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Bye, bye Berlin! Franz Thönnes verlässt den Bundestag

Berlin Bye, bye Berlin! Franz Thönnes verlässt den Bundestag

Nach 23 Jahren im Bundestag sagt Ex-Staatssekretär Franz Thönnes (SPD) dem Parlament Tschüss. Der Politik, der Ostsee und Tucholsky will er treu bleiben. Der Ammersbeker hat den Wahlkreis 8 in Berlin vertreten. Für Thönnes startet nun einen neuer Lebensabschnitt.

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Franz Thönnes.

Quelle: Hfr

Berlin. Wo genau er den Wahlabend am Sonntag verbringen wird, weiß Franz Thönnes noch nicht. Vielleicht in Bad Segeberg mit Parteifreunden. Und natürlich drückt der 63-jährige SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Sozial-Staatssekretär dem Kandidaten seiner Partei im Wahlkreis Segeberg-Stormarn-Mitte, Alexander Wagner, fest die Daumen. Nach 23 Jahren im Bundestag, davon sieben Jahre als Staatssekretär für Arbeit und Soziales, sagt der Ammersbeker nun „Tschüss“. In der Rückschau auf bewegte Jahre in der Bundes- und Landespolitik spricht er davon, dass die politischen Ämter „eine große Ehre, aber auch eine große Verantwortung“ für ihn bedeuteten. „Eine spannende, interessante Zeit. Aber alles hat einen Anfang und ein Ende“, sagt er den LN in Berlin im Café Einstein Unter den Linden. Nur ein paar Minuten vom Reichstag entfernt, wo er im Bundestags-Plenum Ende Juni seine letzte Rede gehalten hat.

LN-Bild

Nach 23 Jahren im Bundestag sagt Ex-Staatssekretär Franz Thönnes (SPD) dem Parlament Tschüss. Der Politik, der Ostsee und Tucholsky will er treu bleiben. Der Ammersbeker hat den Wahlkreis 8 in Berlin vertreten. Für Thönnes startet nun einen neuer Lebensabschnitt.

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Seit acht Jahren ist Thönnes, der einstige Gewerkschaftsmann und Sozialpolitiker, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und derzeit dessen stellvertretender Vorsitzender. Dort kümmert sich um die Beziehungen zu den nordischen Staaten und zu Russland sowie zur Ukraine. Nach 2009 wollte er einen politischen „Tapetenwechsel“ vornehmen. Der Sozialpolitik bleibt er dennoch verbunden. Als einer, der unter dem damaligen Sozialminister Müntefering den Übergang zur Rente mit 67 maßgeblich mitgestaltet hat, muss er sich heute noch hin und wieder kritischen Diskussionen stellen. Doch er stehe zum Beschluss, der in der ersten Großen Koalition unter Kanzlerin Merkel getroffen wurde. „Wenn die Lebenserwartung stetig steigt, ist es auch notwendig das Renteneintrittsalter stufenweise anzuheben“, sagt Thönnes. Und dann fügt er hinzu, man hätte gleichzeitig viel mehr in die Humanisierung der Arbeitswelt investieren müssen, damit die Beschäftigten auch möglichst gesund in Rente gehen können. Da bliebe noch was zu tun.

Die auf Betreiben der SPD in dieser Wahlperiode eingeführte Rente mit 63, bei 45 Versicherungsjahren, habe mit dazu beigetragen, die Situation zu entspannen. Gleichzeitig verweist er auf das Problem von Geringverdienern, die lange gearbeitet haben, denen im Alter aber nur die Grundsicherung und der Weg zum Amt drohe. Die SPD fordert für diese Fälle eine Solidarrente für langjährig Beschäftigte, die zehn Prozent über der Grundsicherung liegen solle. Eine Rente mit 70, wie sie Finanzminister Schäuble (CDU) ins Spiel gebracht habe, lehnt Thönnes ab.

„Du bist unser Gesicht für den skandinavischen und baltischen Raum“, lobt SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann beim Abschiedsfest den Schleswig-Holsteiner, der eigentlich aus Essen stammt und über seine Arbeit als Gewerkschaftssekretär in Hamburg nach Ammersbek fand. Seit 15 Jahren leitet Thönnes die deutsche Delegation in der Ostseeparlamentarier-Konferenz und ist in der vierten Periode Vorsitzender der Deutsch-Nordischen Parlamentariergruppe. Er hat maßgeblich mit daran gearbeitet, dass grenzüberschreitend an fairen Arbeitsbedingungen, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und sozialabgesicherte Jobwechsel über Landesgrenzen gearbeitet wird. Einfach war das nicht. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis aus einer Arbeitsgruppe das „Baltic Sea Labour Forum“ wurde, auf das er stolz ist. Ein funktionierendes Netzwerk von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik in den Staaten rund um die Ostsee sowie Island, Norwegen und Russland. Gerade erst im Juni dieses Jahres war man zum ersten Arbeitsministertreffen des Ostseerates eingeladen, bei dem die Empfehlungen der Sozialpartner weitestgehend in dessen Abschlusserklärung Eingang gefunden haben. „Politik braucht manchmal einen langen Atem“, meint er.

Überhaupt die See. Neben der Ehe mit seiner Frau Rita, sei das Meer die zweite Ehe in seinem Leben, sagen Freunde. Die Liebe zum Meer entstand bei einem Urlaub vor über 40 Jahren in Norwegen. Später kamen Freunde in Dänemark dazu. Und mit deren Traditionssegler, dem ehemaligen Haikutter „Ebba Aen“ geht es raus aufs Meer. Thönnes ist dabei der Smut, der sich auf leckere Fischgerichte versteht.

Eine weitere Leidenschaft sind Rezitationen von Kurt Tucholsky, dem engagierten Journalisten, Satiriker, Romanautor und Pazifisten, der 1935 aus dem Leben schied. Erst am Sonntag stand Thönnes in der Erlebnisschmiede in Trappenkamp mit seinem Programm auf der Bühne, begleitet von einem Klarinettisten.

Die scharfzüngige politische Satire Tucholskys vermisst er in der heutigen Zeit. Zu Hause warten zahlreiche ungelesene Bücher auf Thönnes, nordische Krimis etwa. Und über sein Lieblingsinstrument, das Saxophon, das er gerne noch spielen lernen würde, meint er vielsagend: „Man weiß nie, was noch kommt.“

 Von Reinhard Zweigler

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