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„Betriebe müssen sich um ihre Mitarbeiter kümmern“

Rickling „Betriebe müssen sich um ihre Mitarbeiter kümmern“

Die diesjährigen Fachtagung im Ricklinger Fichtenhof „Sucht und psychische Belastungen – eingliedern statt ausgrenzen“ stellte Stress am Arbeitsplatz in den Vordergrund. Alarmierend: „Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für eine Frühverrentung“, so Ralf Tönnies (Fachklinik Nordfriesland).

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Kooperationspartner und Referenten der Fachtagung: Bodo Haßler (v.l.), Ralf Tönnies, Magdalena Peinecke, Nataie Syring, Klaus Leuchter und Björn Malchow.

Quelle: Domann

Rickling. Einerseits können ein beschleunigter Alltag und verdichtete Arbeit zu psychosozialer Erschöpfung führen, andererseits soll eine Arbeitskraft gesund und lange leistungsfähig bleiben, damit sie als wertvolle Ressource nicht verloren geht. Bindeglied ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Welche Faktoren sind wichtig, wie erfolgt die Umsetzung?

Einmal im Jahr treffen sich Experten zu einer Fachtagung im Ricklinger Fichtenhof, halten Vorträge und diskutieren mit Interessierten. Dieses Mal stand die Tagung unter dem Motto „Sucht und psychische Belastungen – eingliedern statt ausgrenzen“ statt. 160 Teilnehmer, darunter viele betriebliche Suchthelfer, informierten sich über neue Erkenntnisse.

„Wir haben sonst um die 120 Teilnehmer, wir haben das Thema genau getroffen“, sagt Natalie Syring (Leitstelle Suchtgefahren am Arbeitsplatz der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung, LSA). Und Björn Malchow (Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein, LSSH) ergänzt, dass Betriebe erkannt hätten, sich um ihre Mitarbeiter kümmern zu müssen. „Es ist wichtig, die Fachkräfte gesund und lange zu erhalten.“ Zumal die Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen angestiegen seien. „Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für eine Frühverrentung“, betont Ralf Tönnies (Fachklinik Nordfriesland). Gesundheit hat in der Gesellschaft einen größeren Stellenwert erlangt, das wirkt sich auch in der Arbeitswelt aus. Deshalb ist auch das betriebliche Gesundheitsmanagement so wichtig. „Das eindeutig eine Führungsaufgabe ist“, so Magdalena Peinecke (Betriebsärztin im Ministerium für Schule und Ausbildung). So leite sich das Wort Management vom italienischen maneggiare (an der Hand führen) und dem lateinischen mens (Geist) ab. Die dichtere Arbeitswelt und das beschleunigte Leben können zu psychosozialer Erschöpfung führen. „Die Auswirkungen fallen in der Arbeitswelt auf, da steht man acht Stunden unter Beobachtung“, sagt die Betriebsärztin. Und rät mutig und empathisch hinzuschauen, um Kollegen helfen zu können.

Während sich die LSA um etwa 67000 Mitarbeiter der Landesverwaltung kümmert, ist der Handwerker-Fonds Suchtkrankheit für die Handwerksbetriebe zuständig. Geschäftsführer Klaus Leuchter hat seit 2008 etwa 650 Beratungsgespräche geführt. Er informiert über das betriebliche Eingliederungsmanagement, macht auf Hilfe von Krankenkassen aufmerksam, knüpft Kontakte zu Betriebsärzten. „So sind vor allem die kleinen Betriebe auf den nächsten Krankheitsfall vorbereitet“, erzählt Leuchter. Auch für Landwirte gibt es Anlaufstellen. „Keiner bleibt unversorgt, wenn er bereit ist, Hilfe anzunehmen“, sind sich die fünf Vertreter einig. Nicht jeder möchte über psychische Belastungen oder Sucht sprechen. „Sucht am Arbeitsplatz wird häufig noch stigmatisiert oder unter den Tisch gekehrt“, so Tönnies. Dabei sind die Auswirkungen erheblich: Neben Alkohol und Tabletten sind es das Glücksspiel und bei jungen Menschen die neuen Medien. „Manche Azubis schaffen ihre Abschlüsse nicht, weil sie nur am Computer gespielt haben“, ergänzt Leuchter.

Wer Hilfe sucht, findet diese bei der LSA und LSSH. Bei Handwerkern vermitteln die Kreishandwerkerschaften, bei Landwirten die Kreisbauernverbände.

Schaden für Wirtschaft

60 Millionen Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern wurden 2012 gezählt. Eine Zunahme um 97 Prozent in den vergangenen elf Jahren. Die Krankheitsdauer liegt bei 39 Tagen – dreimal so viel wie bei anderen Erkrankungen. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühverrentungen. Von 1993 bis 2014 stieg der Prozentsatz von 15,4 auf 43,1. Die direkten Krankheitskosten liegen bei 16 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommen 8,3 Milliarden Euro Produktionsausfallkosten und 13,1 Milliarden Bruttowertschöpfungskosten im Jahr 2014. sd

 Silvie Domann

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