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Segeberg Schatzsuche unter alten Farbschichten
Lokales Segeberg Schatzsuche unter alten Farbschichten
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18:56 11.09.2018
St. Marien muss saniert werden. Dabei helfen wollen Professor Asmus Hintz (v.l.) , Vorsitzender des Fördervereins, Architektin Christine Johannsen, Kirchengemeinderatsvorsitzende Dr. Kirsten Geißler und Bauleiter Rinko Berg. Quelle: GLOMBIK
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Bad Segeberg

Asmus Hintz genügt ein Griff ins Mauerwerk auf der Nordseite von St. Marien, um die dann beeindruckten Vertreter der Stiftungen von der Notwendigkeit der Sanierung zu überzeugen. Mit bloßen Fingern sticht er in den alten Eckstein, der schon arg angeschlagen aussieht. Es rieselt rotes Steinmehl aus weichem Ziegel. Poröse Steine, Risse in den Bögen, abfallender und loser Putz an den Wänden. Es gibt zahlreiche Ecken und Wände in Bad Segebergs Marienkirche, die geradezu nach einer umfassenden Sanierung schreien, weil sie zum Beispiel großflächig „versalzen“ sind, ja ausblühen.

Chor von St. Marien: Was verbirgt sich hinter den alten Farbschichten? Quelle: Wolfgang Glombik

Bald geht es los mit der Renovierung der Innenräume. Am Dienstag stellten Professor Asmus Hintz, Vorsitzender des kirchlichen Fördervereins, Architektin Christine Johannsen, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats Dr. Kirsten Geißler und Bauleiter Rinko Berg aus Hannover den Zeitplan für die Renovierung des Kirchenraum der mehr als 850 Jahre alten Marienkirche vor. Sie ist immerhin die älteste Backsteinkirche Nordeuropas im romanischen Stil und auch heute noch der Mittelpunkt der Stadt.

Spender für Kirchenprojekt gesucht

Mit Zusagen von Stiftungen habe man jetzt weit über 800 000 Euro, 743 000 Euro zeige aktuell das Stiftungsbarometer an, verkündet Asmus Hintz vom Förderverein der Kirche. Und es gebe den Beschluss des Kirchengemeinderates, bis zu 400 000 Euro an Darlehen aufzunehmen. Derzeit seien etwa 26 Prozent der Maßnahme finanziert. Je mehr die Spenden sprudeln, desto schneller werde das Projekt fertiggestellt, sind sich die Verantwortlichen einig. Asmus Hintz verweist auf getöpferte „Mariensteine“. Wer eine Spende leiste, bekomme in ausgewählten Geschäften Bad Segebergs, unter anderem auch in der Geschäftsstelle von LN/Basses Blatt, einen der Steine überreicht.

Die Renovierung des Kirchenraums soll in drei Abschnitten realisiert werden. Im Mai 2019 geht es los mit dem Chor der Kirche, den beiden Querhäusern und dem zentralen Punkt vor dem Altar. Dann in einem zweiten Bauabschnitt sollen das Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe renoviert werden. Der dritte Abschnitt widmet sich dem Raum rund um die Orgel. „Wir wollen die Raumhülle instandsetzen, bevor die neue Orgel eingebaut wird“, kündigt die Architektin an. Der erste Bauabschnitt werde bis November 2019 dauern. Dann könnte der neue Chor zu Weihnachten 2019 erstrahlen. Insgesamt werde alles rund 2,8 Millionen Euro kosten, allein die neue Orgel wird auf 1,1 Millionen Euro beziffert.

Die Kirche wird damit im kommenden Jahr eine Nummer kleiner. Der Chor, der ganze vordere Bereich werde mit einer Staubschutzwand abgeschirmt, der wertvolle Altar komplett eingehaust. Der Gottesdienst finde dann im Mittelschiff der Kirche statt.

Asmus Hintz zeigt die brüchigen Steine in der Marienkirche. Quelle: GLOMBIK

Spannend wie ein Krimi wird es dann im Chor und den Bögen der über 850 Jahre alten Kirche, wenn die Handwerker, auf den über zwölf Meter hohen Gerüsten herumturnend, erst die Dispersionsfarbe aus den Siebzigerjahren entfernen und dann womöglich noch andere alte Anstriche freilegen. Eine Schatzsuche zwischen Farbschichten.

Man werde ein neues Farbenkonzept mit der Gemeinde abstimmen, kündigte Architektin Christine Johannsen an. Zumindest teilweise könnte man die im 19. Jahrhundert entworfenen Malereien und Ornamente an den Rundbögen wieder sichtbar machen. Noch spannender ist die Frage, ob sich unter diversen Farbschichten in der Kirche noch mittelalterliche Malereien oder wenigstens Fragmente davon finden lassen, so Johannsen und Bauleiter Rinko Berg. Im Mittelalter – es gab nur Gottesdienste auf Latein – hatte man den Gläubigen mit Fresken an Decken und Wänden die Auferstehung und vor allem das Leiden Christi nahegebracht. „Wir werden die letzten Anstriche entfernen und uns vorarbeiten“, sagt Berg. Erwartet werde aber von den Experten nicht, dass nun komplette mittelalterliche Bildergalerien freigelegt werden, höchstens Teile davon. Hier Sensationelles zu finden, sei schon deshalb unwahrscheinlich, weil die Kirche über die Jahrhunderte sehr oft saniert und verändert worden sei. Berg: „Da lassen wir uns mal überraschen.“

In den Fünfzigerjahren hatte man die Marienkirche schon einmal saniert, die Statik stabilisiert und dafür gesorgt, dass Neigungen der Kirchenmauern „in verschiedene Richtungen“ abgemildert oder ganz zum Stillstand kamen. Eine Vorentscheidung, wie die alte Dispersionsfarbe und womöglich weitere uralte Farbschichten von den Kirchenmauern entfernt werden, fiel am Dienstag bei einer Baubesprechung. Nicht abstrahlen, sondern abbeizen möchte der Farben-Fachmann Otto Petigk aus Geesthacht die Wände von St. Marien. Sicher ist sicher: An Musterflächen soll das Verfahren jetzt vorab erprobt werden. Die großflächige Sanierung beginnt dann im nächsten Frühjahr. „Alle 40 bis 60 Jahre muss eine alte Kirche generalsaniert werden“, sagt Christine Johannsen. Wir sind gespannt. Ab 2019 soll unser St. Marien dann wieder in abgetöntem Weiß neu erstrahlen.

Wolfgang Glombik

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