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Segeberg Bewegender Abschied von Segebergs Rekord-Politiker
Lokales Segeberg Bewegender Abschied von Segebergs Rekord-Politiker
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20:14 14.06.2018
Alle „seine“ Landräte kamen: Anton Graf Schwerin von Krosigk, Georg Gorrissen, Jutta Hartwieg und Jan Peter Schröder (von links) erwiesen Winfried Zylka zum Abschied noch einmal die Ehre. Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (r.) vertrat den Deutschen Landkreistag. Quelle: Fotos: Vogt
Bad Segeberg

Vorausgegangen waren knapp zwei Stunden der Ehrung und Würdigung für den Segeberger Rekord-Kreispräsidenten Winfried Zylka. 28 Jahre, vom Wendejahr 1990 bis heute, stand der 71-Jährige dem Kreisparlament vor. Er sah während seiner Amtszeit vier verschiedene Landräte und half an vorderster Front mit, den Kreis Segeberg durch bewegte Zeiten zu steuern. Ohne in all der Zeit auch nur jemals eine Kreistagssitzung zu verpassen. Bereits 2007 war er für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Aus gutem Grund war deshalb auch die ganze „kommunale Familie“, so Landrat Jan Peter Schröder, zur Abschiedsfeier in den Sitzungssaal des Kreistages gekommen – fast alle Kreispräsidenten aus Schleswig-Holstein, Abgeordnete, heutige und frühere Landräte, Verbands- und Vereinschefs.

Zum Schluss zitierte er Peter Harry Carstensen. „Sie glauben gar nicht, wie viel Lob ein Mensch ertragen kann, bevor die Seele schaden nimmt“, scherzte der scheidende Kreispräsident in den Worten des früheren Landesvaters und ergänzte. „Ich glaube, mehr darf es aber nicht sein.“

„Wenn man wie er fünf Mal wieder- gewählt wird, muss man in der Tat einiges richtig gemacht haben. Peter Säker (SPD),

stellvertretender Kreispräsident über

Winfried Zylka

In seiner Laudatio blickte Rainhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistages und Landrat von Ostholstein, auf das berufliche und ehrenamtliche Leben von Zylka zurück. 1946 in Bad Bramstedt geboren, „also ein echter Segeberger Jung“, studierte er von 1968 bis 1973 Mathematik und Informatik in Kiel. Als Diplom-Mathematiker trat er danach in den Landesdienst ein, war dort bis Ende 2009 im Bereich Wissenschaft und Bildung tätig. Bereits im Rentenalter gründete Zylka 2010 ein eigenes Unternehmen, um Kommunen in Fragen demografischer Entwicklung zu beraten. Dem Kreistag gehört er mit Unterbrechungen seit 1976 an, wurde 1990 dessen Präsident. Dabei hatte Winfried Zylka 1990 eigentlich anderes im Sinn, wollte für die CDU Segeberger Landrat werden. Allerdings unterlag er dem parteilosen Georg Gorrissen.

„Trotzdem hat Winfried Zylka ganz ohne Groll mit dem Landrat zusammengearbeitet, aus beiden sind sogar enge Freunde geworden“, erinnerte Sager und lobte das außerordentliche Engagement des Kreispolitikers. „Kein Thema war ihm zu unbedeutend, kein Termin zu viel.“ Als Anerkennung für Zylkas Leistungen überreichte Sager ihm zum Abschluss die silberne Ehrennadel des Landkreistages, „die höchste Auszeichnung, die wir zu vergeben haben“.

Für die sechs Fraktionen des abgelösten Kreistags sprach Zylkas langjähriger Stellvertreter Peter Säker Worte des Dankes. „Wenn man wie er fünf Mal wiedergewählt wird, muss man in der Tat einiges richtig gemacht haben“, sagte Säker über Zylka. Die Abgeordneten hätten sich auch nie beklagen können, neutral und gerecht habe er jeden einzelnen behandelt. „Seine Gesundheit hat ihn leider gezwungen, aufzuhören. Andernfalls wäre er sicher auch ein sechstes Mal gewählt worden“, so Säker.

Angesichts all der warmen Worte für Winfried Zylka geriet es fast etwas zur Randnotiz, dass mit ihm auch 23 Abgeordnete aus dem Kreisparlament ausgeschieden sind. Darunter der scharfzüngige FDP-Mann Wolfgang Schnabel (im Kreistag seit 1990) oder der Sozialpolitiker Gerd-Rainer Busch von der SPD (seit 1998). Statt des lange Jahre üblichen „Kreistellers“ gab es für sie zum Abschied einen Segeberg-Bildband.

Wie so oft in den 28 Jahren zuvor gehörten die letzten Worte im Kreistag auch dieses (letzte) Mal Winfried Zylka. Diese Gelegenheit nutzte der Polit-Rentner nicht nur für einen Dank an seine Ehefrau Sabine, seine Kinder und die engsten Mitarbeiter sowie ein paar Anekdötchen. Er hatte zum Abschied auch Nachdenkliches zu sagen. Zylka beklagt das allgemeine Desinteresse an Politik und warnte davor, die offene Gesellschaft in Deutschland, „wohl das beste System auf dieser Welt“, aufs Spiel zu setzen. Nationalistische Tendenzen in Europa sehe er mit Sorge. „Abschottung löst keine Probleme, sondern verstärkt diese nur.“ Zylka rief die neuen Kreistagsabgeordneten dazu auf, die Demokratie auf der Grundlage des Grundgesetzes zu bewahren und wünschte „eine gute Zukunft für uns alle“. Es gab minutenlangen, stehenden Applaus.

Oliver Vogt

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