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Segeberg Celina – eine neue Frau aus dem Kastanienweg
Lokales Segeberg Celina – eine neue Frau aus dem Kastanienweg
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20:45 16.05.2017

Hannelore Dill (74) aus Weede schreibt nicht mehr. Doch bevor ihre Lesergemeinde jetzt aufstöhnt, die nicht genug bekommen kann von der Reihe „Die Leute vom Kastanienweg“, sei gleich hinzu gesagt: Die Autorin hat noch einige Bücher „auf Halde“ – und genau das ist der Grund, dass Hannelore Dill nicht mehr schreibt, vorerst: Die fertigen Romane sollen erst unters Volk. „Absturz“ heißt der neueste Band vom Kastanienweg, der nun erschienen ist.

Hannelore Dill hat ihren 13. Roman von den „Leuten vom Kastanienweg“ vorgelegt. Quelle: Foto: Kullack

Im neuen Roman geht es um die 28-jährige Celina, eine enttäuschte und gehemmte und deshalb auch verängstigte Frau. Sie vergräbt sich in ihrem Haus und meidet jedweden Kontakt zu anderen Menschen, weil sie sich schuldig fühlt am Tod ihrer kleinen Nichte Alexa, die im vergangenen Sommer bei einem Unfall ertrunken ist. Immer wieder sucht dieses furchtbare Geschehen Celina auch in ihren Träumen auf. Als sie nach langer Zeit wieder ein wenig zur Ruhe kommt und endlich wieder Kontakt zu ihrer Außenwelt aufnimmt, taucht plötzlich ihre Zwillingsschwester Myriam auf – die Mutter von Alexa.

Myriam kann den Tod des Mädchens nicht verwinden, gibt ihrer Schwester die Schuld, sie klagt an und schwört Rache. Für Celina beginnt einen grauenvolle Zeit, sie fühlt sich verfolgt und bedroht.

Eines Tages ist Celina verschwunden.

Hannelore Dill hat bis zu ihrem vorgezogenen Ruhestand zwei Jahrzehnte lang in der Lebensberatung der Segeberger Diakonie gearbeitet – das erklärt ihre ungewöhnliche Schaffenskraft: Im Beruf hat sie von so vielen unglaublichen Schicksalen und schwer zu ertragenden Situationen erfahren, bei denen man nicht nach Feierabend sagen konnte: „Das lasse ich mal lieber im Büro.“ Die Menschen – häufig ging es um Kinder – und ihre schweren Erlebnisse nahm die Weederin in Gedanken mit nach Hause. Und als sie aus dem Beruf ausstieg, musste sie diese Gedanken und Geschichten ganz einfach loswerden, anonymisiert natürlich. Sie schrieb ein um das andere Buch, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Und da sie das in einer vorsichtigen, stets aber treffenden und eingängigen Sprache tat, hat sie sich in ebenso kurzer Zeit eine Lesergemeinde geschaffen, in der Mehrzahl wohl Frauen, die nicht genug bekommen können vom Schicksal der Maria und alle ihrer Anverwandten. Die Fragestellung hinter den meisten Geschichten ist: Was treibt einen Menschen zu seinen Handlungen? Und wozu ist ein Mensch fähig, wenn er an seine Grenzen gelangt?

Insgesamt sind in fünf Jahren 19 Bücher entstanden, von denen 13 veröffentlicht worden sind. Sechs warten also noch auf die Herausgabe. Eines pro Jahr schickt der Verlag nur noch auf den Markt – nicht mehr mehrere wie zum Teil in den Vorjahren. „Deshalb ist es mit dem Schreiben jetzt erst einmal gut“, sagt Hannelore Dill, die sich nun verstärkt um ihren kranken Mann und um den Garten kümmern will. „Aber wenn da natürlich plötzlich ein Thema auftauchen sollte, das mich reizt . . .“

Hannelore Dill: „Die Leute vom Kastanienweg: Absturz“ ; Roman; 268 Seiten; 11,90 Euro; AAVAA-Verlag, Berlin; ISBN 978-3-8459-2192-1. Auch im Kleinformat, im Großdruck und als E-Book erhältlich.

Lothar Hermann Kullack

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