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Bühnsdorf – ein Dorf blüht auf

Bühnsdorf Bühnsdorf – ein Dorf blüht auf

Mohn, Steinklee, Margeriten: Mitten im Dorf tut sich eine Wiese auf wie kaum anderswo. Ein Paradies für Bienen und Co.

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Nach getaner Arbeit und viel Werbung für „ihre“ Wiese genießen Ulrike und Günter Fischer die Farbenpracht in ihrer Nachbarschaft.

Quelle: Fotos: Kullack

Bühnsdorf. „Es wäre schön, sagen zu können: Bühnsdorf blüht auf.“ Das erklärte Hobby-Imkerin Ulrike Fischer, als sie ihr Projekt zum Jahresbeginn der Gemeindevertretung vorgestellt hatte. Erst vor sechs Jahren war sie mit ihrem Mann Günter, dem früheren Reinfelder Revierförster, nach Bühnsdorf gezogen und hatte bald um die Ecke in ihrem Wohngebiet Kampredder die Wiese entdeckt, die früher als Bolzplatz genutzt wurde – heute allerdings kaum noch mangels Kindern im entsprechenden Alter.

LN-Bild

Mohn, Steinklee, Margeriten: Mitten im Dorf tut sich eine Wiese auf wie kaum anderswo. Ein Paradies für Bienen und Co.

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Mit Genehmigung des Pächters bepflanzte Ulrike Fischer bereits vor vier Jahren einen Streifen von 700 Quadratmetern mit Wildblumen. Nachdem sie das naturnahe Projekt zum Jahresbeginn in der Gemeindevertretung vorgestellt hatte, wurde die bepflanzte Wildwiese nun auf 3200 Quadratmeter erweitert.

Landwirt und Hegeringleiter Hans-Ulrich Weber half tatkräftig mit und bereitete den Boden der zusätzlichen 2500 Quadratmeter in mehreren Maschinen-Arbeitsgängen für die Aussaat der Feinsämereien vor.

„Es wäre wünschenswert, wenn es das auch anderswo immer mehr gäbe. Und wenn es nur Ackerrandstreifen sind“, meint der Hegeringleiter.

Das Saatgut wurde von Bühnsdorfer Bürgern und von der Landfrauengruppe Neuengörs-Bühnsdorf gestiftet. Ausgesät wurde eine ganz spezielle, für die Region des Ostkreises empfohlene Saatgutmischung mit nicht weniger als 35 verschiedenen Wildblumenarten. Kornblumen gehören ebenso dazu wie Margeriten, Mohn, Lichtnelken, Pastinaken, Königskerze oder Steinklee. Aber auch 13 verschiedene Kulturpflanzen sind in der Mischung – vom Buchweizen über Borretsch, Gelbsenf, Phacelia, Sonnenblumen, Lein, Luzerne und Saatwicke. Das Säen selbst war dann Aufgabe des ehemaligen Revierförsters: Bei windstillem Wetter ging Günter Fischer (67) im Juni über das Feld und säte die Wiesenmischung per Hand aus.

Für manche Kulturbereiche oder auch für Strandurlauber mag es bisher ein zu feuchter Sommer gewesen sein – für die bunte Wiesenpracht von Bühnsdorf aber war die Witterung genau richtig: Die nun 3200 Quadratmeter stehen in voller Blüte, und bei Sonnenschein herrscht hier ein Summen und Brummen von zahllosen Hummeln, Wild- und Honigbienen und Schmetterlingen. Kinder und Enkelkinder kommen mit Eltern und Großeltern her, um diese Insektenvielfalt zu bestaunen – schwer begreifbar für Ältere, für die rote Mohnfelder und Ackerwinde am Wegesrand einst zu einem ganz alltäglichen, selbstverständlichen Anblick gehörten.

„Bühnsdorf blüht auf“ – das ist für Hobbyimkerin Ulrike Fischer natürlich auch Vorsorge für die eigenen Bienen: „Man darf nicht immer nur klagen und sich beschweren, wie schlimm heute alles sei – man muss eben auch einmal selbst die Initiative ergreifen, um es besser zu machen“, sagte sie dem LN-Reporter.

Wie notwendig eine solche Vorsorge ist (siehe auch nebenstehender Info-Text) weiß Günter Fischer als ehemaliger Förster nur zu gut. Denn wo sich Insekten wohlfühlen, kommen auch Hasen, Rebhühner oder Stieglitze bald zurück. Wegen einer eventuellen Erweiterung im nächsten Jahr hatten die Fischers sich die Fläche nach Beratung durch den Deutschen Verband für Landschaftspflege bereits mit Hegeringleiter Hans-Ulrich Weber und Lohnunternehmer Bernd Kretschmann angesehen.

Nicht mehr genug Wiesen da

Hummeln, Wild- und Honigbienen sind wichtige Pflanzenbestäuber – unerlässlich für Artenvielfalt, Ökosysteme und die Ernährung, man denke nur an die Obstbäume.

Über 50 Prozent der Hummeln und Wildbienen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten – sind also stark gefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben.

Die Lebensräume dieser nützlichen Insekten, einschließlich der Schmetterlinge und sonstigen Bestäuber, schrumpfen dramatisch. Wegen des Einsatzes von Chemie gibt es kaum noch blütenreiche Feldraine, Brachen oder auch bunte Wiesen.

Lothar Hermann Kullack

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