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Segeberg Brösel-Alarm: Kirchturmbalken zerfallen
Lokales Segeberg Brösel-Alarm: Kirchturmbalken zerfallen
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22:34 02.11.2013
Wirr und chaotisch wirkt das Bauwerk, „es hat aber eine innere Logik“, sagt Architekt Achim Kölbel, der hier mit Pastorin Annett Penner, Heike Krüger (Kirchenkreisarchitektin) sowie Tobias Wendorf und Peter Tietgen fasziniert das Gebälk bestaunt. Quelle: Fotos: Spreer
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Leezen

18 Monate sind vergangen, seit die LN über die nötige Sanierung des Leezener Kirchturmes berichteten. Inzwischen haben Holzschutzgutachter und Statiker ihre Arbeit erledigt — Architekt Achim Kölbel muss nun versuchen, im Auftrag der Kirchengemeinde ein Sanierungskonzept zu entwickeln, das die baulichen Notwendigkeiten und die Ansprüche des Denkmalschutzes berücksichtigt.

Wie berichtet, ist die beeindruckende Holzkonstruktion des etwa 1640 erbauten Turmes sanierungsbedürftig. Diverse Balken haben kaum noch Kontakt zu den umlaufenden Schwellhölzern. Mancher hängt wie ein loser Zahn in der Luft, Holzmehl liegt in Haufen am Boden. Dennoch steht der Turm (noch) wie eine Eins. Grund: In dem rund 20 Meter hohen Bauwerk ist so viel massives Holz verarbeitet worden, sind Balken kreuz und quer miteinander verbunden worden, als wäre Leezen eine erdbebengefährdete Zone. Die Konstruktion mit ihren unglaublich vielen Verstrebungen mutet nicht nur für Laien abenteuerlich überproportioniert an. „Ich habe inzwischen verstanden, wofür die einzelnen Balken gut sind. Die Konstruktion sieht wirr und chaotisch aus, aber sie hat eine innere Logik“, sagt Kölbel.

Dem Holz hat vor allem Feuchtigkeit zugesetzt. Und als Folge Weiß- und Braunfäule, Befall durch Holzwurm und etwas Hausschwamm. Das Holz von Turm und Dach weisen erhebliche Schäden auf. „Es ist zwar keine Gefahr im Verzug“, sagt Kölbel. Zumal die um 1870 vor die Balken gesetzte Mauer zwar keine statische Funktion hat, beim jüngsten Orkan aber als prächtiger Windschutz fungiert hat. Dennoch hält er die Sanierung für notwendig. Dass die Grundhölzer, auf denen die gesamte Konstruktion ruht, großenteils vergammelt sind, ist hausgemacht. Man hätte die liegenden Eichenbalken nicht mit Erde bedecken und so jede Ventilation am Boden verhindern dürfen. Kölbel: „Das ist Ursache für den Schaden.“ Folge: Die meisten Ringbalken müssen ausgetauscht werden. Die Kosten dürften bei 160 000 Euro liegen, schätzt er grob. 20 Prozent trägt der Kirchenkreis, den Rest muss die Kirchengemeinde aufbringen.

Kölbel hat eine Idee, wie man den von außen unscheinbaren, von innen aber spektakulären Turm ins rechte Licht rücken könnte. Warum das Innere nicht sichtbar machen, fragt er, und einfach eine Verglasung einbauen, die für Einblick sorgt? „Und dann den Turm mit warmem Licht ausleuchten“, nimmt Tobias Wendorf vom Kirchenkreis den Ball auf. Das würde aber zusätzliches Geld kosten. Genauso wie eine weitere Idee, die realisiert werden könnte — nämlich eine Verbindung vom Kirchenschiff zum Sanitärraum im Turm herzustellen. Jetzt muss der Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen, wenn er mal muss, außen ‘rum gehen, um dann durch die Turmtür zum WC zu gelangen.

Mehrere Kubikmeter Eichenholz müssen in den faszinierenden Turm eingebaut werden. Kein leichter Job, hier muss genau beachtet werden, welcher Balken wie abgefangen werden muss, bevor man ihn austauscht. Einige zerbröseln förmlich, haben statisch längst keinerlei Bedeutung mehr. „Der Turm braucht auch eine Belüftung“, sagte Kölbel beim Ortstermin mit Kirchengemeinderat Peter Tietgen, Pastorin Annett Penner, Kirchenkreisarchitektin Heike Krüger und Tobias Wendorf, der im Kirchenkreis den Kontakt zu Stiftungen hält. „Unter der Turmspitze herrscht stets ein feuchtes Klima.“ Das Schieferdach müsse man sich daher auch mal genauer ansehen.

Wann mit der Sanierung begonnen werden kann, ist noch offen. Eines aber ist sicher: Bei den Arbeiten müssen die Glocken schweigen. Denn das Geläut wiegt über eine Tonne. Kritisch wird es vor allem, wenn ihr Gewicht ins Schwingen gerät: „Die Eigenlast ist die eine Sache, aber in der Schwingphase weiß man nicht, wie sich das auf die Arbeiten auswirkt“, gibt Heike Krüger zu bedenken.

Kirchenkreis-Konto
Spenden helfen, den Turm zu retten. Ob direkt Geld überwiesen wird, ob ein Jubilar auf Geschenke zugunsten des Turmes verzichtet, ob der Erlös aus Festen gegeben wird: Es gibt ein Spendenkonto des Kirchenkreises Plön-Segeberg bei der Sparkasse Südholstein, Nr. 24813 IBAN: DE60 2305 1030 0000 0248 13, BLZ: 2305130 BIC: NOLDE21SHO, Verwendungszweck: 0280.00.0100.002200

Christian Spreer

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