berufsorientierung: Jugendliche sollen selbst lernen, ihre Fähigkeiten, Stärken und Schwächen kennenzulernen. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, mit Werkzeug in der Werkstatt zu arbeiten. Es gehe nicht darum, „nur auf dem Smartphon zu wischen, sondern herauszufinden, welche Talente sonst in einem schlummern“, bringt es BBZ-Schulleiter Heinz Sandbrink auf den Punkt.

Ziel bei der Berufsorientierung könnte für die Jugendlichen sein, herauszufinden, ob sie besser mit Pinsel, Säge oder dem Computer umgehen können. Doch hat das wirklich Einfluss auf die spätere Berufswahl? Sandbrink gesteht ein, dass vielbeschäftigte Mitarbeiter von Firmen oft gar nicht die Zeit hätten, sich mit Praktikanten intensiv zu beschäftigen. Deshalb kam die Idee auf, am BBZ wenigstens einen Tag anzubieten, damit Schüler schon vorab eine Vorstellung davon gewinnen, in welchen Betrieb sie gehen möchten. Gerade bei der Suche nach einem Praktikumsplatz laufe vieles über Eltern, Verwandte.

„Nicht nur übers Smartphone wischen“: Der Leiter des Berufsbildungszentrum, Heinz Sandbrink. Quelle: LN-ARCHIV

Anders verhält es sich bei der Berufsorientierung im BBZ. Die Schüler werden durch „Lotsen“, wenig älteren Berufsschülern, zu Stationen geführt und können sich dort ausprobieren. In der Kfz-Werkstatt geht es mal darum, einen Reifen zu wechseln, oder in der Tischlerwerkstatt computerunterstützt ein Schneidbrett zu entwerfen und aussägen zu lassen. Kinder und Jugendliche haben, so ist Sandbrinks Erfahrung, eher wenig Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft. „Wenn man heute vor 15- bis 16-Jährigen über Werkzeug redet, sagten die: Mein Werkzeug ist die App.“ Das BBZ wolle vermitteln, dass „digitales Arbeiten mehr sei, als mit dem Finger über das Smartphone zu wischen“. Zumal Schüler zwar ihr Handy bedienen könnten aber nicht mit dem Office-Paket ihres Computer umgehen könnten. So würden im Beruflichen Gymnasium erst einmal Schreibübungen an der Computer-Tastatur gemacht. Da fehlt es eben.

Die Schülerzahlen am Beruflichen Gymnasium seien „eher konstant bis leicht abnehmend“. Jörn Fischer, Lehrer und Koordinator für die Sekundarstufe der Gemeinschaftsschule Leezen berichtet auf LN-Nachfrage, dass an seiner Schule sich gerade die Zehntklässler „klar positionierten und schulisch mehr erreichen möchten“, sprich auf das Berufliche Gymnasium wechseln.

Bei der Ausbildung seien die Zahlen leicht abnehmend. Sandbrink: „Wenn wir die Geflüchteten nicht in Ausbildung hätten, dann lägen wir deutlich unter den Zahlen, die wir früher hatten.“ Die Flüchtlinge füllen offensichtlich Lücken beim Handwerker-Nachwuchs. Auch hier gebe es große Unterschiede: So gebe es hier sehr gute, leistungsstarke Berufsschüler, die aber zwangsläufig Probleme mit der deutschen Sprache haben. Klar sei, dass die Geflüchteten auf der Baustelle zum Beispiel sehr gut zurechtkommen, aber in der Schule bei der Theorie oft Probleme hätten.

Es gebe natürlich auch deutsche Jugendliche mit Beeinträchtigungen, die gefördert werden müssten. Sandbrink: „Wir können da aber keinen Nachteilsausgleich geben, es darf keine Ausbildung-Light geben.“ Klar sei: Flüchtlinge müssten sich besonders anstrengen, um mitzukommen. Bei der Berufsorientierung empfiehlt der BBZ-Leiter Jugendlichen, keine Scheu vor Berufen zu haben, bei dem man sich vermeintlich die Hände schmutzig machen müsse. Auch auf dem Bau gebe es hochattraktive Berufe. Handwerker seien hier inzwischen hoch technisiert. Zimmerleute entlasten sich körperlich heute mit technischer Hilfe, und ein angehender Maurer bekomme eine höhere Ausbildungsvergütung als ein Bankkaufmann-Azubi. Sandbrink: „In den Handwerksberufen werden die Leute sofort übernommen. Die können sich heute den Betrieb aussuchen und die Arbeitsbedingungen festlegen.“

Wolfgang Glombik

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