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Betrugsvorwurf: Ex-Buchhalterin der Ärztekammer vor Gericht

Bad Segeberg Betrugsvorwurf: Ex-Buchhalterin der Ärztekammer vor Gericht

Die Vorwürfe gegen Vanessa G. liegen bald zehn Jahre zurück / Die 37-Jährige, die frühverrentet und psychisch krank ist, soll damals 10000 Euro unterschlagen haben.

Bad Segeberg. Nach etlichen vergeblichen Anläufen konnte gestern endlich der Prozess gegen eine ehemalige Buchhalterin der Ärztekammer in Bad Segeberg beginnen. Bereits seit 2010 wird versucht, gegen die heute 37-Jährige zu verhandeln, der Betrug zur Last gelegt wird. Die Vorwürfe liegen noch weiter zurück: Zwischen 2006 und 2008 soll Vannessa G. (Name geändert), die bei der Ärztekammer für die Immobilienverwaltung zuständig gewesen ist, insgesamt 10000 Euro an Mietzahlungen oder -erstattungen für eigene Zwecke umgeleitet haben. Die Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen, lässt ihren Anwalt reden.

„Sie war allein für die Immobilien zuständig und unterlag keiner Prüfung.“ Eine Zeugin über die Angeklagte

Aus dem

Amts-

gericht

Viel Zeit verbrachten gestern Richterin Sabine Roggendorf, die Staatsanwältin und der Verteidiger zusammen mit ehemaligen Kollegen von G. über einem Ordner mit fast zehn Jahre alten Auszügen verschiedener Mieterkonten, Aufstellungen von Mietforderungen und Zahlungseingängen. Wie von den Zeugen zu hören war, war Vanessa G. damals allein für den Immobilienbereich zuständig. „Sie unterlag keiner Prüfung“, sagte eine 41-Jährige aus.

Irritiert nahm das Gericht zur Kenntnis, dass die Angeklagte auch für die Zeit, in der sie selbst in einer Immobilie der Versorgungseinrichtung der Ärztekammer wohnte, für ihre eigenen Mietbuchungen zuständig gewesen war. Und in dem Zusammenhang offenbar ihre Mietrückstände durch die Umleitung von Zahlungen anderer Mieter beglich. Die Zeugin führte die Beteiligten durch die Unterlagen. Auffällig waren eine Reihe von Buchungen und Stornierungen, die alle am 12. September 2006 unter der Systemanmeldung der Angeklagten vorgenommen worden waren: Bei einer Mieterin, die mit nur einem Cent Abweichung die gleiche Miete zu zahlen hatte wie G. (573 Euro), wurden an besagtem Tag die bereits beglichenen Forderungen für die Monate April bis August storniert — als ob die Frau dort nicht mehr wohnen würde. Die exakten Summen tauchten am gleichen Tag auf dem Mieterkonto von G. wieder auf. Zur Umgehung des Vier-Augen-Prinzips habe die Angeklagte einen damals neuen Auszubildenden ausgenutzt, so die Zeugin.

Aufgefallen seien die Unregelmäßigkeiten erst zwei Jahre später. Zunächst stolperte die Zeugin über eine „Nachlassbuchung, für die es in der Mieterakte keinen Grund gab“. Als sie die Angeklagte damit konfrontierte, soll G. dies mit Überlastung erklärt haben. Wenige Tage später sei das Team zum Chef gerufen worden, der die Mitarbeiter darüber informierte, dass G. die Firma verlassen hatte. Weitere Überprüfungen führten schließlich zur Anklage.

So berichtete G.s ehemaliger Abteilungsleiter im Gericht von der Auszahlung einer Mietkaution, die er gemäß Vier-Augen-Prinzip freigab — obwohl die Namen von Einzahler und Empfänger nicht übereinstimmten. G. habe dies mit einer Namensänderung nach einer Hochzeit erklärt. Wie sich später herausstellte, gehörte das begünstigte Konto aber G.s neuer Vermieterin. Fünf Mal soll G. laut Anklage auf diese Weise jeweils bis zu 650 Euro umgeleitet haben, womöglich für eigene Mietzahlungen. Dazu kommen knapp 3000 Euro aus zwei Doppel-Buchungen, die G. sich selbst auszahlen ließ, statt sie auf das Konto der Versorgungseinrichtung zurückzubuchen — so der Vorwurf der Staatsanwältin. Das Geld sei für die Angeklagte mehr als eine vorübergehende Einnahmequelle gewesen. „Sie bestritt damit teilweise ihren Lebensunterhalt.“

Der Prozess gegen G., die wegen psychischer Probleme frühverrentet ist und nur wenige Stunden pro Tag verhandlungsfähig ist, wird am 22. März fortgeführt. Angesichts der bisherigen Erkenntnisse riet Richterin Roggendorf der Angeklagten und ihrem Verteidiger, sich zum weiteren Vorgehen zu beraten. Eine Verständigung hatte die Verteidigung bisher abgelehnt.

Von Nadine Materne

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