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Segeberg Bahn schließt Güterbahnhöfe: Segeberg auf dem Abstellgleis
Lokales Segeberg Bahn schließt Güterbahnhöfe: Segeberg auf dem Abstellgleis
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21:59 20.05.2016
An der Bad Segeberger Güterverkehrsstelle im Süden der Stadt wird derzeit überwiegend Holz verladen. Quelle: Jan Wulf

Die Deutsche Bahn will sich von zahlreichen ihrer kleinen Güterbahnhöfe trennen. Unter anderem sollen die sogenannten Güterverkehrsstellen in Boostedt, Großenaspe und Kaltenkirchen geschlossen werden. Auch der Güterbahnhof in Bad Segeberg ist gefährdet. Das geht aus einer bislang noch geheimen Liste der Bahn- Tochter DB Cargo hervor.

Der Hintergrund: Die Bahn hatte vor allem wegen des kriselnden Güterverkehrs in 2015 rund 1,3 Milliarden Euro Verlust gemacht. Jetzt sollen 215 der bundesweit insgesamt 1500 kleinen Güterbahnhöfe dicht gemacht werden, 154 weitere stehen auf dem Prüfstand. An 101, darunter auch der in Bad Segeberg, soll laut interner Liste die Bedienzeit und -frequenz geändert werden, 53 Güterbahnhöfe sollen nur noch im Sonderdienst bedient werden. Inwiefern die Pläne der Bahn- Tochter tatsächlich umgesetzt werden, ist dabei noch nicht ganz klar. „Vorbehaltlich der Diskussion mit Kunden, Gremien und Politik“, ist am Ende des internen Dokuments vermerkt.

Während das Aus für die weitestgehend brachliegenden Güterverkehrsstellen in Boostedt (nach dem Ende der Kaserne), Großenaspe (vor zwei Jahren wurde der Düngerschuppen von Raiffeisen abgebaut) und Kaltenkirchen (seit Jahren nicht genutzt) wenig überraschend kommt, schrillen angesichts der Bahn-Pläne für Bad Segeberg vor allem bei lokalen Holzhändlern die Alarmglocken. Ab und an steht zwar auch mal ein Getreidewaggon auf den Gleisen im Süden der Stadt, hauptsächlich wird hier aber Holz umgeschlagen.

Allein die Daldorfer Firma Jorkisch verlädt hier rund 6000 Raummeter Rundholz pro Jahr. „Wenn der Güterbahnhof wegfällt, müssten die Ladungen künftig per Lkw in die Werke gebracht werden – das ist mit höheren Kosten verbunden“, sagt Dispositions-Leiter Ingo Wendrich. In die gleiche Kerbe schlägt Steffen Burkhardt, beim Holzhändler Lutz Köhn in Kassedorf (Ostholstein) zuständig für die Logistik. „Mit der Bahn können wir mehr Masse in kürzerer Zeit transportieren. Wenn wir für das Verladen aber jetzt nach Lübeck oder Kiel müssten, kostet das zu viel Zeit und lohnt sich nicht mehr“, erklärt er. Sein Unternehmen verlädt in Bad Segeberg bis zu 5000 Raummeter Holz pro Jahr in Richtung Süddeutschland oder Dänemark. Und Christian Tepker, Chef vom Sägewerk Heinrich Tepker in Hanerau-Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) schimpft: „Für den Wirtschaftsstandort Segeberg wäre das ein herber Verlust. Eigentlich soll der Güterverkehr ja weg von der Straße – aber so geschieht genau das Gegenteil.“ Rund 50 Lkw’s müsste er künftig auf die Autobahn gen Italien oder Süddeutschland schicken. Konsequenz laut Tepker: Der Preis, den die Waldbesitzer für ihr Holz erzielen, würde fallen, weil die Kosten für die Händler steigen.

Maike Moser, neue Geschäftsführerin der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg (WKS) hat bereits Kontakt zur Bahn aufgenommen. Sie möchte wissen: Wie ist Bad Segeberg auf die ominöse Streich-Liste gekommen – und wie kommt man wieder herunter? „Ich möchte wissen, wie stark die Güterverkehrsstellen frequentiert wird – und wie der Plan B für die Betroffenen aussieht“, sagt Moser.

Während Bad Segeberg um seine Gleise gegebenenfalls kämpfen will, sieht man die Sache in Kaltenkirchen entspannter. „Die Güterverkehrsstelle besteht nur noch formell. Sie wird seit Jahren nicht genutzt“, sagt Stadtsprecher Ralf Köhler. Für Kaltenkirchen hätten die Gütergleise keine Relevanz – und sollten sie doch mal wieder benötigt werden, gebe es bestimmt eine Möglichkeit, sie zu reaktivieren.

Lange Sparliste

5 Güterverkehrsstellen in Schleswig-Holstein sollen laut den internen Bahn-Papieren wegen einer „wirtschaftlichen Optimierung“ geschlossen werden. Neben den drei Bahnhöfen in Boostedt, Großenaspe und Kaltenkirchen noch die in Kiel- Schusterberg und Jübeck (Schleswig- Flensburg). In Bad Segeberg soll als einziger im Land die „Bedienzeit und/oder -frequenz“ geändert werden. Nur noch im Sonderdienst sollen Geesthacht (Herzogtum Lauenburg), Kiel-Wik, Ohrstedt (Nordfriesland) und Oldenburg (Ostholstein) bedient werden.

 Jan Wulf

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