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Segeberg Segeberger verkauft Ford-Rarität
Lokales Segeberg Segeberger verkauft Ford-Rarität
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12:38 30.01.2019
Hunderte Autos hat der Autoelektriker und Kraftfahrzeugschlosser Feri (82) aus Henstedt-Ulzburg in seinem Leben gefahren. Doch Oldtimer hatte er nur drei. Quelle: Irene Burow
Segeberg

Ein Mann aus Henstedt-Ulzburg muss sich von einem echten Liebhaberstück trennen: Ein Ford Modell T aus dem Baujahr 1923. Der Oldtimer ist älter als er. „Soll ich mal drücken?“ Hört man die Hupe des Auto-Urgesteins, muss man unwillkürlich schmunzeln. „Es freut einen, weil es einfach alt ist“, sagt Feri. So lautet sein Vorname. Auf den Nachnamen verzichten wir an dieser Stelle, damit der Oldtimer nicht gestohlen wird. Denn er hat Seltenheitswert.

Holzaufbau mit Blech verkleidet

Das Auto ist ein Holzaufbau mit Blech verkleidet. Eine Heizung gibt es nicht, auch kein Fernlicht. Blinker? Fehlanzeige. Für die Richtung wird eine Kelle aus dem Fenster gehalten. Die Frontscheibe wird hochgeklappt. Und der Meilenzähler ist original Henry Ford Zubehör. Genau wie alle anderen Teile. Der Viertürer ist restauriert und gepflegt, nichts wurde hinzugedichtet. „Er ist eine Rarität sogar unter Oldtimern“, sagt der 82-jährige ehemalige Kraftfahrzeugschlosser. „In diesem Zustand gibt es ihn vermutlich kein zweites Mal.“

Ford T aus dem Baujahr 1923

Der Wagen ist top in Schuss. Das haben auch die Macher von eBay Kleinanzeigen sofort bemerkt und ein Team nach Henstedt-Ulzburg geschickt, um Feri zu helfen. Ein Video ist entstanden, damit die „Tin Lizzie“ in gute Hände kommt. Bei einem Sammler, Auto-Enthusiasten oder gar im Museum.

Fundstück aus Dänemark

Feri gibt ihn nur schweren Herzens her. Doch er muss ihn verkaufen. Aus Altersgründen. Aber auch aus der Not heraus. Bei Aktiengeschäften sei er übers Ohr gehauen worden und habe viel Geld verloren. Eine sechsstellige Summe. „Dieses Geld war eigentlich für die Rente gedacht. „Ich kann es mir nicht erlauben, dass hier so viel Geld herumsteht“, sagt er. 44 Jahre ist der Ford in seinem Besitz. Entdeckt hatte er ihn 1975 in Dänemark bei einer Rallye. In Maribo auf der Insel Lolland musste er in eine Werkstatt. Dort lehnte der Rahmen hochkant an der Wand. „Der gefiel mir irre“, erinnert er sich. „Ich hatte ihn ja auseinander gesehen. Ich wusste ja, wie gut alles gebaut war.“ Also hat er „37500 gute D-Mark“ dafür bezahlt.

Ein Leben in der Werkstatt

Autos waren sein Leben. Schon als Knirps kannte er sie von innen. Als ältester von drei Söhnen hat er im Fuhrunternehmen seines Vaters ausgeholfen; Scheinwerfer eingebaut, Kabel verlegt und repariert. Mit elf Jahren konnte er Lastwagen fahren. Den nötigen Führerschein machte er sechs Jahre später. Geprägt durch die Hungerjahre der Nachkriegszeit wollte er Konditor werden. Doch dass sein Vater bei der Elektrik seiner Fahrzeuge aufgeschmissen war, wurmte ihn. „Ich hatte eine Lücke entdeckt und wollte Autoelektriker werden“, erzählt er. Er suchte sich einen Betrieb, der ihm gefiel. Und bekam als einer von wenigen in dieser Zeit eine Lehrstelle.

Bis 1972 war der Ford T das meistverkaufte Auto der Welt. Quelle: eBay Kleinanzeigen

Auto für die Massen

Mit dem T-Ford wollte Henry Ford ein Auto schaffen, dass einfach zu bedienen war. Die Reparatur sollte simpel sein. Mit dem Typ perfektionierte er die Massenfertigung, das Auto wurde für viele erschwinglich und ging Anfang des 20. Jahrhunderts millionenfach vom Band. Es war das meistverkaufteste Auto bis 1972, bis der Käfer das Modell T ablöste.

Dieser Ford T Fordor-Sedan, Baujahr 1923, ist laut Anzeige einer der ersten der Produktionsreihe. Der damalige Verkaufspreis lag bei 545 Dollar. Der Wagen ist eine seltene Variante mit geschlossenem Aufbau und vier Türen. Er hat 20 PS, ist 8000 Kilometer gefahren. Verbaut ist ein Zwei-Gang-Planetengetriebe, die Bremsen wirken über die Kardanwelle auf die Hinterachse. Der Benziner hat keine Heizung und reine Scheinwerfer – ohne Fern- oder Abblendlicht.

Nach der Ausbildung lieferte er Bier und Brause im väterlichen Betrieb aus. „Mit der Familiengründung musste ich aufhören. Ich habe dort ja nichts verdient.“ Also gründete er seine eigene kleine Werkstatt im Hamburg-Bramfeld, hatte schon bald gut zu tun. „Ich war Deutschlands kleinster Fiat Händler. Ein Ein-Mann-Betrieb und trotzdem Vertragswerkstatt“, erzählt der 82-Jährige. „Ich habe ein gutes Maulwerk, also konnte ich Autos gut verkaufen.“ Aus einer Garage zog er in eine große Werkstatt mit bald einer Handvoll Mitarbeiter. 250 bis 300 Neuwagen ist er in seinem Leben gefahren, schätzt er. Aber Oldtimer hatte er nur drei. Auch einen Ford A und einen Goggo.

Mit dem Ford zum Altar

Den Ford T zeigte er gern in seinem Geschäft. Wenn er dort nicht stand, fuhr er damit seine Frau und Kinder spazieren. Und etliche Brautpaare zum Altar. „Damit habe ich nichts verdient, es hat einfach Spaß gemacht“, schwärmt er. Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Seit Weihnachten steht der Wagen zum Verkauf für 46 500 Euro. Das Inserat ist bisher mehr als 30 000 mal angesehen worden. Viele hätten sich schon gemeldet, sagt Feri. Doch bisher war nur ein ernsthafter Interessent dabei. „Je schneller er verkauft ist, desto besser.“  

Irene Burow

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