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Segeberg Bleiben Lübecker Segelflieger in Wahlstedt?
Lokales Segeberg Bleiben Lübecker Segelflieger in Wahlstedt?
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11:28 18.10.2015
Gestern war Flugzeug-TÜV beim LSV: Auch die so genannten Lebenslaufbücher der Flugzeuge, die wie ein akribisch geführtes Tagebuch vom Bau bis zur jüngsten Flugmeile reichen, werden gecheckt.
Wahlstedt

Die Segelflugsaison geht zu Ende. Eigentlich wäre dieses Wochenende Abfliegen beim Luftsportvereins Kreis Segeberg (LSV), doch der Windsack hängt schlapp am Mast. Von Thermik ist nicht die Spur. „Bei so einem Wetter gehen selbst die Vögel zu Fuß“, frotzelt ein Pilot. Genug ist dennoch zu tun. Der Flugzeug-TÜV steht an. Prüfer checken akribisch die zehn Maschinen des LSV und deren Lebenslaufbücher.

Seit der Verein mit seinen knapp 100 Mitgliedern im Frühjahr dem Aero-Club von Lübeck (150 Mitglieder) sozusagen Flieger-Asyl gibt, herrscht besonders geschäftiges Treiben an der Graspiste am Stadtrand. „Wir werden hier wirklich freundschaftlich aufgenommen, es ist ein sehr gutes Miteinander", betont Aero Club-Vorsitzender Rüdiger Kosemund. Auch wenn es in der Halle angesichts des zusätzlichen Geräts eng geworden ist, das Zusammenrücken bringt Vorteile. „Es ergänzt sich vieles: Fluglehrer aus Segeberg können auf Lübecker Fliegern schulen und umgekehrt“, sagt Christoph Nehrlich, während er den Motorsegler klar macht. Außerdem wollen Wahlstedts Segelflieger ausbauen, bestätigt LSV-Vorsitzender Torsten Maß, und der Aero Club würde sich beteiligen. Kosemund: „Wir haben unsere finanzielle Mithilfe angeboten.“ Die 800 Meter lange Graspiste soll um 200 Meter Richtung Kieler Straße verlängert werden. Der Vorteil einer längeren Startpiste liegt darin, dass die Seilwinde ein Segelflugzeug statt in 300 Meter Höhe in 400 hinaufziehen könnte. Das wiederum bedeutet, dass der Pilot zwei Minuten länger Zeit hat, um einen thermischen Anschluss zu bekommen. Somit könnte er länger fliegen.

Derzeit wird gerade der Mais auf der vorgesehenen zwei Hektar großen Fläche geerntet. Ersatzflächen für den Acker-Pächter müssen gefunden werden. Wenn alles klappt, könnte die Piste dort ab Frühjahr 2016 weiterlaufen, hofft Maaß. Und auch Kosemund setzt darauf, „bevor neuer Mais eingesät wird“. Seit dem Hickhack um den insolventen Lübecker Flughafen in Blankensee wissen die Luftsportler aus der Hansestadt nicht, ob sie überhaupt noch einmal in Lübeck zuhause sein werden. Der letzte Betreiber, der chinesische Investor PuRen, hatte dafür gesorgt, dass Segelflug in Lübeck nicht mehr möglich war. Was nun, wo er das Handtuch geworfen hat, mit dem Flugplatz geschieht, ist offen. Unter anderem soll ein ukrainischer Investor interessiert sein.

Als letzte Maßnahme käme womöglich, wie berichtet, in Betracht, dass der Aero Club und der Lübecker Verein für Luftfahrt und Flugschulen Blankensee als Sonderflugplatz erhalten, dann könnten die Segelflugsportler dort wieder abheben. Doch für sie eröffnet sich auch in Wahlstedt eine Lösung: Die Verschmelzung der beiden Vereine. „Das ist eine Option, die wir auf jeden Fall erwägen. Wenn wir die Vereine zusammenführen, wäre das für beide eine ganz große Chance“, sind sich Maaß und Kosemund sicher, dass man auf eine perfekte Ausgangslange zusteuern würde.

Heike Hiltrop

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