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Lokales Segeberg Bad Segeberg will endlich mehr für Radfahrer tun
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20:41 07.12.2017
„Spießrutenfahren“ auf der Kurhausstraße: Radfahrer beklagen sich über Pöbeleien und Anhupen.
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Bad Segeberg

Auch wenn die meisten Radwege in Bad Segeberg in einem katastrophalen Zustand sind – oder erst gar nicht vorhanden sind –, trauen sich die Radfahrer kaum auf die Straßen. Im Bad Segeberger Bauausschuss gab kürzlich Joachim Brunkhorst, Kreis-Radverkehrsbeauftragter, Tipps für eine bessere Radverkehrsförderung auf Bad Segebergs Straßen. Beispiel Kurhausstraße: Die Benutzungspflicht für den extrem schmalen und (wegen sich öffnender Autotüren) gefährlichen Radweg ist aufgehoben. Radfahrer müssen diesen Radweg also nicht benutzen.

Andernorts wird über Radschnellwege diskutiert, Bad Segeberg ist schon bei stinknormalen Radwegen unterentwickelt. Jetzt soll ein Radverkehrsbeauftragter benannt werden, der Mängel benennt. Der Fahrradexperte des Kreises gab den Segebergern schon mal einige Tipps.

Auf die Straße? Das erfordere gerade in der Kurhausstraße viel Mut, berichtete Bauamtsleiterin Antje Langethal. Sie ist oft selbst per Velo unterwegs. Wer sich hier als Radfahrer auf die Fahrbahn traue, werde von Autofahrern „ständig angepöbelt und angehupt“. Quasi ein Spießrutenfahren. Das sei zum Beispiel in einer Studenten-Stadt wie Kiel anders. Da würden Radfahrer die Straße für sich selbstbewusst in Anspruch nehmen und auch entsprechend akzeptiert.

Der Radverkehrsbeauftragte Joachim Brunkhorst aus Norderstedt versteht gar nicht, warum die Stadt nicht schon längst versucht hat, die Flanier-Kurhausstraße vom Verkehr zu beruhigen und Tempo 30 einzurichten. In anderen Städten werden auch in Durchgangsstraßen entsprechende Fahrrad-Piktogramme auf den Asphalt gemalt. Die seien nicht zu übersehen: „So weiß der Autofahrer, hier hat der Radfahrer die gleichen Rechte. Dort wird man nicht mehr angehupt.“ Auch empfahl Brunkhorst, der von kombinierten Geh- und Radwegen nichts hält, Schutzstreifen für Radfahrer zum Beispiel auf der Hamburger Straße zwischen Möbel Kraft und Kreishaus einzurichten. Radfahrer entschleunigen den Kraftverkehr. „Bad Segeberg ist so eine hübsche Stadt mit Gemütlichkeit, bewahren Sie sich das.“

Schutzstreifen, Tempo 30, überall fahrradfreundliche Piktogramme – hier kamen im Ausschuss Bedenken, dass das von der maßgebenden Kreisverkehrsaufsicht ohnehin nicht genehmigt werde. Tatsächlich zeigten sich diese in den vergangenen Jahren hier mehr als sperrig. Hat sich etwas in der Einstellung geändert? Die LN fragten nach. Michael Krüger, Leiter der Verkehrsaufsicht des Kreises Segeberg, stellte klar, dass von der Stadt Bad Segeberg hierzu keine Anträge vorlägen. „Wir haben der Stadt schon lange ins Stammbuch geschrieben, dass sie für ihre Straßen ein einheitliche Radverkehrskonzept entwickeln soll, das auch für die Nebenstraßen gelten muss.“ Wie auch immer die Gestaltung aussehe, der Autofahrer müsse „klare Regelungen für das gesamte Stadtgebiet vorfinden“. Die Stadt tue sich seit sieben, acht Jahren schwer, ein durchgängiges Konzept zu entwickeln. Das Beispiel Kurhausstraße: Sinnvoll sei es hier, so Krüger, die Parkbuchten wegzunehmen, die Radwege entsprechend zu verbreitern. Das wäre aber mit Einschränkungen für das Geschäftsleben verbunden.

Krüger sieht die Gefahr, dass Radfahrer durch Piktogramme auf der Fahrbahn eher zu viele Rechte in Anspruch nehmen könnten. „Wir können uns auch zu Tode regeln.“ Ein 1,50 Meter breiter Schutzstreifen für Radfahrer in der Hamburger Straße sei genehmigungsfähig, wenn der Platz für den Autoverkehr ausreiche. Die Kreisverkehrsaufsicht sei grundsätzlich gesprächsbereit gegenüber der Stadt.

Immerhin: Bad Segeberg macht sich jetzt fahrradtechnisch auf den Weg. Zwar mochte sich der Bauausschuss nicht für eine zusätzliche halbe Stelle im Tiefbau für den Bereich Fahrradförderung erwärmen.

Aber ein ehrenamtlicher, städtischer Radverkehrsbeauftragter soll demnächst benannt werden. Auch empfahl der Ausschuss, für den Umbau des Fuß- und Radweges an der Hamburger Straße zwischen Bahnquerung und Theoder-Storm-Straße einen Planauftrag zu erteilen.

Von Wolfgang Glombik

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