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Segeberg Beachvolleyball-Gold in Rio: Segebergerin kämpfte mit
Lokales Segeberg Beachvolleyball-Gold in Rio: Segebergerin kämpfte mit
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13:37 04.09.2016
Teamjubel nach der Siegerehrung: Anett Szigeti (2.v.r.) mit den Beachvolleyball-Gold-Damen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Quelle: Fotos: Hfr

Es war ein historischer Sieg: Olympiagold für die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Das Duo aus Hamburg hat überhaupt die erste olympische Medaille eines europäischen Damen-Teams bei den Beachvolleyballern gewonnen. Und mitten drin im Jubel um Gold: Anett Szigeti, Sportpsychologin vom Klinikum Bad Bramstedt. Seit knapp drei Jahren betreut sie Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, die derzeit besten Beachvolleyballerinnen der Welt. Und das auch dank ihrer mentalen Stärke.

 

„Es gibt keinen Druck. Den macht man sich nur selbst.“Anett Szigeti (36), Rehapsychologin aus Bad Bramstedt

Es gab Sportler, die sind unter dem Druck des Publikums eingebrochen. Buhrufe, Pfiffe – ging es gegen die eigenen Landsleute, zeigte das Publikum kaum Gnade. Auch nicht an der Copa Cabana, wo das olympische Beachvolleyball-Stadion stand. „Die Brasilianer rufen in den Aufschlag, klatschen und schreien. Das ist, glaube ich, deren Mentalität“, sagt Anett Szigeti. Kira Walkenhorst und Laura Ludwig jedoch blieben scheinbar völlig unbeeindruckt – obwohl sie gleich zwei Mal gegen brasilianische Teams ran mussten. „Das ist eine Frage der Bewertung“, sagt dazu die Sportpsychologin der beiden. „Es gibt keinen Druck. Den macht man sich nur selbst.“ Abhängig von der Bewertung könne man sich an jede Art von Geräuschkulisse gewöhnen. „Wenn ich mich von meiner Nachbarin über mir genervt fühle, die morgens um sechs mit Stöckelschuhen durch die Wohnung läuft, gewöhne ich mich aber schlechter daran, als wenn ich sie sehr gern mag“, verdeutlicht Szigeti. Zumal die Brasilianer ja nur dann versucht hätten, die Gegner zu stören, wenn sie Angst hatten, das eigene Team könne verlieren.

Die Kulisse war für Szigeti und „die Mädels“ keine Überraschung. Sie wussten aus vorangegangenen Turnieren in Brasilien, was sie erwartet. Es gehe dann darum, das Drumherum auszublenden, so Szigeti.

Dafür gebe es verschiedene Strategien: Man könne sich zum Beispiel auf andere Sinne konzentrieren oder sich an einem anderen Ort vorstellen. „Das ist sehr individuell.“ Durch stetiges Üben aber werde die Strategie ritualisiert, damit sie im Wettkampf abgerufen werden könne. „Mal so nebenbei geht das nicht.“

Ein einfaches Mittel aber, um in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren, sei die Atmung, gibt die Psychologin einen Tipp für jedermann. Szigeti spricht lieber von Anspannung. „Wer sich auf die Atmung konzentriert, kann sich nicht gleichzeitig darauf konzentrieren, ob irgendwo jemand schreit.“ Bei hoher Anspannung gelte es in den Bauch zu atmen, wer dagegen zu entspannt ist, sollte mehr in die Brust atmen, um Spannung aufzubauen.

Und wenn alles aufgeht, wie bei Kira und Laura in Rio, dann sei das die größte Belohnung für die Arbeit, sagt Anett Szigeti nach den aufregenden Wochen von Olympia. „Das war ein großartiges Erlebnis, obwohl wir von Olympia nicht so viel aufsaugen konnten“, sagt die 36-Jährige. Da die Beachvolleyball-Wettkämpfe an der Copa Cabana stattfanden, war das Team nicht im olympischen Dorf untergebracht.

„Wir waren in Ipanema, haben sehr fokussiert gearbeitet und das brasilianische Leben kennengelernt: direkt am Strand leben, gutes Essen und die Mädels konnten gut regenerieren.“

Nun ist Anett Szigeti im Alltag zurück. Neben ihrer Arbeit am Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein unter anderem mit den beiden Olympiasiegerinnen, arbeitet die Diplom-Psychologin an drei Tagen der Woche im Klinikum Bad Bramstedt mit Reha-Patienten. „Wir sind sehr stolz eine so engagierte und erfolgreiche Psychologin zu beschäftigen“, sagt Jens Ritter, Geschäftsführer des Klinikums Bad Bramstedt. Das olympische Finalspiel hat er mitten in der Nacht live verfolgt und freut sich über das Gold, an dem auch Szigeti einen wichtigen Anteil hat. Auch die Patienten könnten von der Arbeit Szigetis mit den Sportlern profitieren, ist Ritter überzeugt. Wenn es etwa um Krankheitsbewältigung, Umgang mit Stress oder Entspannungsverfahren gehe: „Die Willenskraft, etwas zu erreichen oder Lebensumstände zu verändern, betrifft Sportler und Patienten gleichermaßen.“

 Nadine Materne

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