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Segeberg Christinnen finden ihren Mut wieder
Lokales Segeberg Christinnen finden ihren Mut wieder
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21:52 10.10.2017
60 christliche Frauen aus Jordanien, Syrien, Libanon und dem Irak kamen zu einer reinen Frauenkonferenz in der Jugendherberge zusammen. Quelle: Fotos: Dreu
Bad Segeberg

Angemeldet hatten sich 100 Frauen aus Bremen, Kiel, Bad Segeberg, Hamburg und Lübeck. Doch vielen machte Sturmtief Xavier in der vergangenen Woche einen Strich durch die Rechnung. Am vergangenen Freitag, zum Beginn der Frauenkonferenz ging auf den Bahnschienen im Norden nichts mehr. „Das ist sehr schade“, bedauerte die Syrerin Racha Anton (38), die die Konferenz des weiblichen Geschlechts zusammen mit Nuha Sadik organisiert hatte.

Für viele war ein solches Treffen eine Premiere: 60 Frauen, deren Weg sie von Syrien, Jordanien, Libanon und Irak nach Norddeutschland geführt hat, trafen sich am vergangenen Wochenende in der Jugendherberge Bad Segeberg zu einer reinen Frauenkonferenz.

Mit ihrem Mann Jan und den vier Kindern lebt Racha Anton schon lange in Deutschland. Wahrscheinlich auch deshalb sind Racha und Jan Anton für viele syrische Familien zu einer ersten Anlaufstelle geworden. Sie geben Ratschläge für das Leben in Deutschland und trösten, wenn es schlechte Nachrichten aus der Heimat gibt. Wie sehr der christliche Glauben helfen kann, hat Racha Anton selbst erlebt. „Gerade im Krieg suchen viele Menschen die Nähe zu Gott und rücken zusammen“, weiß die Bad Segebergerin, die mit ihren Landsleuten in der evangelischen Freikirche mit offenen Armen empfangen wurde.

Dass sie einmal an einer Frauenkonferenz in arabischer Sprache teilnehmen würden, haben die meisten Frauen wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. Als Christen waren sie in ihren Heimatländern eine Minderheit. In Syrien waren sie im Bürgerkrieg zwischen die Fronten der Konfliktparteien geraten. Rund die Hälfte aller syrischen Christen haben versucht, das Land zu verlassen. In anderen arabischen Ländern hatte der Islam immer mehr an Bedeutung gewonnen und mit ihm die Übergriffe auf die christliche Minderheit.

„In Damaskus hatten die Christen vor dem Bürgerkrieg mal einen Anteil von 15 Prozent. Jetzt sind es vielleicht noch fünf Prozent“, bedauert Predigerin Michelline Makkar, die wie die Konferenzteilnehmerinnen den evangelischen Baptisten angehört. Für die Frauenkonferenz hat sie die weite Reise von der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Bad Segeberg auf sich genommen, um den Frauen hier Mut zu machen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie über sich selbst hinauswachsen können.

„Als christliche Frauen sind wir das Salz der Erde und das Licht für die Welt“, hatte Michelline Makkar den teilnehmenden Frauen selbstbewusst eingebläut, von denen manche gerade erst die Schule abgeschlossen haben, und andere sich bereits über Enkelkinder freuen können. Das war jedoch längst nicht alles, was die Baptisten-Predigerin den Frauen mit auf den Weg gab. „Frauen sind nicht nur für Kinder und Küche da. Sie haben Aufgaben, die gleich danach kommen. Und deshalb müssen sie aufstehen und machen“, sagte Michelline Makkar, die zwei Jahre in der altehrwürdigen Universität von Oxford studiert hat, um dort ihre Doktorarbeit zu schreiben. Ihr Thema: arabische Frauen in der evangelisch-christlichen Kirchengemeinde.

 Von Petra Dreu

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