Norderstedt. Aktuelle Informationen:
Seit Dienstagnachmittag ist klar: Die chemische Substanz, die den Bach bei Norderstedt blau gefärbt hat, ist nicht giftig. Das ergab die Untersuchung von Wasserproben, wie die Kreiswasserbehörde Segeberg mitteilte. Die Behörde bestätigte den untenstehenden Bericht der LN, dass es sich um den Farbstoff Kupferphthalocyanin handelt, welches in Lacken, Kunststoffen oder Druckfarben enthalten ist. Der Verursacher der Verschmutzung konnte allerdings nach wie vor nicht ausfindig gemacht werden.
Hintergrund:
Ein mysteriöser Zwischenfall hat am Sonntag um 22.03 Uhr rund 70 Feuerwehrleute aus Norderstedt in Alarm versetzt. Zusätzlich Polizeibeamte, Umweltexperten des Flughafens Fuhlsbüttel, der Segeberger Kreisverwaltung und die „Analytische Task Force“ (ATF) der Hamburger Berufsfeuerwehr. Grund: Das kleine Bächlein Rugenwedelsau, das sich durch Norderstedt und Teile Hamburgs schlängelt, war auf einigen Kilometern Länge tintenblau eingefärbt. Drohte dem Bereich eine Umweltkatastrophe?
Wohl nicht. Die Behörden gaben gestern Entwarnung. Mysteriös bleibt, wie es zu der Verfärbung des gut einen Meter breiten Bächleins gekommen ist, das die meisten Bewohner der Region vermutlich überhaupt nicht kennen. Spekulationen gibt es viele, doch keine gesicherten Erkenntnisse.
Wie Matthias Huhn, stellvertretender Leiter der Norderstedter Wehr, berichtet, sei der ARD-„Tatort“ gerade beendet gewesen, da wurde die Feuerwehr zu einem Gefahrguteinsatz im Gebiet des Nordport-Bogens, dem Industriegebiet am Flughafen, gerufen, weil dort der Bach, der teils offenbar die Funktion eines Entwässerungskanals hat, tiefblau gefärbt sein soll. Aufgefallen war dies einem Mitarbeiter eines Wachunternehmens.
Der Bach verläuft entlang dem Flughafenzaun und teils unterirdisch Richtung Schnelsen. Das stark eingefärbte Wasser trieb dann sehr langsam flussabwärts. „Die Rugenwedelsau ist teilweise ein stehendes Gewässer“, begründet dies Matthias Huhn. Die Feuerwehrleute hätten mit ihrem Analyse-Set sofort den pH-Wert gemessen. „Der war okay“, so Huhn, „brennbar sei der Stoff auch nicht gewesen.
Wir wussten dann nicht mehr weiter. Wir waren der Meinung, dass keine unmittelbare Gefahr besteht.“ Dennoch wurde vorsichtshalber der Umweltdienst der Hamburger Feuerwehr hinzugezogen. Der hat eine „Analytische Task Force“, eine mit allen Analyse- und Messverfahren ausgerüstete Spezialeinheit. Binnen 20 Minuten sei die ATF dagewesen.
Der Flughafen hat inzwischen recherchiert, ob von dort ein Stoff ins Gewässer gelangt sein könnte, etwa Flugzeugbenzin. Alle dortigen Abwasserkanalpläne wurden überprüft. Aber von dort gab es Entwarnung. „Wir hatten auch eine Zeitlang an eine Spaßtat gedacht“, so Huhn. Sicher sei zu diesem Zeitpunkt gewesen, dass die Verfärbung ihren Ursprung nicht auf dem Airport gehabt haben kann.
Zwischenzeitlich war eine Vertreterin der Kreis-Wasserbehörde eingetroffen. Die ATF hat dann herausgefunden, dass es sich um einen Farbzusatzstoff handelt, der die Blaufärbung verursacht hat — ein Grundstoff in Pulverform zur Herstellung von Farben. Der sei „weder für Menschen noch für Tiere noch für die Umwelt gefährlich“, so Huhn. Der Stoff, er heißt „Copper (II) Phthalocyanine“, werde in Autolackierereien, in der Möbelindustrie und auch als Stempelfarbe verwendet. Wie der aber in die Au geraten ist, ist bis heute ungeklärt.
Als mögliche Einleiter könnte das Gelände des World Cargo Centers in Frage kommen, wo enormer Güterumschlag für den Flughafen stattfindet. Etwa hundert Meter von dort, aber außerhalb des Geländes, seien an einem Regenwasserschacht Spuren des Pulvers ermittelt worden. Von dort läuft das Wasser in die Au. Das Pulver kann aber auch auf einem der zahlreichen nahegelegenen (Lkw-)Parkplätze in einen Vorfluter gelangt sein. Vielleicht ist es absichtlich entsorgt oder versehentlich beim Be- oder Entladen verschüttet worden. Man wisse es nicht.
Natürlich kann das Pulver auch direkt in den Bach gekippt worden sein. Das glaubt er allerdings nicht. Huhn schließt aus, dass sich jemand einen Scherz erlauben wollte. Möglich sei, dass der Vorfall schon Tage zurück liegt, denn, so Huhn: Die Au strömt kaum. Gegen eine illegale „Verklappung“ spricht für ihn, dass dieses Pulver ohne Probleme legal entsorgt werden könnte. Der Leiter des Fachdienstes Wasser-Boden-Abfall in der Kreisverwaltung, Armin von Anshelm, sagte den LN: Der Stoff, den die Hamburger Feuerwehr analysiert hat, sei relativ harmlos. „Wir haben geprüft, ob es ein Fischsterben gab — negativ. Und wir haben Steine im Bach umgedreht und festgestellt, dass zwar einige Köcherfliegenlarven tot waren, die meisten aber lebendig sind.“ Deswegen müsse nichts unternommen werden.
Im übrigen: „Die blaue Fahne hat sich weiter nach unten in den Bereich der A 7 verlagert. Am Oberlauf ist das Wasser schon wieder sauber.“ Die Farbreste fließen jetzt Richtung Elbe und würden sich verdünnen und auflösen, sagte von Anshelm. Er nimmt an, dass das Pulver versehentlich in die Au gelangt ist. Denn der Farbstoff sei teuer — etwa 100 Euro je Pfund. Welche Mengen in das Gewässer gelangt sind, sei unbekannt. Von Anshelm schätzt, dass es „weniger als ein Kilo“ war. Der Stoff sei „bös‘ farbintensiv“.
1927 wurden von Henri de Diesbach und E. von der Weid in der Zeitschrift Helvetica Chimica Acta über die Synthese des Kupferphthalocyanins und dessen Eigenschaften und farbliche Brillanz berichtet, ohne jedoch die wirtschaftliche Bedeutung zu erkennen. 1934 begann die massenhafte Produktion von Kupferphthalocyanin (CuPc), bekannt unter den Namen Monastralechtblau B und Heliogenblau B. Die bisher verwendeten anorganischen Pigmente Ultramarin und Preußisch Blau wurden daraufhin nach und nach verdrängt. Der überwiegende Anteil von CuPc wird als hochechtes Pigment verwendet.
Es ist das in der Menge häufigste Pigment für den blauen Farbbereich in Lacken und Anstrichfarben, Kunststoffen und Druckfarben. So sind etwa die blauen Papiertonnen mit diesem Pigment eingefärbt.
Quelle: Wikipedia
Christian Spreer
