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Segeberg Bürgerinitiative gegen Windpark gründet sich in Bebensee
Lokales Segeberg Bürgerinitiative gegen Windpark gründet sich in Bebensee
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21:23 20.04.2016
Bis zu zehn Windräder mit jeweils einer Gesamthöhe von 150 Metern sind im Gebiet Bebensee, Mözen, Leezen und Schwissel im Gespräch. Gegen diese Pläne gründet sich jetzt eine Bürgerinitiative. Quelle: Fotos: Dpa/dreu

Spätestens seit der Vorstellung erster Planungen durch die Windkraft Nord AG mit Sitz in Husum im vergangenen Jahr schrillen bei den Einwohnern von Bebensee die Alarmglocken. Morgen wollen sie daher um 19.30 Uhr im Haus Bebensee eine Bürgerinitiative gründen, um gegen die Planungen vorzugehen. Zwei Referenten werden dabei als Gastredner auftreten.

Sechs Jahre ist es her, als der Ruf nach Windkraft zur Aufbesserung der Gemeindekasse erstmals durch Bebensee schallte. Die Vorzeichen damals waren aber gänzlich andere als heute: Im damals gültigen Regionalplan waren weder in Bebensee noch Leezen oder Mözen Gebiete als Windeignungsfläche aufgeführt. Die Gemeinde hatte sich selbst als Standort ins Spiel gebracht, bis ihr ein Bürgerentscheid eine zweijährige Pause verordnete.

Jetzt aber haben sich entscheidende Details verändert: Auf der derzeit gültigen Karte der Landesregierung für Windeignungsflächen ist der Bereich in unmittelbarer Nähe zur A 21 zwischen Bebensee, Mözen, Schwissel und Leezen als „Abwägungsgebiet“ ausgewiesen. Anders als damals gehören Windparks heute zu privilegierten Vorhaben, denen sich eine Gemeinde nicht pauschal verwehren kann.

Das war Grund genug für die Firma aus Husum, erneut einen Vorstoß zu wagen. Im September stellte sie ihre aktuellen Pläne vor, bei denen die ursprünglich 17 Windkraftanlagen auf zehn Anlagen mit jeweils einer Gesamthöhe von 150 Metern zusammengestrichen worden waren. Während der Sitzung kochte die Bürgerseele hoch, es kam zu tumultartigen Szenen. Für Bürgermeister Hans Rottgardt (CDU) war nach der Sitzung eines klar: „Windkraft in Bebensee hat sich erledigt.“

Ihm lägen keine konkreten Planungen vor, teilte der Bürgermeister auf LN-Anfrage mit, allerdings habe er sich um die Thematik Windkraft auch nicht mehr gekümmert. Er selbst sei zwar immer noch der Meinung, dass Winkraftanlagen für das Landschaftbild nicht schön seien, aber „wenn man mehr erneuerbare Energien haben will, kommt man um Windkraft nicht herum“. Dass die Planungen für das Gebiet zwischen Bebensee, Mözen, Schwissel und Leezen fortbestehen, bestätigte indes auf LN-Anfrage Andreas Hornig, Vizepräsident der Windkraft Nord AG. Bedingt durch die Fortschreibung der Raumordnungspläne in Schleswig-Holstein und die voraussichtlich zum 1. Januar 2017 in Kraft tretende Änderung des Energieeinspeisungsgesetz wollte er allerdings noch keine Angaben zur Anzahl und Höhe der geplanten Anlagen machen. „Wir müssen zunächst leider die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen abwarten“, so Andreas Hornig.

„Vorsicht ist besser als Nachsicht“, sagt sich Dr. Joachim Musehold, Gemeindevertreter der Bebenseer Aktiven Wählergemeinschaft (BAW). Er bedauert, dass die sonst verwendete Einstufung des Gebietes zwischen den vier Gemeinden als „charakteristischer Landschaftsraum“ offenbar keine Bedeutung mehr habe. Auch die Privilegierung von Windkraftanlagen ist dem streitbaren Bebenseer ein Dorn im Auge.

Für die Gründungsversammlung morgen konnte er Dr. Susanne Kirchhof (Gegenwind Schleswig-Holstein) und Gerhard Artinger (Gegenwind Bargteheide) als Referenten gewinnen. Zur Gründungsversammlung sind nicht nur die Einwohner von Bebensee, sondern auch die aus Schwissel, Leezen und Mözen eingeladen. Beginn ist morgen um 19.30 Uhr im Haus Bebensee.

Bürgerentscheid 2010

Am 24. Januar 2010 hatten die Einwohner in Bebensee per Bürgerentscheid über Windkraft vor den Türen der Gemeinde abgestimmt. Das Ergebnis war eindeutig: Mit 221 von 364 abgegebenen Stimmen und damit 60,9 Prozent sprachen sich die Bebenseer gegen Windkraftanlagen in ihrem Ort aus und kippten damit den Beschluss der Gemeindevertretung, Windkraft weiter voranzutreiben. Die Wahlbeteiligung war mit 69,9 Prozent sehr hoch. Obwohl die Gemeinde im damals gültigen Windkataster gar nicht aufgeführt war, hoffte sie zusammen mit Mözen und Leezen auf gute Einnahmen aus der zu erwartenden Gewerbesteuer. Der Bürgerentscheid hat den Beschluss der Gemeinde aufgehoben und war zwei Jahre gültig. pd

Von Petra Dreu

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