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China-Seuche: Impfstoff ist Mangelware

Mitarbeiter der Veterinärämter China-Seuche: Impfstoff ist Mangelware

Die Krankheit greift bei Kaninchen um sich. Doch in Deutschland gibt es kaum Medikamente. Tierärzte müssen jetzt Impfstoffe importieren - mit Sondergenehmigung.

„Amy“, der Zwergwidder von Silke Rank (r.), soll von Tierärztin Dr. Tanja Barth gegen das Virus-Typ-2 der China-Seuche geimpft werden.

Quelle: Kim Meyer

Mitarbeiter der Veterinärämter. Tapfer hockt die kleine „Amy“ auf dem Behandlungstisch in der Kleintierpraxis Barth, Lensch und Schroedter in Bad Segeberg, als wüsste die Kaninchen-Dame, dass die bevorstehende Impfung ihr Leben retten könnte. Denn auch in Deutschland grassiert die sogenannte China-Seuche, Rabbi Haemorrhagic Disease (RHD). Eigentlich wird gegen diese Infektionskrankheit geimpft, doch das Virus ist in den vergangen Jahren mutiert. Auch der Typ-2 dieser hochansteckenden Krankheit verläuft in der Regel tödlich. Das Problem: Es gibt in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen die neue Variante.

LN-Bild

Die Krankheit greift bei Kaninchen um sich. Doch in Deutschland gibt es kaum Medikamente. Tierärzte müssen jetzt Impfstoffe importieren – mit Sondergenehmigung.

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„Wir raten, Kaninchen impfen zu lassen.“ Christof Heilkenbrinker-Schäfer,

Kreisveterinäramt

„Es gibt nur zwei Möglichkeiten, sein Tier zu schützen“, sagt Christof Heilkenbrinker-Schäfer vom Kreisveterinäramt. Der Impfstoff gegen den Typ-1 kann im Abstand von drei Wochen zwei Mal geimpft werden. Das ergebe einen ungefähr 90-prozentigen Schutz gegen den aktuell grassierenden Erreger. Vollen Schutz bieten aber nur Impfstoffe aus Frankreich und Spanien, die speziell auf den neuen Typ-2 abgestimmt, aber in Deutschland noch nicht zugelassen sind. Deshalb beantragen immer mehr Tierärzte Sondergenehmigungen beim Umweltministerium, um den ausländischen Impfstoff verwenden zu dürfen. Die Kleintierpraxis Barth, Lensch und Schroedter hat so eine Genehmigung bekommen.

„Es hat zwei Monate gedauert und viel Papierarbeit gekostet, aber jetzt ist der Impfstoff bei uns im Kühlschrank“, sagt Tierärztin Tanja Barth. Zwei Ampullen konnte sie bestellen, denn der Wirkstoff ist derzeit europaweit gefragt. Aber nicht nur das ist ein Problem: „Der ist nur sehr kurz haltbar“, sagt Barth. Eine Ampulle reicht für 50 Impfungen. Diese müssen innerhalb von zwei Stunden nach dem Öffnen der Flasche durchgeführt werden. Das bedeutet Akkord-Arbeit, zwei Aktionstage hat die Praxis geplant. „Wir müssen den Ablauf straff organisieren“, sagt Barth. Deshalb sei eine Anmeldung vorab unbedingt notwendig.

„Amy“ soll auch geimpft werden. „Ich mache mir Sorgen wegen der China-Seuche“, sagt Silke Rank und streichelt das hellbraune Fell ihres Zwergwidders. Erkrankte Tiere verenden meist innerhalb kurzer Zeit an inneren Verblutungen und Atemnot. Werden die Symptome entdeckt, ist es meistens schon zu spät. Im Gegensatz zu dem Typ-1 des Virus erkranken bei dem Typ-2 auch Jungtiere. Übertragen wird die Krankheit von Tiere zu Tier, über Wildkaninchen sowie Ratten und Insekten, aber auch über Futter und Tröpfcheninfektion über die Luft. Für Menschen und andere Haustiere ist das Virus zwar ungefährlich, allerdings können auch sie zu Überträgern werden.

Das Friedrich-Löffler-Institut, ein Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in der Nähe von Greifswald, bestätigt: „Der Erreger ist auf dem Vormarsch.“ 275 Fälle sind bundesweit registriert (Stand 4. August). Im Mai waren es noch 50 und im gesamten vergangenen Jahr nur 148 Fälle. „Die Krankheit ist bisher nicht meldepflichtig“, sagt Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts. „Wir gehen deshalb davon aus, dass die Dunkelziffer noch höher liegt.“

Aus diesem Grund hat das Umweltministerium in Kiel landesweit nun 15 Ausnahmegenehmigungen für den Impfstoff aus Frankreich erteilt. „Eine Einsendung von verendeten oder eingeschläferten Tieren bei Verdacht auf RHD-2 an das Landeslabor Schleswig-Holstein zu Untersuchungszwecken ist ratsam“, sagt Sönke Wendland, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums.

„Das ist eine heikle Situation“, erklärt Wolfgang Elias, Sprecher vom Zentralverband der Deutschen Rasse-Kaninchenzüchter. Aus den Bundesländern kämen unterschiedliche Rückmeldungen über die Ausbreitung. „Die Krankheit hat bisher unterschiedlich zugeschlagen“, sagt Elias. „Für Züchter ist das Virus ein Riesenproblem. Wie soll das gehen? Es gibt kaum Impfstoff und viele Züchter haben Dutzende Tiere.“

Gegen RHDV-2 impft die Kleintierpraxis Barth, Lensch und Schroedter am Freitag, 2. September, und Dienstag, 6. September (Kosten: 25 Euro). Eine Anmeldung ist erforderlich. Infos gibt’s unter www.praxisfuerkleintiere.de. Impfungen bietet unter anderem auch Tierärztin Nadine Schröder in Ellerau (www.tierarzt-in-ellerau.de) an.

Kreisübergreifende Übung: Geflügelpest-Alarm

aus den Kreisen Segeberg, Stormarn und Herzogtum-Lauenburg trainierten gestern in einer gemeinsamen „Trockenübung“ den Ernstfall: Geflügelpestalarm in einem Legehennenbetrieb im Lauenburgischen.

Das Szenario, ausgearbeitet von Christof Heilkenbrinker-Schäfer, wird vom Krisenzentrum in der Feuerwehrzentrale Bad Segeberg aus gemanagt – wie in der Realität auch. Die fiktive Ausnahmesituation orientiert sich dicht an echten Gegebenheiten: Stall, Tierbestand, alles gibt es tatsächlich. Nur die Geflügelpest, die ist hier noch nie ausgebrochen. „Der letzte Fall, ist zwei Jahre her und aus Mecklenburg bekannt“, sagt Bernhard Kaufhold. Der Chefveterinär aus dem Lauenburgischen leitet die Übung, was sich aus dem Ort des fiktiven Ausbruchs erklärt. Kreisübergreifend, mit fremden Kollegen wurde der Ablauf durchgespielt – vom Einrichten des Sperrbezirks und des Beobachtungsgebiets, dem Einschalten von Polizei, Feuerwehr und externen Dienstleistern, wieTierärzten und Tierkörperbeseitigern. Alles fand aber nur „virtuell“ am Computer statt. Eine Vorbereitung auf die nächste Landesübung im Mai 2017. hil

 Kim Meyer

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