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Segeberg Chancengleichheit ist noch immer eine Utopie
Lokales Segeberg Chancengleichheit ist noch immer eine Utopie
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23:29 21.10.2016
Die Gleichstellungsbeauftragten Sabine Schaefer-Maniezki (Kaltenkirchen), Svenja Gruber (Henstedt-Ulzburg) und Claudia Meyer (sitzend von links) lassen sich von Museumsleiterin Marlen von Xylander den virtuellen Brunnen zeigen, von dem die Mädchen jeden Tag das Trinkwasser holen müssen. Quelle: Fotos: Fuchs

Vor zehn Jahren wurde diese Ausstellung erstmals in Lübeck gezeigt. Jetzt ist sie zum ersten Mal im Kreis Segeberg im Stadtmuseum Norderstedt zu sehen: Noch bis Ende Februar nächsten Jahres wird dort das tägliche Leben und Arbeiten junger Frauen in Ländern der Dritten Welt thematisiert unter dem Titel „Weil wir Mädchen sind. . . Mädchenwelten in Afrika, Asien und Lateinamerika“.

Ausstellung „Weil wir Mädchen sind . . .“ im Norderstedter Stadtmuseum zeigt anschaulich die Grenzen der Gleichberechtigung auf.

Öffnungszeiten

Das Norderstedter Museum im Friedrichsgaber Weg 290 ist mittwochs bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene, 2,50 Euro ermäßigt. Für Kinder bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei. Führungen für Schulklassen auf Anfrage, Telefon: 040/309827 50.

Diese hatte sich bei einem Besuch in Nepal darüber gewundert, dass ein junges Mädchen in völlig zerrissenen Klamotten Küchen- und Hausarbeit verrichten musste, während der Junge des Hauses in feiner Sonntagskleidung und einem schönen Schulranzen zur Schule gehen konnte, berichtet Marc Tornow von „Plan International“. Diese völlig unterschiedliche Behandlung und Arbeitsteilung der Geschlechter ist offenbar in vielen armen Ländern an der Tagesordnung, erfuhr die Schauspielerin und regte an, dies zum Thema einer Ausstellung zu machen. Und so begeben sich die Besucher in Norderstedt auf eine kleine Reise in Welten, in denen die Gleichberechtigung der Geschlechter noch nicht angekommen ist.

In der afrikanischen Welt treffen sie auf ein Mädchen aus der Sahel-Zone, das bereits acht Stunden mit der Spitzhacke auf dem Feld gearbeitet und Wasser mit Krügen von einem weit entfernt liegenden Brunnen geholt haben muss, wenn hier bei uns früher Nachmittag ist, stellt Tornow die Situation in Afrika dar. „Danach muss sie noch in stundenlanger Hausarbeit mit einem Mörser Hirse zu Mehl für das Abendessen zerstampfen.“

Damit die Besucher einen anschaulichen Eindruck davon gewinnen können, liegen Hirse und Mörser bereit, und auch ein Eimer kann mit kleinen Säcken befüllt werden, die jeweils ein Kilogramm schwer sind und das Gewicht des Wassers nachstellen sollen, das die Mädchen dort jeden Tag für ihre Familie holen müssen.

Danach geht es zu einem Mädchen in die peruanischen Anden nach Südamerika. Das ist jeden Tag stundenlang mit einem klapprigen Bus in die Stadt und wieder zurück unterwegs, um dort Teppiche zu verkaufen, die sie in mühevoller Handarbeit geknüpft hat, stellt die Ausstellung multimedial in Wort, Bild, Filmen und sogar einem Kleinbus-Modell dar. Zuletzt erreichen die Besucher die Welt in Indien, wo heute noch weibliche Föten abgetrieben würden, obwohl dies gesetzlich verboten sei, beschreibt Tornow. „Lieber 5000 Rupien für die Abtreibung zahlen als 50 000 für die Mitgift einer Tochter“, heiße es dort häufig.

Auch kleine Gastgeschenke können die Besucher den dargestellten Mädchen vor Eintritt in jede Welt virtuell mitnehmen. Doch dann erfahren sie, dass die mitgebrachte Musik-CD gar nicht angehört werden kann, weil es keinen Strom gibt. Ein Fußball oder Kleidungsstück wäre besser geeignet gewesen, erfährt der Besucher.

Die Ausstellung soll die Diskrepanz der Chancengleichheit aufzeigen, die die hiesigen Jugendlichen im Vergleich zu den Entwicklungsländern haben und wie sie dort zwischen den Geschlechtern immer noch herrscht und so auch verfestigt wird, erklärt Museumsleiterin Marlen von Xylander. Die Ausstellung vor zwei Jahren, die zeigte, wie Jungen in Afrika aus Müll kreatives Spielzeug bastelten, habe die Anregung gegeben, doch auch mal die Lebenswelten der Mädchen in diesen armen Welten zu thematisieren. Gerade für Schulklassen sei sie ideal, um sich mit dem Thema Globalisierung und fremde Kulturen zu beschäftigen.

Die Ausstellung „Weil wir Mädchen sind. . .“ läuft noch bis zum 26. Februar 2017 und ist geeignet für Jungen und Mädchen ab acht Jahren. Es gibt 14 interaktive Stationen zu sehen und auszuprobieren.

Dazu gehört auch ein Glücksrad, das aufzeigt, dass 80 Prozent der Menschen in einfachen Hütten aufwachsen müssen und die Hälfte nicht lesen und schreiben kann.

 Burkhard Fuchs

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