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Betrug oder Intrige? WZV-Mitarbeiter vor Gericht

Norderstedt Betrug oder Intrige? WZV-Mitarbeiter vor Gericht

Hat sich ein Abteilungsleiter beim Wege-Zweckverband (WZV) wirklich 30300 Euro aus der Betriebskasse genommen? Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.  Sein Verteidiger hält die Belege eines Kollegen für gefälscht.

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Der Fall wird vor dem Schöffengericht in Norderstedt verhandelt. Fortsetzung am 24. Mai, 9 Uhr in Saal F.

Quelle: Fotos: Materne (1), Archiv (1)
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Norderstedt. Prozessauftakt in Norderstedt: Abteilungsleiter soll laut Anklage über 30000 Euro veruntreut haben – Sein Verteidiger hält die Belege eines Kollegen für gefälscht.

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In 50 Fällen zwischen Februar und Oktober 2014 soll der 40-Jährige die Tagesabrechnung auf dem Recyclinghof in Norderstedt durch irreguläre Stornobuchungen manipuliert haben. Gewerbsmäßige Untreue wäre das. Es geht um Einzelbeträge bis zu 860 Euro. Staatsanwältin Kerstin Kuhlbrodt zählte gestern vor dem Norderstedter Schöffengericht jeden Vorfall mit Datum und Belegnummer in ihrer Anklageschrift auf.

Der Angeklagte schweigt auf Rat seines Verteidigers Gerald Goecke zu den Vorwürfen. Es sei unprofessionell, seinen Mandanten dem Risiko auszusetzen, die eine Aussage mit sich bringe, so Goecke. Zumal die Vorgesetzten des Angeklagten diesen für unschuldig hielten. Tatsächlich hatte der als Zeuge geladene WZV-Verbandsvorsteher Jens Kretschmer im Vorfeld mehrfach die Schuld des betroffenen Mitarbeiters angezweifelt. Zu seiner Aussage kam Kretschmer gestern aus Zeitgründen jedoch nicht mehr.

Stundenlang befragte Verteidiger Goecke stattdessen den Hauptbelastungszeugen Manfred K. (Name geändert). Der Anwalt machte gleich zu Prozessbeginn deutlich, was er von K. denkt: Dass dieser mit Hilfe einer weiteren Person die belastenden Stornobelege im Nachhinein erstellt haben soll.

K. arbeitet in der Annahme des Recyclinghofes Norderstedt, klassifiziert den Müll der Kunden, rechnet ab. Und manchmal habe er auch die Tagesabrechnung erstellt. In 99 Prozent der Fälle sei aber der Abteilungsleiter und Angeklagter dafür zuständig gewesen, berichtete K.

Zu Stornierungen komme es täglich, wenn sich ein Mitarbeiter vertippt oder wenn verschiedene Abfallgruppen mit Entsorgungskosten in die Kasse eingegeben sind, der Kunde dann aber feststellt, nicht genug Bargeld zu haben und mit Karte zahlt. Damit hinterher aber trotzdem der Barbetrag in der Kasse stimmt, erhalte der falsche Bon einen Vermerk und werde am Ende des Tages storniert, erklärte der Zeuge. Beide Belege würden dann gesammelt, damit der Vorgang nachvollziehbar bleibt.

In jenem Februar seien K. Unregelmäßigkeiten aufgefallen bei den Tagesabrechnungen. „Das habe ich zunächst nicht beachtet.“ An einem besonders umsatzstarken Tag im März dann habe er „aus Neugier“

einen Zwischenbericht aus der Kasse ausgedruckt. Doch am nächsten Morgen habe die Tagesabrechnung 500 Euro weniger ausgewiesen. „Ich dachte zunächst ich habe mich verguckt“, so K. Doch kurz darauf habe er den ersten verdächtigen Stornobeleg im Papierkorb seines Schreibtisches an der Registrierkasse gefunden – wo auch der Angeklagte abends öfter sitze, um die Abrechnung zu erledigen. „Doch es fehlte der Beleg, der die Stornierung rechtfertigen würde.“ K. begann, kurz vor Feierabend Belege über den Barbestand der Kasse auszudrucken und am nächsten Morgen weitere Stornobelege zu suchen – und er fand sie, sagte er vor Gericht aus. „Mir wurde immer mulmiger.“ Die Beträge, meist Einzelsummen über 650 Euro, seien nicht normal, so K. Zu glatt und zu hoch. Nur selten müssten Kunden des Recyclinghofes so hohe Beträge zahlen. K. wandte sich anonym mit seinen Beweisen an den Anti-Korruptionsbeauftragten des Landes. Dann gingen die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft, und die Polizei durchsuchte daraufhin unter anderem die Geschäftsräume des Recyclinghofes.

In seiner stundenlangen Befragung versuchte Verteidiger Goecke gestern, Lücken und Abweichungen in der Aussage des Zeugen zu finden: Was genau war der Anlass, mit der Beweissuche anzufangen? K.

konnte sich nicht genau erinnern. Zudem behauptete er, dass auch Kollegen höhere Kassenbestände aufgefallen seien, wenn der Angeklagte nicht bei der Arbeit gewesen sei. Er konnte auf hartnäckige Nachfragen des Anwalts aber keine konkreten Angaben machen.

Alles also nur eine Intrige gegen den Angeklagten, wie Verteidiger Goecke andeutete? Die Befragung von K. und weiteren Zeugen wird am 24. Mai, 9 Uhr, fortgesetzt.

 Nadine Materne

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