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Segeberg Brutaler Überfall in Rickling heute bei „Aktenzeichen XY“
Lokales Segeberg Brutaler Überfall in Rickling heute bei „Aktenzeichen XY“
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Eine nachgestellte Szene aus dem TV-Beitrag. Der gefesselte Ricklinger Landwirt ist den maskierten Räubern hilflos ausgeliefert. Quelle: ZDF
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Rickling/Kiel

Sie kommen in der Nacht, sind brutal und dazu überaus professionell. Eine Gruppe von Räubern, die seit Mai 2010 im Kreis immer wieder Häuser überfällt, die Bewohner aus den Betten zerrt, fesselt und in Angst und Schrecken versetzt, hat die Polizei noch immer nicht fassen können. Für insgesamt sieben Raubtaten dieser Art werden die Unbekannten verantwortlich gemacht. Heute ist die unheimliche Serie Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY. . .ungelöst“. Die Polizei hofft endlich auf eine heiße Spur in dem Fall.

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Polizei will mit Hilfe der ZDF-Sendung weitere Zeugen finden – Professionelle Bande wird für sieben nächtliche Raubtaten im Großraum Segeberg verantwortlich gemacht – Täter erbeuteten Geld, Schmuck, Wertgegenstände.

Belohnung ausgesetzt

22 500 Euro sind insgesamt auf Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Räuberbande führen. Jeweils 10 000 Euro stammen von den Geschädigten aus Rickling und Weddingstedt, weitere 2500 Euro von der Kieler Staatsanwaltschaft. Hinweise nimmt die Polizei unter ☎ 0431 / 1603333 entgegen.

Aufsehen verursachte insbesondere der Überfall am 9. Januar 2015 in Rickling: Mitten in der Nacht waren zwei bis drei vermummte Männer in ein Bauernhaus eingedrungen und hatten eine 54-Jährige und ihren 51 Jahre alten Ehemann aus dem Schlaf gerissen. „Die Täter gehen jedes Mal auf die gleiche Weise vor“, sagt Matthias Arends, Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Kiel. Mit vorgehaltenen Waffen versetzten sie ihre Opfer ganz bewusst in Panik, um Informationen über im Haus versteckte Wertgegenstände und Bargeldvorräte zu erpressen. Im Ricklinger Fall zwangen die Maskierten das Ehepaar, ihren Tresor zu öffnen, in dem sich laut Polizei „ein hoher fünfstelliger Euro-Betrag“ befunden hatte. Anschließend ließen sie das leicht verletzte Paar gefesselt zurück. Eine spätere Spurensuche der Polizei, bei der auch Spürhunde eingesetzt worden waren, blieb ohne Ergebnis. In der heutigen ZDF-Sendung werden Schauspieler die dramatischen Ereignisse nachstellen.

Warum sich die Männer immer wieder den Segeberger Raum für ihre Überfälle aussuchen, ist nicht bekannt. Taten nach dem gleichen Muster gab es im Abstand mehrerer Monate auch in Hartenholm, Kaltenkirchen, Oersdorf, Hasenmoor und Belau im Kreis Plön (siehe Karte). „Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass die Täter auch aus der Region stammen“, betont Arends. Ebenso könne es sich um eine reisende Gruppe aus dem Ausland handeln, möglicherweise auch in wechselnder Besetzung.

Anhaltspunkte auf Aussehen und Herkunft der Täter gebe es laut Polizei kaum. Ihre Gesichter seien bei jedem Überfall maskiert gewesen. Bis auf wenige Ausnahmen hatten es die Männer auch vermieden, mit ihren Opfern zu sprechen. Lediglich bei dem bislang letzten Überfall am 15. August 2015 in Weddingstedt bei Heide, der der Gruppe zugerechnet wird, konnten die Opfer hören, dass die Räuber Deutsch mit osteuropäischen Akzent sprachen. Die Männer sollen zudem 1,70 bis 1,75 Meter groß und unter 50 Jahre alt sein. Zwei seien in das Haus eingedrungen, mindestens ein dritter Täter habe draußen Wache gestanden. Für die Professionalität der Männer spreche auch, „dass sie immer wussten, wo es etwas zu holen gab“, berichtet der Polizeisprecher. Mit Ausnahme des Überfalls in Hasenmoor, wo die Räuber nur geringe Beute machten, entkamen sie bei den anderen sechs Taten mit Schmuck, Wertgegenständen und Bargeld im Wert von mehreren Zehntausend Euro. „Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Opfer vorher ausgekundschaftet wurden“, sagt Arends. Offenbar hätten die Männer nicht nur über mögliche Beute Bescheid gewusst, sondern auch über die Zahl der Bewohner und deren Tagesablauf.

Dass die Täter während der Überfälle in der Nacht von Dritten gesehen wurden, sei zwar unwahrscheinlich. Arends: „Wir hoffen aber, dass sich nach der Sendung Zeugen melden, die vor den Überfällen verdächtige Beobachtungen gemacht haben.“

 Oliver Vogt

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