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Biologen versenken Käfige im Ihlsee

Bad Segeberg Biologen versenken Käfige im Ihlsee

War es das „Unterwasserschwein“? Doktorandin Nikola Lenzewski erforscht den Rückgang seltener Pflanzen.

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Thea Wahlers an den Riemen: Mit Booten werden die Käfige an die Uferzonen mit den empfindlichen Pflanzen gebracht. Die Käfige sollen zu Forschungszwecken die seltenen Pflanzen im Ihlsee wie Brachsenkraut und Wasserlobelie vor Fischen und Vögeln schützen.

Quelle: Fotos: Wolfgang Glombik

Bad Segeberg. Bestes Wetter, Hunderte von Badegästen am Ihlsee-Strandbad blicken von ihren Strandlaken neugierig empor. Einige Kinder, die sich ganz dicht an den Tross mit den Booten und Tauchern herantrauen, vergessen fast ihr Eis zu schlecken. Große Metallkäfige werden in Boote gehievt, Taucher mit Luftflaschen klettern in die Boote. „Wer soll denn da eingesperrt werden?“

LN-Bild

War es das „Unterwasserschwein“? Doktorandin Nikola Lenzewski erforscht den Rückgang seltener Pflanzen.

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Wissenschaftler der Uni Hamburg, vorweg Doktorandin Nikola Lenzewski, geben Auskunft. Es geht darum, seltene Wasserpflanzen wie Brachsenkraut und Wasserlobelie vor dem Verschwinden zu retten – durch „Käfighaltung“. Mit Hilfe von 20 Käfigen, je einen Meter hoch und breit, sollen die seltenen Wasserpflanzen zu Forschungszwecken über zwei Jahre lang vor äußeren Einflüssen möglichst geschützt werden.

2013 schlug der Biologe Joachim Stuhr, der den Ihlsee untersuchte, Alarm. Karpfen, die auch als „Unterwasserschweine“ tituliert werden, würden im Schlamm auf der Suche nach Futter herumwühlen und dabei die seltenen Pflanzen freilegen. Dieses Phänomen soll jetzt wissenschaftlich untersucht werden. Pflanzen bei Wasser und ausreichend Licht „einkerkern“ und dadurch schützen – so können Auswirkungen von Wasservögeln, Krebsen und Fischen auf Wasserlobelie und Brachsenkraut unterbunden werden. Aber wer ist der Täter? Wirklich der Karpfen, der die deutschlandweit fast einmalige Vegetation im Ihlsee kaputtmacht? Oder sind es Wasservögel, Gänse oder gar der Mensch, der auf den Pflänzchen herumtrampelt? Erforscht werden soll das im Ausschlussverfahren.

Die Ihlsee-Detektive legen mit ihren Booten ab. Darunter sind Dr. Andreas Lipp, der Käfige schleppt, Michael Gerkens von der wissenschaftlichen Tauchgruppe der Uni Hamburg und Thea Wahlers, studentische Hilfskraft: „Das ist spannend, hier mitzumachen. Ich kenne den Ihlsee, wusste aber nicht, das es hier so seltene Pflanzen gibt.“ Die Forscher geben Gas. Ziel ist der Uferbereich im Norden des Sees. Unweit der Stege und der penibel gepflegten Gärten der Anlieger, die misstrauisch herüberblicken, soll es auch das streng geschützte Brachsenkraut geben. In Deutschland gilt es bundesweit als gefährdet, ist teilweise ausgestorben. Die Taucher machen sich fertig. Nikola Lenzewski beugt sich im Boot über ihren Ordner, dirigiert mittels Karte die Taucher. Per GPS sind die Flächen markiert. Es ist eine mühsame Unterwasser-Suche. Immer wieder kommen die Taucher nach oben. Fehlanzeige! Die Pflanzen der Wasserlobelie am Vortag hatten sie im flachen Ufersaum schnell gefunden, aber vom Brachsenkraut ist kaum etwas zu sehen. „Schon vor Jahren ist festgestellt worden, dass die Bestände immer weniger werden“, sagt Nikola Lenzewski. Neben Fischen und Wasservögeln könne dafür aber Schilf verantwortlich sein, das sich hier immer mehr ausbreite, erklärt sie.

Am Ende werden sie aber doch fündig: Mit der Lupe analysiert die Doktorandin das Blättchen, tütet es ein. Bingo! In 2,20 Metern wurde die Pflanze entdeckt. Fünf Käfige wurden vorher schon über der Wasserlobelie mit Ankern befestigt, dazu fünf weitere Käfige für Kontrollflächen. Das Gleiche passiert jetzt mit dem Brachsenkraut. Auf vegetationslosen Kontrollflächen mit Käfigen erhofft sich Lenzewski Ansiedlungen der vom Aussterben bedrohten Pflanzen. „Im Ihlsee sind sicher genügend Samen vorhanden.“ Die ganze Untersuchung wird zur Datenerhebung von den Tauchern in mehrwöchigen Abständen mit Unterwasserkameras dokumentiert. In zwei Jahren, so hoffen die „Detektive“, werde man wissen, wer für das Verschwinden von Wasserlobelie und Co. verantwortlich ist.

Ihlsee ist mit seiner Artenvielfalt (noch) Spitze im bundesweiten Vergleich

Ein Kleinod in Bad Segeberg: Die Behörden-Naturschützer des Landes schwärmen in Superlativen: Bezogen auf die Unterwasserflora hat der Ihlsee die am besten erhaltene Unterwasservegetation (Wasserlobelie und Brachsenkraut) aller kalkarmen Seen Schleswig-Holsteins und ist daher von herausragender Bedeutung auch im bundesweiten Vergleich.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) ist gerade dabei, einen „Managementplan“ für das nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützte Naturschutzgebiet „Ihlsee und Ihlwald“ aufzustellen. Es geht um ein Gebiet von fast 42 Hektar mit dem Ihlsee (28 Hektar) und dem angrenzenden Ihlwald (14 Hektar).

Festgestellt wurde bereits vor 20 Jahren, dass empfindliche, hochgradig geschützte Pflanzen wie Wasserlobelie und Seebrachsenkraut von weniger empfindlichen Arten immer mehr verdrängt werden.

Wolfgang Glombik

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