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Segeberg Bürgermeister Schönfeld im Kirchen-Talk
Lokales Segeberg Bürgermeister Schönfeld im Kirchen-Talk
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13:15 17.11.2018
Bürgermeister Dieter Schönfeld (l.) im Gespräch mit Pastor Frank Bonkowski, Christuskirche, Bad Segeberg Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Ein Politiker und gleichzeitig ein Christenmensch sein? Geht das überhaupt zusammen? Diese Fragen hatten die christlichen Gemeinden in Bad Segeberg bewegt – und daraufhin Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) zu sich eingeladen. Im Talk mit Frank Bonkowski, Pastor der freikirchlichen Gemeinde Gottes, gab Schönfeld am Mittwochabend vor gut 60 Zuhörern in der Christuskirche ein paar Einblicke in sein Seelenleben.

Es ist das Seelenleben eines Verwaltungsmenschen durch und durch. Bonkowski mühte sich zu Beginn des Abends zwar redlich, dem 65-Jährigen, der in einem Zeitungsinterview seinen Beruf mal als sein Hobby bezeichnet hatte, ein paar private Details zu entlocken. Das Resultat blieb indes eher dürftig: „Was ist Ihr Lieblingsplatz in Bad Segeberg?“ „Ach, ich finde die ganze Stadt schön. Privat bin ich aber am liebsten da, wo meine Familie ist.“ „Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?“ „Das Letzte heute Nachmittag erst – die Gemeindeordnung von Schleswig-Holstein.“ „Welcher Film hat Sie bewegt?“ „Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt im Kino war ...“ (Schaut seine Frau Angelika im Publikum an, die mit den Achseln zuckt). „Vielleicht einen ,Tatort’...“, hakt Bonkowski nach. „Den ,Tatort’ schaue ich seit zehn Jahren nicht mehr. Ich finde es auch überhaupt nicht gut, wenn große Teile der Fernsehunterhaltung heute darin besteht, dass Menschen ermordet werden.“ (Applaus). „Welche Eigenschaften mögen Sie an Jesus besonders?“ Schönfeld (wirkt etwas ratlos): „Alle. . .denke ich.“ Bonkowski: „. . .Okay.“

Sorge um abnehmende Zahl der Christen

Bei anderen Fragen taute der Bürgermeister dagegen etwas mehr auf. Bei seinem Verhältnis zum Christentum zum Beispiel. „Ich bewundere es, dass das Christentum eine ganze Werteordnung in zehn Gebote gießen konnte, für die wir heute mehr als 4500 Gesetze brauchen.“ Das sei auch ein Zeichen eines immer größer werdenden Egoismus in der Gesellschaft, in der es zunächst um die Sicherung der eigenen Bedürfnisse anstatt die der Gemeinschaft gehe. Sorge bereite ihm auch die abnehmende Zahl der Christen, wozu sich inzwischen nicht einmal mehr die Hälfte der Menschen in Deutschland bekenne.

Wenig christliche Politik

Die Schwierigkeit mit seinem christlichen Menschenbild in Konflikt zu geraten, wie Bonkowski wissen wollte, habe er als Kommunalpolitiker zum Glück meist nicht. Obwohl es die in der Politik selbstverständlich geben könne. Nicht sehr christlich aus Schönfelds Sicht sei es zum Beispiel, wenn die Politik viel Geld in die Hand nehme, um den sozialen Wohnungsbau durch große Unternehmen zu subventionieren, die dann damit über Jahre und Jahrzehnte Gewinne erwirtschafteten. Eigentlich müsste dieses Geld doch eher bei den Menschen ankommen, um sie in die Lage zu versetzen, selbst Eigentum zu erwerben. Christliches gebe es in der Politik aber auch, wie Schönfeld betonte. „Die Grenzöffnung von 2015. Das waren tatsächlich christliche Werte, die Angela Merkel geleitet haben.“ Und aus seiner Sicht habe sie auch gut daran getan. Unerträglich finde er es, wenn heute auf einzelnen Demonstrationen gefordert werde, Flüchtlingsboote „absaufen“ zu lassen. Das habe mit dem Christsein nichts zu tun.

Angespannte Finanzlage schränkt Gestaltungsspielraum ein

Auf Bad Segeberg bezogen könnte wegen der angespannten Finanzlage natürlich viel Gutes nicht getan werden, müssten viele Wünsche unerfüllt bleiben. Das sei damals, 1971, als er in die Kommunalpolitik eingetreten sei, noch ganz anders gewesen, „da war Geld da, da hatte die Politik vor Ort tatsächlich noch einen großen Gestaltungsspielraum“. Nicht zuletzt sei auch das der Grund, warum sich heute so viele Menschen nicht mehr für kommunale Politik interessierten, obwohl sie im Vergleich zu Landes- und Bundespolitik am Unmittelbarsten die Menschen vor Ort betreffe. „Doch bei allen Nöten, die wir mir unseren Finanzen haben: Es hilft uns auch klarer zu erkennen, ob alles, was wir uns wünschen auch tatsächlich lebensnotwendig ist.“

Oliver Vogt

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