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Segeberg Klein Niendorf wird sein Herz verlieren
Lokales Segeberg Klein Niendorf wird sein Herz verlieren
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18:08 08.11.2018
Der Schützenhof, hier ein Foto aus der Zeit um 1900, war und ist das Zentrum des heutigen Bad Segeberger Stadtteils Klein Niendorf. Quelle: Kalkbergarchiv
Bad Segeberg

Es geht nicht um Tage, um Wochen oder wenige Monate, aber im nächsten oder übernächsten Jahr wird auch Bad Segeberg ein weiteres Stück seiner Geschichte verlieren. Die Schließung des Schützenhofs ist so gut wie sicher. Auf dem weitläufigen Gelände soll Wohnbebauung entstehen. Die Rede ist von etwa 40 Wohneinheiten, die dort gebaut werden sollen, erfuhren die LN. Die Pläne dazu liegen schon im Bad Segeberger Rathaus vor, berichtet Inhaber Jürgen Dill, der sich ansonsten bedeckt hält. Es ist kein leichter Schritt für ihn. 1990 hatte er die Gastwirtschaft von seinem inzwischen verstorbenen Vater Heinrich Dill übernommen.

Der Schützenhof 1806 ist alter, uriger Landgasthof in Familienbesitz. Im Besitz der Familie soll das Grundstück auch bei anderer Nutzung bleiben. Mit Vehemenz wendet sich Inhaber Jürgen Dill gegen alle Gerüchte, die sagten, er habe den Schützenhof schon verkauft. „Er ist nicht verkauft, es wird keinen Investor geben. Die geplanten Veränderungen werden von der Familie selbst in die Hand genommen.“ Er sei 64, da dürfe man sich schon mal umsehen, wie der dritte Lebensabschnitt gestaltet werde. Er plane das Vorhaben zusammen mit seinem Neffen, dem Autohausinhaber Yannick Hoppe. Ein, zwei Jahre werde es dauern, dann werde dort Wohnbebauung entstehen. „Unsere Planung ist noch nicht abgeschlossen“, betont Dill auf Nachfrage der Lübecker Nachrichten. Die hinter dem Gasthof liegende Pferde-Koppel möchte Dill nicht komplett bebauen. Sie soll „als Hinterland“ erhalten bleiben.

„Wir haben alles durchdacht, es gibt keine andere Möglichkeit“, ist er überzeugt. Den Gasthof in andere Hände weiterzugeben, könne Dill sich nicht vorstellen. Der Gasthof mit den verzweigten Räumen, den Heuböden sei „viel zu groß“, auch die „goldene Zeit“ der Kegelbahnen sei schon seit über zehn Jahren vorbei. Und dennoch: Wenn der Schützenhof eines nun nicht mehr fernen Tages schließt, wäre der Verlust für Bad Segeberg immens: Wo richten die Schützenbrüder künftig ihr Königsessen aus? Wo finden die Musikveranstaltungen statt? Beliebt ist der Schützenhof besonders bei den Jazzfreunden, die ihn gerade zum Kult-Ort erklärten. Sieht man sich den Veranstaltungskalender im Saal an, reicht der noch bis November 2019. Was ist danach?

Bei der Stadt dürfte Dill indes mit seinen Architektenplänen offene Türen einrennen. Wie berichtet, versucht die Stadt jetzt auch mit der benachbarten Stadtvogelschützengilde, Möglichkeiten für noch mehr Wohnbebauung auf den umliegenden Koppeln auszuloten. Denn händeringend werden in Bad Segeberg Bauplätze gesucht. Im Rathaus sollen an die 200 Familien schon Interesse angemeldet haben, berichtete kürzlich Antje Langethal. Mehr Bauplätze für Eigenheime werde man auch langfristig im gesamten Stadtgebiet nicht zur Verfügung stellen können.

Sicher ist, dass die geplante gestaffelte mehrgeschossigen Bebauung auf dem Schützenhofgelände nur im Rahmen einer groß angelegten Bauleitplanung passieren kann. Vorabinformationen für die Politik gab es hierzu nur hinter verschlossenen Türen, erfuhren die LN. Bis zum Abschluss eines Bauleitverfahrens rechnet man in der Regel über ein Jahr. In komplizierten Fällen mit Fledermausgutachten, Bodengutachten und anderen Extras können es auch fast zwei Jahre werden.

Dabei herrscht in der Kreisstadt zurzeit Goldgräberstimmung: Der Druck auf Bürger, die Brachflächen oder potenzielle Wohnbauflächen ihr Eigen nennen, ist zur Zeit enorm. Es mutet schon fast wie Bad Segeberger Monopoly an: Makler, Investoren stehen bei Jürgen Dill reichlich auf der Matte. „Die arbeiten mit allen Tricks, locken mit Riesensummen, um mich davon zu überzeugen, das Land zu verkaufen.“ Mitunter werde am Telefon auch keck über Dills künftige Rente spekuliert. Aber Dill bleibt hart: „Ich brauche keinen Investor, ich bin selber Investor.“

Wolfgang Glombik

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