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Segeberg Bad Segeberg zur besten Sendezeit
Lokales Segeberg Bad Segeberg zur besten Sendezeit
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16:15 02.07.2017
1953: Volle Ränge im Kalkbergstadion. Damals kamen Winnetou und Co. mit kleinem Budget und extrem schlichten Kulissen aus.
Bad Segeberg

Wann gab es das schon einmal? Ein Film in Spielfilmlänge im Fernsehen über Bad Segeberg und sein schönstes Aushängeschild, die Karl-May-Spiele. Und das auch noch zur besten Sendezeit. Die 90-minütige Dokumentation über den Bad Segeberger Kalkberg und die Karl-May-Spiele ist am Mittwoch, 5. Juli, 20.15 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen. „Als Winnetou in den Norden kam“ erzählt die abenteuerliche Geschichte des Gipsfelsen und „seine Entwicklung zu einem unverwechselbaren Stück norddeutscher Kulturgeschichte“. So heißt es in der Ankündigung vom NDR.

Mit der NDR-Doku über die Karl-May-Spiele und den Bad Segeberger Kalkberg kommt die Kreisstadt ganz groß ’raus.

Der Film von Timo Gramer lebt nicht nur davon, dass er die Schauspieler während der 65. Spielsaison, also im vergangenen Jahr, intensiv bei Proben und Aufführungen begleitete, sondern auch von seltenen Archivaufnahmen. Vor allem Zeitzeugen kommen zu Wort. Kaum zu glauben: In den vergangenen 65 Jahren erlebten 11,5 Millionen Menschen die Spiele. Schon im ersten Jahr 1952 kamen 98 000 Zuschauer.

Da kommt der historische „Star“ der Spiele zum Tragen: Hans-Werner Baurycza, Stadthistoriker und unermüdlicher Sammler zahlloser Dokumente über seine Heimatstadt. Fotos, Filme und ein riesiger Erfahrungsschatz über seine Stadt. Der Mann mit dem Elefantengedächtnis und unzähligen Kontakten bekam eine „tragende Rolle“ in dem Film. Es begann alles mit einem Anruf der Karl-May-Spiele, ob Baurycza nicht einer Filmgesellschaft helfen könnte, die im Auftrag des NDR einen Film über 65 Jahre Karl-May-Spiele dreht. „Ich habe dann alle möglichen Materialien zur Verfügung gestellt, Quellen genannt.“ Auch Heimatkundler Peter Zastrow war mit dabei. Teamwork der beiden Geschichtsexperten auch bei der Filmarbeit. Zastrow habe Beiträge über den Kalkberg und die Nordmark-Stätte geliefert, hebt Baurycza hervor. Er selbst holte für Aufnahmen Darsteller von früher zusammen, arrangierte Interviews, vermittelte die historische Seite der Spiele.

Die Filmemacher profitierten von dem großen Schatz an Wissen über Hintergründe von Baurycza, auch die kleinen Geschichten am Rande, abseits von offiziellen Karl-May-Trubel. Geplant sei ursprünglich nur eine Stunde Film gewesen, aber wegen der Fülle des Materials hatte man sich beim NDR entschieden, gleich einen anderthalbstündigen Film zusammenzustellen. „Der Streifen ist wirklich gelungen“, so Baurycza.

Es werden Bilder, Filmsequenzen vom Bau des Stadion in der Nazizeit gezeigt, auch von der Einweihung. Nach dem Krieg suchte man eine lukrative Nutzung für das Stadion. Erst sollte der germanische Held Siegfried am Kalkberg schreiten. Aber die „Nibelungen" wären zu teuer gewesen, dann kam man auf Winnetou. Seit 1952 reitet der Indianer jährlich seine Runden, 13 verschiedene Schauspieler haben ihn inzwischen verkörpert.

Damals standen im ersten Jahr gerade mal 25 000 DM Budget zur Verfügung, heute sind es über 4,5 Millionen Euro pro Spielzeit. Für die nach dem Krieg verarmte Stadt waren die Spiele von Anfang an ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der frühere Chef der Kalkberg GmbH, Ernst Reher, erzählt davon.

Kaum zu glauben: Die Bad Segeberger Seilerei Jürgens setzte mit Beginn der Spiele ganz auf Indianer und Cowboy-Assessoirs. Eine Marktlücke. Jürgens exportierte als „Karl-May-Werkstätten“ weltweit, sogar bis in die USA, Wildwestartikel. „ Tomahawks – Made in Germany“, sagt Baurycza schmunzelnd. „Eine Stadt spielt Indianer“ aus dem Jahre 1953 stellte er zur Verfügung. Wochenschauen konnten aus dem Bundesfilmarchiv besorgt werden, als zum Beispiel 1946 im Stadion Boxwettkämpfe für das Publikum geboten wurden. Brauchte das Team Zeitzeugen: Baurycza holte sie ’ran. Er habe sehr gerne mit den Filmleuten zusammengearbeitet. „Die wollen Bilder, die wollen aber auch Geschichten haben.“ Alle die den Film auch nur ausschnittsweise gesehen haben, seien begeistert. Ältere Bad Segeberg erzählten vor der Kamera, wie sie in den 50er Jahren noch die Segeberger Kostüme nähten. Baurycza selbst habe schon als Fünfjähriger bei Proben zugeschaut. Sein Vater besorgte Requisiten, Tannenbäume für die Dekoration. „Ein Teil dieser ganzen Sache zu sein, das machte die Spiele in Bad Segeberg aus. Der Film ist eine tolle Werbung für Bad Segeberg und die Karl-May-Spiele.“

 Wolfgang Glombik

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