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Bischof fordert gerechtere Integration

Bad Segeberg Bischof fordert gerechtere Integration

Gothart Magaard informierte sich in Bad Segeberg über die Flüchtlingsarbeit.

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Bischof Gothart Magaard (vorne Mitte) informierte sich zusammen mit den Pröpsten Dr. Daniel Havemann (hinten, l.) und Erich Faehling (hinten, 2. v. r.) über die Sorgen der aus Afghanistan stammenden Flüchtlinge.

Bad Segeberg. „Wir fühlen uns wie Menschen zweiter Klasse“: Ausgesprochen hat diesen Satz Erfan Haschemi, der 2011 mit seiner Frau Sadaf und seiner heute sechsjährigen Tochter Morsal von Afghanistan nach Deutschland geflüchtet war. Dieser Satz machte nicht nur die beiden Pröpste des Kirchenkreises Plön-Segeberg, Dr. Daniel Havemann und Erich Faehling, betroffen. Er berührte auch Gothart Magaard, Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein, der sich im „Jugendcafé am Markt“ (JaM) in Bad Segeberg über die Flüchtlingsarbeit informierte.

LN-Bild

Gothart Magaard informierte sich in Bad Segeberg über die Flüchtlingsarbeit.

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„Dort waren wir Menschen zweiter Klasse, hier sind wir es auch.“ Erfan Haschemi, der aus Afghanistan stammt

Vor den Taliban waren die Haschemis zunächst in den Iran geflüchtet. „Dort waren wir Menschen zweiter Klasse, hier sind wir es auch“, sagt der Familienvater. Während Syrer unter anderem ein Anrecht auf einen Deutschkursus haben, sind Afghanen davon ausgeschlossen. Er spricht zwar bereits gut Deutsch, aber seine Landsleute sind hier darauf angewiesen, dass ihnen ehrenamtliche Helfer die deutsche Sprache beibringen. Weiterführende Kurse mit Deutschprüfungen, die von Vorteil für den Arbeitsmarkt wären, gibt es für sie nicht. Ein ständiger Begleiter ist zudem die Angst, nach Afghanistan, das wieder als „sicheres Herkunftsland“ gilt, abgeschoben zu werden.

„Meine Tochter ist hier aufgewachsen, mein Sohn hier geboren. Beide sprechen besser Deutsch als unsere Muttersprache“, sagt Erfan Haschemi, der als Asylbewerber zwar noch nicht anerkannt ist, aber dennoch eine Ausbildung zum Maler machen darf. Wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen, sind Erfan und Sadaf Haschemi dabei. Ob im Kindergarten, den der zweieinhalbjährige Mohammad mit Begeisterung besucht, zur Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft Schackendorf oder zur Unterstützung des JaM-Teams bei den offenen Treffen zur Marktzeit: Das Ehepaar ist dabei. „Wir haben schon so viel ertragen. Wir möchten in Deutschland bleiben“, so Erfan Haschemi mit einem verzweifelten Blick. Ähnlich sieht es Ghulam Karimi, neuer Vorsitzender des Vereins „Alleineinboot“: „Als Syrer bekommst du alles, als Afghane nichts. Aber wir sind auch Menschen, und ich hoffe, hier bleiben zu können.“ Wenn es nach Propst Dr. Daniel Havemann geht, sollte die Abschiebung kein Thema sein: „Die Begegnung mit den verschiedenen Kulturen hat unsere Gesellschaft verändert. Uns geht etwas verloren, wenn die Asylbewerber unser Land wieder verlassen.“

Das sieht Bischof Magaard ähnlich, der beim 2015 verfassten „Flüchtlingspakt“ der schleswig-holsteinischen Landesregierung Pate gestanden hat und sich für die nächsten Veranstaltungen vorbereitet.

„Wir beschädigen unsere eigene Gesellschaft, wenn wir nicht anfangen, das Recht an die Realität anzupassen. Das werde ich vorbringen“, versprach er und meinte damit eben jene Einstufung Afghanistans als sicheres Herkunftsland. Ziel müsse es sein, eine bessere Integration der Menschen zu erreichen – unabhängig von deren Nationalität. Dass für den kleinen Mohammad Integration überhaupt kein Thema ist, bekam Bischof Magaard zu spüren. Ohne Berührungsängste rannte der im Kindergarten „Momo“ genannte Knirps auf den Bischof zu, um mit ihm ein Stück Schokolade zu teilen.

Hier können Sie helfen

Wer sich für Flüchtlinge engagieren möchte, kann sich an Leeza Lorenz wenden. Sie ist Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche beim Kreis, hat Kontakt zu mehreren Helferkreisen. Zu erreichen ist Lorenz unter Telefon ☎ 04551/951762 oder per E-Mail: Leeza.Lorenz@kreis-se.de

Weitere Kontakte:

Wahlstedt: E-Mail: fluechtlinge@wahlstedt.de

Trappenkamp : Harald Krille, ☎ 04323/91 4116

Amt Leezen: Holger Pirdzuhn, ☎ 04552/997727.

Verein „Alleineinboot“: E-Mail info@alleineinboot.com; Internet: www.alleineinboot.com

 Petra Dreu

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