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Segeberg Chemikalien-Leck löst Großalarm im Schlachthof aus
Lokales Segeberg Chemikalien-Leck löst Großalarm im Schlachthof aus
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21:32 29.09.2016
Hier ging nichts mehr: Nur Einsatzkräfte durften nach dem Ammoniakaustritt noch das Vion-Werksgelände betreten. Quelle: Fotos: Kullack (2)

Beißender Gestank nach Urin im ganzen Tegelbarg, weil da Dutzende von Viehtransportern stehen und es nicht weitergeht. Ein Feuerwehrwagen nach dem nächsten, der mit Blaulicht zum Vion-Gelände prescht. Feuerwehrmänner, die eilends ihre Atemschutzgeräte anlegen. Andere bauen Dekontaminationszelte und -duschen auf. Der Grund: Im Schlachthof war Ammoniak ausgetreten, so die erste Vermutung. Betroffen waren laut Polizei 202 Vion-Mitarbeiter, von denen jedoch niemand zu Schaden kam. Lediglich ein Techniker der Firma habe sich leicht verletzt, als er Erstmaßnahmen ergreifen wollte.

Mitarbeiter nahmen beißenden Geruch wahr – Retter rollten mit Großaufgebot in Bad Bramstedt an – 200 Angestellte mussten Gebäude verlassen – Ursache im Nachbarbetrieb.

Erst am Abend, nachdem ein Sachverständiger die Ursache gefunden hatte, stellte sich heraus, dass in einem auf dem Gelände ansässiger, tierfutterproduzierender Betrieb, der nicht zur Vion-Gruppe gehört, Salmiakgeist ausgetreten und in die betriebseigene Kläranlage gelangt war. Der Grund sei vermutlich menschliches Versagen, teilte die Polizei gestern Abend mit. Ammoniak sei zu keinem Zeitpunkt ausgetreten. Nachdem die Ursache gegen 18 Uhr gefunden war, sei der Betrieb des Schlachthofs wieder aufgenommen worden, teilte Vion in einer Presseerklärung mit.

Die betroffenen Mitarbeiter waren mittags zur Vorsicht in die Sporthalle der benachbarten Bundepolizeidirektion gebracht worden, wo sich der Leitende Notarzt und seine schnelle Einsatzgruppe des Katastrophenschutzes des Kreises Segeberg um sie kümmerten. Ausgelöst worden war der Alarm um 11.40 Uhr. Zuerst war die Bad Bramstedter Feuerwehr mit allen verfügbaren Einsatzkräften am Ort. Dann wurden in rascher Folge die Gefahrguteinheit der Kaltenkirchener Feuerwehr, der ABC-Zug der Kreisfeuerwehr sowie die Gefahrgutzüge von Wehren der umliegenden Orte des Amtes Bad Bramstedt-Land nachalarmiert. Zur Vorsicht waren neben der Polizei auch zahlreiche Notärzte und Rettungswagen vor Ort, von denen die meisten aber wieder abziehen konnten, nachdem klar war, dass es wohl keine ernsthaft Verletzten gab. Um jede andere Gefährdung auszuschließen, wurde das Vion-Gelände jedoch hermetisch abgeriegelt. Mitarbeiter und Viehtransporte durften nicht mehr hinein.

Nach Angaben eines Vion-Sprechers seien die für gestern erwarteten Viehtransporte an andere Schlachthöfe umgeleitet oder wieder zurückgeschickt worden. Für die bereits auf dem Gelände eingestallten Tiere habe nach Ansicht der zuständigen Veterinärbehörde aber „keine Gefahr bestanden“ – zumindest nicht durch die ausgetretene Chemiekalie. Auch umliegende Bewohner seien nicht in Gefahr gewesen.

Die Feuerwehr bestätigte das: Für die Öffentlichkeit habe keinerlei Gefahr bestanden.

Im Schlachthof wird Ammoniak als Kühlmittel verwendet. Daher rührte offenbar die Annahme – auch seitens des Unternehmens–, dass es sich auch diesmal um diesen Stoff handeln könnte. 2012 hatte es bereits einen ähnlichen Zwischenfall in Bad Bramstedt gegeben. Damals mussten neun Vion-Mitarbeiter ins Krankenhaus, weil im Bereich Frostung ein Ammoniak-Leck aufgetreten war. In die Schlagzeilen war der Betrieb auch 2014 geraten, als das Kieler Landwirtschaftsministerium den Betrieb für fünf Wochen geschlossen hatte. Grund waren Verstöße gegen Hygiene- und Tierschutzauflagen.

Zuvor hatte es bei Vion in Bad Bramstedt im Februar 2014 eine Großrazzia mit 250 Beamten von Polizei und Zoll gegeben.

Vion – weltweit operierender Konzern

Die Vion Food Group ist ein weltweit operierendes Nahrungsmittelunternehmen. Hauptsitz ist Eindhoven. Das Produktsortiment von Vion Food umfasst Schweine- und Rindfleisch sowie auf dieser Basis veredelte Produkte für Einzelhandel („Retail“) , Foodservice und die Fleischwarenindustrie.

Im Bad Bramstedter Betrieb können 350 Mitarbeiter bis zu 3000 Rinder pro Woche verarbeiten. In Deutschland hat Vion 17 Schlachthöfe, wobei die Rinderschlachtung 2015 von Anklam nach Bramstedt ausgelagert wurde. Dafür investierte Vion nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Euro. ark

Lothar Hermann Kullack und Oliver Vogt

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