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Segeberg Breitbandausbau wird vor allem für Randgebiete sehr teuer
Lokales Segeberg Breitbandausbau wird vor allem für Randgebiete sehr teuer
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21:17 20.09.2016

Die Gemeindevertretungen von 15 Gemeinden aus dem Kreis Segeberg haben bis zum 28. September schwere Entscheidungen zu treffen, von denen die Zukunft einzelner Ortsteile, Splittersiedlungen und Einzelgehöfte abhängen könnte. Der 4,1 Milliarden schwere Bundestopf für den Breitbandausbau wurde erst bejubelt, jetzt zeigt er seine Tücken: Wer eine Förderung beantragt, muss bauen – selbst dann, wenn der Einwohner überhaupt keinen Anschluss möchte und dadurch keine Pacht zu Refinanzierung zu erwarten ist. Das Investitionsvolumen ist enorm:

„Wenn wir zustimmen, können wir nicht mehr raus. Dann sind wir in der Haftung.“Marlies Pielburg, Bürgermeisterin

Immerhin zwölf Millionen Euro bei zu erwartenden drei Millionen Euro Fördergeldern soll die Anbindung der Außenlagen an die Datenautobahn kosten.

Häuser ohne Glasfaseranschluss scheiden immer mehr als begehrte Domizile aus und landen im Abseits. Das wissen auch die Gemeindevertreter von Bahrenhof, Blunk, Boostedt, Bühnsdorf, Glasau, Heidmühlen, Krems II, Latendorf, Nehms, Pronstorf, Rohlstorf, Schieren, Seedorf, Travenhorst und Wensin, die zusammen 2100 Adressen auf dem Zettel stehen haben, die noch nicht mit Breitband-Internet versorgt sind. Von den 15 Gemeinden sind lediglich fünf Kernbereiche bislang ohne Breitbandversorgung, in den restlichen zehn Gemeinden sind lediglich Außenlagen noch nicht angeschlossen.

Erst durch das Förderprogramm des Bundes gab es für sie wieder einen Lichtschein am Horizont. Die sonst übliche Vorgehensweise, den Ausbau für alle Teile der Gemeinde zu beantragen und aus wirtschaftlichen Gründen hinterher eine Streichliste vorzunehmen, geht hierbei jedoch nicht, denn Vorgabe des Breitbandbüros des Bundes ist: Was beantragt wird, muss auch gebaut werden.

Diese Botschaft hatte erst vor wenigen Tagen Tim Brauckmüller, Geschäftsführer des Breitbandbüros des Bundes vor Zweckverbandsvertretern in Kiel verkündet. „Wir waren ungefähr 40 Vertreter aus dem gesamten Land und waren allesamt geschockt“, erzählt Meike Kretschmer, die beim Wege-Zweckverband den Breitbandausbau managt und für vergangenen Montag eilends einen Informationstermin für die betroffenen Kommunen einberufen hatte.

„Die Pacht ist die einzige Einnahme zur Refinanzierung der Kosten. Wir sind davon überzeugt, dass sich Kerngebiete selber tragen werden. Anders aber sieht es bei Einzelgehöften aus. Eine Wirtschaftlichkeit ist dort nur selten gegeben“, so Meike Kretschmer. Sie glaubt, dass dennoch eine Brandbandversorgung möglich ist – nur nicht zum Nulltarif. Eigenleistungen könnten helfen, die Kosten zu reduzieren.

Eine Förderung würde folgendermaßen aussehen: Der Bund übernimmt 50 Prozent der ausgewiesenen Restschuld, die andere Hälfte der Kosten bliebe bei den Gemeinden. Anders handhaben es andere Bundesländer. „In den meisten übernimmt das Land von der Restschuld 40 Prozent, nur für zehn Prozent müssen die Gemeinden geradestehen. In Schleswig-Holstein ist das leider nicht so. Hier tragen die Kommunen das Risiko für die kompletten 50 Prozent der Restschuld.“ Viele Bürgermeister haben Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben. „Wenn wir zustimmen, können wir nicht mehr raus. Dann sind wir in der Haftung“, sagt zum Beispiel Marlies Pielburg aus Bühnsdorf.

Glücklich über die kurzfristige Entscheidungsfrist sind die Kommunen, die jetzt eilends zu Absprachen zusammenkommen müssen, auch nicht. Die Gemeindevertretungen von Bahrenhof und Bühnsdorf treffen sich am 22. September um 20 Uhr in Wakendorf I in der Gaststätte „Utspann“.

Petra Dreu

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