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Bad Segeberg will „jugendgerecht“ werden

Bad Segeberg Bad Segeberg will „jugendgerecht“ werden

Dreijähriges Modellprojekt auf Bundesebene mit 16 Kommunen — Die Kreisstadt vertritt Schleswig-Holstein.

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Martin Karolczak (v. l., Verein für Jugend- und Kulturarbeit), Thomas Minnerop (Projektleiter) und Jens Lichte (Sozialausschuss) sehen in dem Projekt eine Chance für Bad Segeberg.

Quelle: Materne

Bad Segeberg. Es ist bald sechs Jahre her, da wurde in Bad Segeberg die Skateranlage auf der Backofenwiese abgerissen, nachdem ein Anwohner erfolgreich geklagt hatte. Bis heute wurde das Versprechen nicht eingelöst, die Anlage wieder aufzubauen. Egal welcher Standort vorgeschlagen wurde, immer wieder stand etwas oder jemand im Weg. Zur Enttäuschung der Jugendlichen.

Nun will ausgerechnet Bad Segeberg „jugendgerechte Kommune“ werden. Bei dem dreijährigen Modellprojekt auf Bundesebene vertritt Bad Segeberg das Land Schleswig-Holstein.

„Darauf können wir stolz sein“, sagt Jens Lichte, Vorsitzender des Sozialausschusses. Bundesweit hätten sich 54 Kommunen beworben, in Schleswig-Holstein neun. Wie sich Bad Segeberg durchsetzen konnte, fragt man sich unweigerlich. Stand doch Ende vergangenen Jahres noch die Existenz des Jugendzentrums auf dem Spiel, weil die Stadt 750000 Euro einsparen musste. „Bad Segeberg hat Nachholbedarf“, räumt Jens Lichte ein. Man wolle aus den Fehlern lernen, so Martin Karolczak von der Jugendakademie, die die Stadt bei dem Projekt begleitet. Es geht darum, junge Leute zwischen zwölf und 27 Jahren besser teilhaben zu lassen, jugendgerechte Politik zu betreiben. Wobei es nicht um „Christbaumpartizipation“ geht, betont Karolczak. Nur Wünschen ist nicht, mitmachen soll die Jugend.

Aktiv werden. Sich engagieren. Denn egal wohin man schaue, wenn es ums Ehrenamt geht, ob in der Politik, im Sportverein oder in Schulen: „Jugendliche sind Mangelware“, so Lichte. Dabei mache es Eindruck, wenn auf einmal 50, 60 Jugendliche im Saal sitzen, weil der Sozialausschuss über die Zukunft des Jugendzentrums berät. Dann müssten sich auch die Politiker überlegen, ob sie „die Wähler von morgen“ ignorieren können.

Nun gilt es, die Jugendlichen für das Projekt zu begeistern. Dafür tingelt Projektbetreuer Thomas Minnerop durch Schulen und Vereine. Es soll Seminare geben und Zukunftswerkstätten — voraussichtlich im Mai. Dabei ist Kreativität gefragt, denn Geld spült das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt nicht nach Bad Segeberg. Finanziert werden eine Koordinierungsstelle, die Begleitung des Prozesses und Tagungen zwischen den Akteuren bundesweit. Die Projektbetreuung durch den Verein für Jugend- und Kulturarbeit zahlt die Stadt selbst, auch das kleine Budget von 5000 Euro jährlich.

Mit der Teilnahme am Projekt verpflichte sich die Stadt aber zum Aufbau jugendgerechter Strukturen, betont Karolczak. Zum ersten großen Treffen zwischen Jugend, Verwaltung und Politik im Juli sollen erste Ergebnisse vorliegen über Ist-Zustand und lokale Akteure. Eine Arbeitsgruppe mit Personen aus der Jugendarbeit wurde gebildet, um Jugendliche zur Mitarbeit zu motivieren, Aktionen zu planen.

Dass zum Gelingen aber auch die Politik auf die Jugend zugehen muss, ist Lichte beim Startschuss des Projekts kürzlich in Berlin klar geworden. Als Konsequenz habe er sich vorgenommen, regelmäßig an den Sitzungen des Kinder- und Jugendbeirats teilzunehmen und über jugendrelevante Themen zu informieren. „Das sollten auch andere Vorsitzende machen.“

Dreijähriger Prozess

Die Gesellschaft soll jugendgerechter werden. Bundesweit haben 16 Städte, Gemeinden und Landkreise den dreijährigen Prozess „Jugendgerechte Kommune“ gestartet. Dort sollen Jugendliche gemeinsam mit den politischen Verantwortlichen und anderen gesellschaftlichen Akteuren eigene Prozesse und Ziele erarbeiten und gestalten. Begleitet werden sie dabei von der Koordinierungsstelle „Handeln für eine jugendgerechte Kommune.“ In Hamburg läuft das Projekt im Stadtteil Barmbek-Nord, in Mecklenburg-Vorpommern wurde Rostock ausgewählt, in Niedersachsen Hannover. Aus Schleswig-Holstein macht Bad Segeberg mit. Projektleiter ist Thomas Minnerop. Jugendliche, die mitmachen wollen, erreichen ihn unter ☎ 04551/968972.

Nadine Materne

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