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Segeberg Bauern hoffen auf mehr Sonne
Lokales Segeberg Bauern hoffen auf mehr Sonne
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11:14 29.06.2017
Thomas Lütje und Sohn Christof aus Quaal prüfen die Ähren auf ihrem Weizenfeld. Sie rechnen mit einer guten Ernte bei hoffentlich viel Sonne. Quelle: Foto: Glombik
Rohlstorf/Bad Oldesloe

 „Wir erwarten für unsere wichtigsten Getreidesorten – die Gerste und den Weizen – eine ganz ordentliche Ernte“, lauten die Prognosen zum Beispiel von Stormarns Kreisbauern-Chef Hans-Joachim Wendt und Geschäftsführer des Bauenverbandes, Peter Koll.

Segeberger Erzeuger profitieren von guten klimatischen Bedingungen – Preise sollten noch steigen.

Allerdings – vor zu großer Euphorie warnen die Experten. Denn noch sei das Getreide ja nicht eingefahren. Gerste wird erst im Juli geerntet, der Schnitt beim Weizen steht im August bevor. „Was wir jetzt noch brauchen, ist helles Wetter. Regen hatten wir ja genug“, sind sich die Landwirte alle einig. Auch Thomas Lütje und sein Sohn Christof sind zufrieden, wenn sie über ihr Weizenfeld in der Gemeinde Rohlstorf schauen. Eine sehr gute Sorte, A-Qualität, bestes Korn zum Backen. Hoher Proteingehalt. „Das sieht wirklich gut aus, besser als im letzten Jahr“, stellt Thomas Lütje beim Gang übers Feld fest. Im vergangenen Jahr machte noch extreme Nässe den Landwirten zu schaffen. Auch seine Gerste stehe gut. Doch Lütje will auch nicht euphorisch sein. Beim Raps sei es noch völlig unsicher, wie der Ertrag werde. Inzwischen merkten immer mehr Landwirte, dass man nicht alle drei Jahre, sondern alle fünf Jahre in der Fruchtfolge Raps anbauen sollte. Sonst drohe Krankheitsbefall.

Lütje: „Wir haben schon für unsere Milchviehhaltung eine abwechslungsreichere Fruchtfolge, zum Beispiel mit Kleegras.“

Gerade weiterer Sonnenschein sei für das Getreide jetzt notwendig. „Es geht um die Kornbildung, die ja noch nicht abgeschlossen ist. Wichtig ist, dass das Getreide gleichmäßig abreift“, erläutert Peter Koll. Dies sei auch eine Voraussetzung für die Ernte beim Hafer oder beim Raps. Mehrmals konnte in diesem Jahr bereits das Gras auf Segebergs Wiesen gemäht werden – begünstigt durch die Witterung in den vergangenen Monaten. Die Heu-Qualität sei gut gewesen, bekräftigen die Lütjes. Thomas Lütje erinnert sich schmunzelnd an eine Weisheit seiner Großmutter: „Wenn viel gewachsen ist, hat man Probleme, das nach Hause zu bekommen.“ Die Landwirte brauchen dafür jetzt nur noch Sonne, Sonne – das sei im Moment das „beste Produktionsmittel“. Bis Ende August schönes Wetter?

Lütje ist Bauernregeln nicht abgeneigt. „Am Dienstag war Siebenschläfer, es war schönes Wetter.“ Einige Jahre lang haben die Landwirte Probleme gehabt, „ in diesem Jahr könnte es ja mal passen“.

Und auch die Bauern, die Mais angebaut haben, können noch den Worten von Koll aus Stormarn mehr als zufrieden sein: „Der Mai prahlt.“ Nachdem erst im April die Aussaat erfolgt war, befinde sich diese Art zurzeit in einem „bemerkenswerten Entwicklungsstand“ – die Pflanzen seien bereits zum Teil mehr als einen Meter hoch: „Da ist eine sehr gute Ernte zu erwarten.“ Für Lütje ist unverständlich, dass der Mais in der Öffentlichkeit immer „verteufelt“ werde. Bei dieser Frucht gebe es nur eine Spritzmaßnahme, dann sei sie sauber. „Mais ist für unsere Kühe ein wichtiger Energielieferant.“

Und wenn der Milchpreis gut sei, dann profitierten davon auch die Maiserzeuger, weist Verbandsgeschäftsführer Koll auf die Marktmechanismen hin. Erfreulicherweise würden für Milch und Milchprodukte zurzeit steigende Preise registriert: „Das war vor einem Jahr noch ganz anders.“ Auch Lütje wäre froh, wenn sich der Preis jetzt auf dem Niveau stabilisiere. Ihm ist klar, dass die hiesigen Landwirte längst mit Bauern weltweit im Wettbewerb mit ihren Erzeugnissen stehen. „Wir konkurrieren mit Nordamerika, mit Australien, die haben teilweise auch wesentlich laschere Umweltauflagen als wir.“

Trotzdem ist der Landwirt aus Quaal überzeugt: „Wir haben hier klimatisch sehr viel günstigere Bedingungen.“ In Übersee werde weniger Doppelzentner pro Hektar erwirtschaftet. Grund: Dort gibt es weniger Regen. Auch Geschäftsführer Koll sieht, dass die hiesigen Landwirte vom Weltmarkt abhängig sind – „genauer gesagt von den Preisen an den Börsen in Paris und Chicago. Da werden auch unsere Preise gemacht“. Für einen Doppelzentner Weizen könnten zurzeit bis 17 Euro erzielt werden, für die Gerste würden für die gleiche Menge 15,50 bis 16 Euro genommen. „So ganz reicht das nicht. Die Preise müssten noch etwas steigen“, hofft auch Stormarns Kreisbauernchef Wendt.

 Michael Thormählen und Wolfgang Glombik

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