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Segeberg Kostenlos ins Konzert: Bad Segeberger gründen Kulturtafel
Lokales Segeberg Kostenlos ins Konzert: Bad Segeberger gründen Kulturtafel
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13:55 05.12.2018
Der Verein wächst rasant: Bürgermeister Dieter Schönfeld (l.) und Bürgervorsteherin Monika Saggau (vorne rechts) mit den Gründungsmitgliedern. Aus zehn sind inzwischen 20 Mitglieder geworden. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Menschen mit wenig Geld sollen kostenlos an Veranstaltungen teilnehmen können. Was sich für Lebensmittel vielerorts etabliert hat, wird in Segeberg ab sofort auch für die Kulturlandschaft gelten: Diese Tafel verteilt statt Nudeln und Gemüse Tickets für Konzerte, Lesungen, Theater oder Kino. Bad Segeberger haben eine Kulturtafel gegründet.

„Es gibt ein reiches kulturelles Angebot im Kreis Segeberg, fast jeden Tag findet etwas statt. Wir möchten das Menschen mit kleinem Einkommen ermöglichen“, sagt die Vereinsvorsitzende Ilona Münter, die als gute Seele auch bei der Tafel aktiv ist. „Wir gehen genauso vor wie bei der Lebensmitteltafel“, sagt sie. So funktioniert es: Veranstalter stellen ihre Restkontingente zur Verfügung, die sie kurz vor dem Termin ohnehin nicht mehr loswerden. Denn warum sollten die Stuhlreihen leer bleiben?

„Jede Karte ist ein Geschenk“

Welcher Bad Segeberger Lust auf Kultur hat, sich Eintrittskarten aber nicht leisten kann, meldet sich beim Verein an. Ein Formular ist auszufüllen, wo Vorlieben vermerkt werden, wie Kabarett, Ausstellung oder Jazzmusik. Zudem ist ein Nachweis beizulegen, wie den Arbeitslosengeld- oder Grundsicherungsbescheid, den Rentenbescheid oder der Kundenausweis der Segeberger Tafel. Die Kulturtafel registriert den Namen für ein Jahr. Sind zum Beispiel für ein Theaterstück noch viele Tickets übrig, meldet sich der Verein. Bis zu zwei Karten pro Person werden an der Kasse hinterlegt und müssen eine halbe Stunde vorher abgeholt werden. Ein weiterer Nachweis ist dort nicht nötig. „Wir wollen die Schwelle so niedrig wie möglich halten. Bei uns im Verein bekommen nur zwei Menschen diese Schriftstücke zu Gesicht“, erklärt Ilona Münter. „Jede Karte ist ein Geschenk“, betont sie. „Wir bitten Gäste, sie als verbindlich anzusehen. Es wäre schade, wenn sie verfallen.“ Wer zweimal nicht erscheint, wird von der Liste gestrichen.

Anmeldeformular für die Kulturtafel. Quelle: Irene Burow

„Wir möchten Segeberger auffordern, sich als Kulturgast anzumelden, Mitglied im Verein zu werden oder als Sponsor, Spender und Veranstalter die gute Sache zu unterstützen“, sagt der Kulturbeauftragte der Stadt, Michael Meier. „Nur mit den Veranstaltern funktioniert es.“ Aber auch Bürger können helfen: Indem sie Abo-Termine, die sie nicht nutzen, zur Verfügung stellen.

„Als ich Bürgervorsteherin wurde, ist Ilona Münter im ersten Monat mit der Idee für eine Kulturtafel zu mir gekommen“, berichtet Schirmherrin Monika Saggau. Sie hörte zum ersten Mal davon. „Mich hat das ganz doll berührt“, sagt sie. „Man muss doch nur mal an die vielen Rentner denken, die auf einmal ohne Arbeit sind und sich vieles nicht mehr leisten können. Was zuerst wegfällt ist all das, was für den Geist ist, was schön ist.“ Der Verein will gegensteuern und macht es nach Lübecker Vorbild.

Tausende Karten verteilt

Die Kulturtafel dort ist noch jung, wurde im Februar 2017 gegründet. Noch im gleichen Jahr hat sie tausende Tickets an Bürger verteilt. „Natürlich kann man das nicht mit Bad Segeberg vergleichen. Aber das zeigt den Bedarf. Wir möchten das gern übertragen“, sagt die Bürgervorsteherin. Wenn 2500 Karten in Segeberg vergeben werden könnten, wäre das ein Erfolg. Auch eine weit größere Zahl wollen die Mitglieder nicht ausschließen. „Die Veranstalter haben ein volles Haus, und die Gäste bekommen die Chance eine Veranstaltung zu besuchen, die Geld kostet“, sagt Bürgermeister Dieter Schönfeld. Es sei ein beidseitiger Gewinn. „Bei der Lebensmitteltafel kann ich sehen, wie viele Menschen das in Anspruch nehmen“, sagt Ilona Münter. Warum solle das bei Kultur anders sein. . .?

Andere machen’s vor

Die Idee ist nicht neu, aber jung. Neben Lübeck (seit 2017) gibt es auch in Neumünster (2014) eine Kulturtafel. Andere Beispiele für soziales Engagement gibt es in Hamburg, Berlin, Schweinfurt, Bamberg, Konstanz, Heilbronn, Straubing und vielen anderen.

Wer den neuen Verein Kulturtafel Segeberg unterstützen möchte, kann sich im Wortort, Oldesloer Straße 20, melden. Spenden sind möglich auf das Konto mit der IBAN: DE64 2129 0016 0053 7815 00 bei der VR Bank Neumünster. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 12 Euro im Jahr.

Breites Fundament für die Kulturtafel

Schon als die Idee geboren wurde, ging alles ganz schnell. „Es war wie beim Schneeballprinzip, auf einmal haben sich alle überschlagen“, sagt Monika Saggau. Zehn Gründungsmitglieder waren schnell gefunden. Seit der Verein am 14. November offiziell eingetragen ist, hat sich die Zahl schon verdoppelt. „In einem Jahr werden wir uns wieder treffen und berichten“, sagt Münter. „Ich bin ganz stolz auf unsere Entwicklung. Alle Fraktionen sind vertreten.“ Die erste tolle Unterstützung gebe es auch schon. „Die Verwaltung erlaubt uns im ,Wortort’ in der Innenstadt ein Büro zu nutzen. Dort wird es auch einen Briefkasten geben“, sagt Ilona Münter. Montags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr ist dort jemand anzutreffen.

Wer weitere Informationen sucht, kann sich an der Lübecker Kulturtafel orientieren, bis die Kulturtafel Segeberg eine eigene Homepage hat.

Irene Burow

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