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Segeberg Bürgermeister lehnen neue Autobahn-Anschlussstelle ab
Lokales Segeberg Bürgermeister lehnen neue Autobahn-Anschlussstelle ab
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11:20 09.06.2016
Die Peterstraße (L75) in Alveslohe sei schon heute eine viel befahrene Durchgangsstrecke, kritisieren die Bürgermeister Peter Kroll (Alveslohe, 2. v. r) und Eckart Urban (Ellerau 2. v. l.) sowie Krolls Stellvertreter Friederike Hinzke und Gerhard Wichmann. Quelle: Fuchs

Die aktuelle Diskussion um eine zusätzliche Autobahn-Anschlussstelle an der A 7 zwischen Hamburg-Schnelsen und Henstedt-Ulzburg hat die Gemeindevertreter in Ellerau und Alveslohe aufgeschreckt. Die Bürgermeister Peter Kroll (Alveslohe) und Eckard Urban (Ellerau) haben jetzt entsprechende Protestnoten an das Verkehrsministerium geschickt. Ellerau hat sogar spontan einen weiteren Gemeinderatsbeschluss dazu verabschiedet. Alveslohe hält an seinen entsprechenden Beschlüssen von 2006 und 2007 fest. Beide Kommunen sind strikt gegen eine neue Zu- und Abfahrt zur A 7 an der Kadener Chaussee (L 75) oder dem Kadener Weg (K 24), wie sie von Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele jüngst erneut ins Spiel gebracht wurde.

„Unsere Durchgangsstraße ist doch schon längst zu einer Ersatz-A-20 geworden.“ Peter Kroll, Bürgermeister Alveslohe

Trotz gescheiterter Olympia-Bewerbung Hamburgs hatte Nägele sie für „prüfenswert“ erklärt.

Mit einer neuen Autobahnauffahrt in Höhe des Golfclubs Gut Kaden befürchten Alveslohe und Ellerau erheblich mehr Verkehr und Lärm in ihren Orten. Das werde negative Auswirkungen auf die Sicherheit der Bewohner und ihre Lebensqualität haben, glauben sie. „Unsere Durchgangsstraße, die L 75, ist doch schon längst zu einer Ersatz-A-20 geworden“, kritisiert Alveslohes Bürgermeister Kroll. Der Verkehr habe erheblich zugenommen, auf etwa 10000 Fahrzeuge am Tag. Das damalige Gutachten von 2006, das dann die Abfahrt bei Norderstedt favorisierte, prophezeite schon eine Verkehrszunahme von 50 Prozent in Alveslohe und Ellerau, wenn dort die Abfahrt gebaut würde. Für die Gemeinden wäre das nicht mehr hinnehmbar, kritisieren Kroll und Urban.

Ohnehin werde die bald für Lkw geltende Mautpflicht auf den Bundesstraßen die nachgeordneten Straßen noch mehr mit Schwerlastverkehr belasten. „Die L 75 ist bereits ein richtiges Nadelöhr“, warnt Kroll. „Und direkt an der Straße liegen unsere Grundschule und der Kindergarten mit jeweils 110 Kindern.“ Stattdessen solle das Land viel mehr über eine Ausweitung und Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs nachdenken, fordert Alveslohes Grünen-Politiker Gerhard Wichmann. Mit der geplanten S 21 auf der AKN-Strecke Kaltenkirchen – Ellerau – Schnelsen, die bis 2020 realisiert werden soll, werde dies leider nur halbherzig verbessert, kritisiert Urban.

Keinerlei Verständnis haben die Gemeindevertreter dafür, nicht nach Kiel eingeladen worden zu sein. Sie seien nur indirekt über das Amt Kaltenkirchen-Land über den neuerlichen Vorstoß der Landesregierung informiert worden, um eine zusätzliche A-7-Abfahrt in diesem Abschnitt zu prüfen. „Ich habe Staatssekretär Nägele bereits im Oktober auf Gut Kaden, als er diese Abfahrt im Zusammenhang mit Hamburgs Olympia-Bewerbung in Aussicht stellte, klar und deutlich widersprochen“, sagt Kroll. „Dieses aus gemeindlicher Sicht bisher intransparent wirkende Verfahren ohne die Beteiligung der tatsächlich betroffenen Bürger sowie deren Gemeindevertretungen hat vor Ort zu einer deutlichen Sorge und Verunsicherung geführt“, heißt es in dem Schreiben der Gemeinden an das Verkehrsministerium.

Dass Alveslohe und Ellerau möglicherweise die Verkehrsprobleme Henstedt-Ulzburgs ausbaden sollen, das mit einer A-7-Abfahrt im Süden des Ortes eine eigene West-Umgehung sparen würde, finden die betroffenen Gemeinden unzumutbar. Dies dürfe auch kein Grund für die A-7-Auffahrt sein, hätten bereits die damaligen Gutachter festgestellt. Eine zusätzliche Autobahnanschlussstelle, die hier nur wenige Kilometer von den Abfahrten in Quickborn und Henstedt-Ulzburg gebaut würde, müsse zudem 60 Prozent des Wirtschaftsverkehrs abziehen, wissen Kroll und Urban um die Kriterien.

Auf Nachfrage sagte dazu Ministeriumssprecher Harald Haase: „Es ging zunächst um einen ersten Gedankenaustausch. Die Federführung des Gesamtprojektes liegt bei den Kreisen Segeberg und Pinneberg.“

Darum seien nur die Landräte Jan Peter Schröder, Oliver Stolz und Hans-Joachim Grote eingeladen worden. Ein erneuter Antrag auf eine weitere Anschlussstelle werde das Land nur dann beim Bund einreichen, „wenn ein interregionales gemeinsames Interesse besteht“, stellte Haase klar.

 Burkhard Fuchs

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