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Segeberg Bemerkenswertes Konzert mit Tauben in der Marienkirche
Lokales Segeberg Bemerkenswertes Konzert mit Tauben in der Marienkirche
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16:07 01.10.2016
Zu Balakirevs „Poem mit Tauben“ durchs Kirchenschiff: Die musikalischen Tümmler-Tauben von Pfarrer Michael Gnan zeigten auch in Bad Segeberg, dass ihnen große Menschenansammlungen nichts ausmachen. Quelle: Fotos: Lothar Kullack

Zuerst waren die „Jungs“ an der Reihe: Männliche Tauben mit Schellen an den Schwanzfedern stiegen im Kirchenschiff von St. Marien auf und begleiteten so die Blockflöten bei Mili A. Balakirevs „Poem mit Tauben“, einem sehr meditativen Stück. Ein wenig später waren die Mädchen an der Reihe: weibliche Tauben zu Morten Lauridsens „O magnum mysterium“.

Der, der mit den Tauben spricht und sie zu Kirchenkonzerten aufsteigen lässt, ist der bayerische Pfarrer Dr. Michael Gnan. Die Marienkirche war zu einem bemerkenswerten Konzert am Donnerstagabend nahezu voll besetzt.

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Er flüstert nicht mit den Tauben, und doch kehren sie stets zu ihm zurück: Pfarrer Michael Gnan und seine Vögel in St. Marien.

Die arabischen Tümmler, so der Rassenname dieser schneeweißen Tauben, machen nicht wirklich Musik – etwa so wie ein Varieté-Vogel auf einem Glockenspiel. Sie haben lediglich auf G-Dur gestimmte Schellen an den Schwanzfedern, die dann natürlich richtig klingen, wenn die Vögel durchs Kirchenschiff flattern und Chor oder Orchester ein Stück in passender Tonart spielen. „Als ich von Pfarrer Gnan in der Kirchenzeitung gelesen hatte, da dachte ich zunächst, die Tauben geben uns ein schönes Konzert. Dabei geben wir ihnen ein Konzert, und die Tauben sind nur das Sahnehäubchen“, sagte Kantor Andreas J. Maurer-Büntjen, der den bayerischen Pfarrer samt Tauben nach Bad Segeberg eingeladen hatte. Für ihn, so Maurer-Büntjen, sei die Taube auch stets ein Sinnbild für den Heiligen Geist gewesen.

Über die Symbolik der Taube in der christlichen Lehre war dann zwischen den Musikstücken auch von Pfarrer Gnan und der Segeberger Pastorin Ute Schöttler-Block zu erfahren, die zugleich die einzige Bibelstelle vorlas, in der tatsächlich eine Taube vorkommt, nämlich aus dem 1. Buch Mose (Genesis) – der Geschichte von Noahs Arche. Der Doktor-Pfarrer Michael Gnan – er hat alte Theologie und Musik studiert und ist ursprünglich in einem Benediktinerkloster aufgewachsen – hatte bereits mit arabischen Tauben zu tun, als er begann, sich für Flüchtlinge einzusetzen. „Damals, bei der ersten Flüchtlingswelle aus Afghanistan brachten mir türkische Händler diese Tauben, die inzwischen auch hier gezüchtet werden.“

Ursprünglich wurden die sogenannten „Chal-Chal-Tauben“ in Karawansereien als Signaltauben gezüchtet: Wenn der Sandsturm vorüber war, verkündeten sie vom Turm mit ihren Schellen die sicheren Wege.

Und warum kehren sie stets zu Pfarrer Gnan zurück? Ganz einfach, kein Wunder und keine Zauberei: Nur in ihrem Kasten, den sie immer wieder anfliegen, haben sie ihr Futter zu erwarten.

Aus dem ersten Buch Mose

„Nach vierzig Tagen tat Noah an der Arche das Fenster auf, das er gemacht hatte, und ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her, bis die Wasser vertrockneten auf Erden.

Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden.

Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche; denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden.“

 Lothar Hermann Kullack

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