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Segeberg Blick in die ausgebeulte Kirchenwand
Lokales Segeberg Blick in die ausgebeulte Kirchenwand
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20:33 30.08.2017
Statiker Holger Haker und Architektin Christine Johannsen erklären die Sanierung der Kirchenwand. Quelle: Foto: Nam
Bornhöved

Seit Jahren beschäftigt die Sanierung der ausgebeulten Wände der Bornhöveder Jakobikirche die Kirchengemeinde. Ein Fehlversuch liegt schon hinter ihr.

Umso neugieriger waren die Dorfbewohner, als sie beim Baustellenfest am Mittwoch hinter den Bauzaun gucken durften.

Tiefe Löcher in der Nordwand werden unter der Plane des Baugerüstes sichtbar. Dort haben die Sanierer die oberste Schicht der Feldsteinwand abgetragen – zusammen mit dem bröseligen Mörtel des Sanierungsversuches vor 17 Jahren. Mit Verpressmörtel sei damals versucht worden, die Hohlräume im Mauerwerk zu schließen, erklärt Architektin Christine Johannsen den über 50 Gästen des Baustellenfestes. Was die Verantwortlichen nicht ahnten: Der verwendete Zement reagierte mit dem Gips, Treibmineralien richteten weitere Schäden in der Wand an – die nun behoben werden sollen.

„Das Wort Zement gibt es nicht mehr auf der Baustelle“, betont Johannsen. Stattdessen werde ein Gips verwendet, der dem historischen ähnlich sei. In alter Kletterschaltechnik wird die nördliche Feldsteinwand nun Stück für Stück ausgebessert, das habe man vor vier Jahren in einem Testabschnitt ausprobiert. Bisher sei dort alles in Ordnung. Vier Bauabschnitte sind geplant, die Kosten werden auf eine Million Euro geschätzt.

„Ein Restrisiko bleibt“, sagt Statiker Holger Haker auf die Frage der ehemaligen Bürgermeisterin Helga Hauschildt, ob diese Sanierung nun funktionieren werde. „Die Beulen sind eine Grundschwäche der Bautechnik“, erklärt Haker. Da der Fuß der Wand Wasser aufnehme und die Verschalung der Wand schließlich einreiße, gerate die Wand in Bewegung. Die Beulen könne man bei vielen Feldsteinkirchen beobachten. Beim ersten Sanierungsversuch sei zusätzlich Wasser eingebracht worden. Deshalb soll die Kirchenwand dieses Mal so trocken wie möglich bleiben. Auch in Zukunft: Regenwasser vom Dach wird über über eine Rinne abgeleitet, das Oberflächenwasser am Fuß der Wand über eine abschüssige Pflasterung. Zudem wird darunter eine wasserdichte Tonschicht eingebaut, kündigt Architektin Johannsen an.

Fragen warf das neue Aussehen der sanierten Wandteile auf: „Bleibt die so glatt“, fragten die Zuschauer angesichts der fehlenden Feldstein-Optik. Im unteren Teil schon, bestätigte Haker. So hätte die Kirche auch im 12. Jahrhundert ausgesehen. Mit der Zeit erst seien die Feldsteine sichtbar geworden. Der heute so beliebte Anblick sei aber erst vor 150 bis 200 Jahren in Mode gekommen.

nam

LN

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