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Segeberg Bad Segeberger forscht: Mit Grünkohl gegen Falten
Lokales Segeberg Bad Segeberger forscht: Mit Grünkohl gegen Falten
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23:43 26.10.2013
Derzeit arbeitet Dr. Henning Vollert mit rotem Paprikaextrakt. Paprika weist ein anderes Gemisch aus Carotinoide auf als Grünkohl. Demnächst soll dieses bei Hautalterungsversuchen getestet werden. Quelle: Domann
Bad Segeberg

Ein Segeberger ist dem Geheimnis jugendlichen Aussehens ein ganzes Stück näher gekommen. „Falten entstehen in tiefen Hautbereichen, da hilft cremen nicht. Einen bunten Salat zu essen, ist sinnvoller“, sagt Dr. Henning Vollert (50), Geschäftsführer der Bad Segeberger Firma „bioactive food“. Mohrrübe, Paprika, Tomate und Co. enthalten Pflanzenfarbstoffe, die sogenannten Carotinoide. Aufgrund ihrer chemischen Struktur binden sie so genannte freie Radikale und machen diese unschädlich. Freie Radikale sind „aggressive“ Moleküle, die unter anderem Hautalterung verursachen. Doch wer isst schon die fünf empfohlenen Portionen Obst und Gemüse am Tag? Eine Lösung dafür können die von Vollerts entwickelten Grünkohlkapseln sein. Dass diese als Faltenbremse fungieren, ist eine Zufallsentdeckung.

Nach einem alternativen Produktionsprozess für das Carotinoid Lutein, das bei Macula-Degeneration eingesetzt wird, hatte der Biologe 2008 gesucht. Statt wie bei den üblichen Luteinpräparaten mit Benzin zu extrahieren, setzte Vollert Olivenöl ein und erhielt ein dunkelgrünes Gemisch aus Carotinoiden. Diese Mischung wurde an der Charité in Berlin getestet. Prof. Dr. Dr.-Ing. Jürgen Lademann zeigte, dass die Wirkstoffe sowohl im Blut als auch in der Haut von Testpersonen nachweisbar waren. Untersuchungen hatten ergeben, dass Faltenbildung abhängig von der Ernährung ist: je mehr Gemüse und Obst gegessen wird, um so mehr Carotinoide nimmt der Körper auf. Je mehr Carotinoide in der Haut sind, desto weniger Falten, ein bis zu zehn Jahre jüngeres Hautbild ist möglich.

„Außerdem hat die Charité eine Messmethode für freie Radikale in der Haut entwickelt, das können weltweit nur zwei Labore“, so Vollert. Dazu wurde die Haut von 21 Testpersonen, die entweder Vollerts Grünkohlkapseln oder aber über acht Wochen ein Placebo eingenommen hatten, zehn Minuten mit sichtbarem Licht bestrahlt. Neue Untersuchungen zeigten, dass freie Radikale nicht nur durch den UV-Anteil des Lichts, sondern auch durch den sichtbaren entstehen. „Letztlich konnte Herr Lademann nachweisen, dass mein Produkt Lutex Skin die Menge an freien Radikalen etwa um die Hälfte reduziert.“ Grünkohlextrakt bremse also die Hautalterung. Dabei komme es auf die Mischung der Carotinoide an, die zudem als Biomarker nutzbar seien. Ihre Menge gebe Auskunft über den Gesundheitszustand eines Menschen.

Dieser Aspekt wird nun in einem Forschungsprojekt (2,65 Millionen Euro Volumen), gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, erarbeitet. Unter anderem soll ein Carotinoid-Scanner für Jedermann entwickelt werden. „Solch ein Scanner ist eine gute Hilfe, den inneren Schweinehund zu überwinden, um besser auf seine Gesundheit zu achten. Alkohol und Nikotin senken den Carotinoidgehalt. Kann ich das direkt messen, ändere ich auch meine Verhaltensweise.“ Außerdem sei solch ein Messgerät in der Krebstherapie sinnvoll. Einige Tumormedikamente führten zu massiver Haut-Schädigung. „Mit dem Scanner könnte man frühzeitig erkennen, wie es der Haut geht und die Therapie verändern“, so Vollert. Er ist im Forschungsprojekt für die Carotinoidextrakte zuständig.

Doch auch Grünkohl hat noch mehr zu bieten. Zerkleinert und gefriergetrocknet bietet Vollert ihn für starke Knochen an. Grünkohl enthält viel Vitamin K1, das notwendig ist, die Knochenzellen zu aktivieren, um Calcium einzubauen. Die Nurses‘ Health Study der Harvard Medical School mit 72 000 Krankenschwestern zeigte, dass Frauen, die vermehrt Vitamin K1 zu sich nahmen, deutlich weniger Brüche, verursacht durch Osteoporose, hatten.

Charité und Medizinhistorisches Museum
Die Berliner Charité (franz. f. Barmherzigkeit), heute die größte Uni-Klinik Europas, wurde 1710 als Pesthaus gegründet. Auf ihrem Gelände findet sich das Medizinhistorische Museum, hervorgegangen aus dem Pathologischen Museum Rudolf Virchows.
Das Museum gewährt faszinierende Einblicke in die Entwicklung der Medizin der letzten 300 Jahre. Das Spektrum reicht von Wunderheilungen in der Spätantike bis zu den neuesten Erkenntnissen der Rechtsmedizin. Etwa 90 000 Menschen jährlich besuchen das Museum.

Silvie Domann

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