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Segeberg Bewegender Abschied von Günter Willumeit
Lokales Segeberg Bewegender Abschied von Günter Willumeit
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15:23 28.10.2013
Auf einem Foto lächelt Günter Willumeit — Bauer Piepenbrink — der Trauergemeinde entgegen. Pastor Matthias Voß hielt den Gottesdienst in St. Marien, bei dem sich rund 500 Gäste, darunter viele Freunde, Wegbegleiter und Künstlerkollegen, von „ihrem Günter“ verabschiedeten. Quelle: Heike Hiltrop
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Bad Segeberg

Das „Ave Marie“ zu Beginn und „My Way“ zum Ausklang, vorgetragen von Sopranistin Anne Friedemann: Ungezählte Tränen flossen gestern Vormittag während der Trauerfeier für den beliebten Bad Segeberger Dr. Günter Willumeit. Zahlreiche Prominente waren unter den mehr als 500 Trauergästen in der Marienkirche. Dutzende Willumeit-Fans standen vor dem Gotteshaus, um „Bauer Piepenbrink“ die letzte Ehre zu erweisen, dessen letzte Lebenswochen sehr schwer waren. Für ihn, den vom Speiseröhrenkrebs gezeichneten 71-Jährigen, aber auch für seine Familie und Freunde.

„Günter, Deine Schmerzen sind vorbei. Du musst sie nicht mehr ertragen“, sprach Pastor Matthias Voß, ein Lions-Bruder Willumeits, zum Sarg gewandt. Nun gelte es, den Verstorbenen in den Frieden Gottes zu begleiten und zugleich Dank zu sagen für die „fröhliche Lebenshilfe“, die Willumeit den Menschen gegeben habe.

Bereits als Fünfjähriger, auf der Flucht mit der Mutter und seiner Schwester Erika, habe der kleine Günter Humor bewiesen, als er auf die Bemerkung eines Soldaten „Du bist ja ein richtiger Philosoph“ geantwortet habe: „Was, ich bin doof?“ Trotz aller Trauer — die Gemeinde lacht kurz auf.

Dann, auf der Dahlmannschule, hätten sich sein Humor und sein Talent zum Parodieren fortentwickelt, und selbst später, als er 1968 sehr unter dem Tod seines Vaters Heinrich gelitten habe, habe er sein Ziel nicht aus den Augen verloren: Bereits der zehnjährige Günter sei entschlossen gewesen, Zahnarzt zu werden. Als später plötzlich das Einkommen des Vaters fehlte, habe er sich das Studium durch „Jeder kann mitmachen“- Abende (Jekami) selbst finanziert. Für einen agilen Macher wie ihn, so Pastor Voß, sei es zum Lebensende schwer gewesen, Krankheit und eigene Schwäche zu akzeptieren.

In der Mitte des Altarraums ein schlichter, hellgrauer Kiefernsarg. Darauf ein Blumenbukett: weiße Rosen, weiße Dahlien, zarte Eustoma, Efeu, Gräser. „Wir haben Dich lieb“, steht auf einer gechinzten lindgrünen Schleife. Rechts neben dem Sarg ein Willumeit-Portrait im Goldrahmen, er trägt darauf die typische schwarze Baskenmütze. Links ein Kranz mit weißen Lilien von Volkssänger Heino, dessen Frau Hannelore und Manager Jan Mewes. Rechts einer mit Nelken. Mit einem Blumenkranz verabschiedet sich das „Lüders-Team“ aus der letzten großen Fernsehreihe des Günter Willumeit.

Auch Fritz Klein, früher Sportchef des NDR—Fernsehens, ist gekommen. Sport und vor allem Fußball: Neben Zahnmedizin und dem Humor die dritte große Domäne des Verstorbenen. Er moderierte alljährlich die LN-Gala, trat bei so manch anderen Sportfesten auf, spielte viele Jahrzehnte aktiv in der Reisemannschaft von Eintracht Segeberg. Willumeits erste Engagements waren die für die Fußballschule in Malente, und an diese Zeiten erinnern sich später vor der Tür HSV-Idol Uwe Seeler und dessen Nationalmannschaftskollege Max Lorenz (Werder Bremen). Seeler: „Günter und ich waren seit über 30 Jahren befreundet.“ Bei der Hochzeit von Seeler-Tochter Frauke habe Willumeit mit seinen Witzen für Stimmung gesorgt.

Nicht allein Fernsehprominenz ist zur Beisetzung gekommen, die Segeberger Lions sind dabei, die Schützen, Klinik-Chefin Marlies Borchert, Vitalia-Direktor Guido Eschholz, IHK-Vizepräses Bernd Jorkisch und viele mehr. „Er war jemand, der sein Herz nicht auf der Zunge getragen hat“, sagt Rechtsanwalt Joachim Hess von Willumeits Lübecker Stammtisch.

Mit Gott, so Matthias Voß, habe der verstorbene Alleinunterhalter, der 1968 aus der Kirche ausgetreten war, längst wieder seinen Frieden gemacht. Bei den letzten Auftritten habe Günter Willumeit sich mit „Bleiben Sie schön gesund und Gott schütze Sie!“ verabschiedet.

Zu Frank Sinatras „My Way“ verlassen die Menschen St. Marien, verharren noch einmal am Sarg Günter Willumeits. Ein Mensch, der seinen eigenen Weg ging, der für seine Rolle lebte. Und doch viel verletzlicher war, als manch einer im Publikum glaubte.

Lothar Hermann Kullack und Heike Hiltrop

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