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Cooler Ort: Die Kalkberghöhle

Bad Segeberg Cooler Ort: Die Kalkberghöhle

Unter dem Kalkberg herrschen konstant neun Grad – Eine Führung ist eine Erfrischung im Hochsommer.

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Bad Segeberg. Schweißtropfen perlen über die Stirn, das T-Shirt klebt am Körper. Bei hochsommerlichen Temperaturen sind die Bad Segeberger schon gestern ins Schwitzen gekommen, heute wird es mit Temperaturen über 30 Grad noch heißer. Da kommt ein Plätzchen zum Abkühlen gerade recht, und das gibt es im Kurort: In der Kalkberghöhle herrscht ein eigenes Klima mit konstant um erfrischende neun Grad – egal wie die Außentemperatur ist. Das entspricht der Jahresdurchschnittstemperatur Bad Segebergs, erklärt Helmut Giljum. Er arbeitet bei der Ausstellung Noctalis als Höhlenführer und steht mit einer Gruppe vor dem Eingang zu einem der größten Fledermausquartiere Nordeuropas.

LN-Bild

Unter dem Kalkberg herrschen konstant neun Grad – Eine Führung ist eine Erfrischung im Hochsommer.

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„Zuhause sehen wir immer Fledermäuse“, sagt Smilla. Die Siebenjährige nimmt mit ihrem Bruder Johann und ihren Eltern Dunja und Uwe Mischke an der vierzigminütigen Höhlenführung teil. Die Familie aus Kremperheide (Kreis Steinburg) ist das erste Mal in der Kalkberghöhle. „Die Kinder finden das sicher spannend“, ist Dunja Mischke überzeugt. Dann stiefelt die Gruppe die Stufen ins Dunkle hinab. Nur kleine LEDs an den Wänden erleuchten schwach den Weg. Ab und zu fällt ein Tropfen von der Decke. „Das ist kein Fledermaus-Pippi“, erklärt Giljum und die Kinder lachen. „Hier drin ist eine hohe Luftfeuchtigkeit, daran liegt das.“ Uwe Mischke nuschelt zu seinem Sohn: „Das ist wie im Badezimmer nach dem Duschen.“

Auf einem schmalen Pfad zwischen den Steinwänden marschiert die Gruppe durch die Höhle. „Vorsicht!“, ruft Helmut Giljum „Hier müssen sie sich ducken – an dem Stein haben sich schon Viele den Kopf gestoßen.“ Von der Decke ragt ein Teil des Steins in den Gang. Die Gruppe kommt in der Zentralhalle an. Plötzlich flattert es über ihren Köpfen. Eine neugierige Fledermaus zischt durch die Luft. „Das sind die jungen Tiere“, erklärt Giljum. „Im Sommer bekommen Fledermäuse Nachwuchs außerhalb der Höhle, wo es wärmer ist. 30 bis 70 Prozent überleben davon aber gar nicht, deshalb müssen wir die Tiere schützen.“ Zur Zeit zeigen die Weibchen dem Nachwuchs das Winterquartier – die Kalkberghöhle. „Dann trennen sich ihre Wege“, sagt Giljum.

Er zeigt an die Decke: „Geologen nennen diesen Ort tektonisches Hebezentrum. Wollen wir jetzt eine Mutprobe machen?“ Die Gruppe ist dafür. Dann wird es dunkel, stockdunkel. Der Höhlenführer schaltet das Licht aus. „So fühlen sich Fledermäuse“, sagt Giljum. „Die sehen nicht besser als wir, aber die haben einen zusätzlichen Sinn: Sie sehen durch Ultraschall quasi mit den Ohren.“ Jeder Gegenstand oder jedes Lebewesen wirft ein Echo zurück, so können sich die Flugkünstler orientieren.

„Wir haben so was noch nie gemacht“, sagt Helve Langthaler. Die Österreicherin nimmt mit ihren Großeltern und ihrer Tochter an der Führung teil. „Das ist wirklich schön.“ Dann sieht die Gruppe etwas besonderes: Ein „Höhlenkanninchen“. Giljum leuchtet mit einer Taschenlampe auf eine einem Kaninchen ähnliche Felsformation. Die Gruppe lacht. Was nicht alles in der Höhle zu finden ist.

„Ich konnte mich an das alles gar nicht mehr erinnern“, sagt Jens Gondek, der mit seiner Familie die Höhle erforscht. „Dabei waren wir vor zehn Jahren schon mal hier.“ Eine Wendeltreppe erklimmt die Gruppe, dann steht sie wieder im Freien. „Puh!“, stöhnt ein Mann und setzt sich auf eine Bank. Von einem Moment auf den anderen ist es wieder richtig warm. „Das war schön kühl da unten“, sagt Dunja Mischke. Während die Gruppe wieder ins Schwitzen kommt, gibt es eine, die sich bei den tropischen Temperaturen wohlfühlt: Foxi. Der zahme Flughund wartet schon auf Helmut Giljum. Gekrallt an seine Jacke lässt es sich am besten Sonnen.

Nacht der Fledermäuse mit Nabu und Noctalis

Schon zum 20. Mal findet am Wochenende die „Europäische Fledermausnacht“ statt. Die Veranstaltung soll die bedrohten Insektenjäger der Öffentlichkeit näher bringen und für ihren Schutz werben. In Bad Segeberg laden der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die Erlebnisausstellung Noctalis zu verschiedenen Aktionen und Führungen ein.

In Bad Segeberg veranstaltet die Erlebnisausstellung Noctalis am Freitag, 26. August, eine Exkursion mit Ultraschalldetektoren und Taschenlampen vom Kalkberg zum Großen Segeberger See. Höhepunkt ist die Fütterung der Wasserfledermäuse mit Mehlwürmern. Anmeldung unter Telefon 04551/80820. Die Exkursion kostet für Erwachsene fünf, für Kinder drei Euro. Los geht’s um 20 Uhr. Bei Regen fällt die Führung aus.

Der Nabu Bad Segeberg lädt am Sonnabend, 27. August, zu Exkursionen ein. Um 15 Uhr können Interessierte die Kontrolle der Fledermauskästen im Kunsthöhlenrevier im Segeberger Ihlwald begleiten.

Treffpunkt ist der Parkplatz am Ihlwald-Friedhof, Hamdorfer Weg. Um 20 Uhr führt eine „Flederlausch“-Exkursion vom Vorplatz von Noctalis durch die Altstadt zum Großen Segeberger See. Mit Hilfe spezieller Technik können die Teilnehmer Fledermäuse in bestechender Tonqualität live erleben. Treffpunkt ist auf dem Vorplatz von Noctalis. Bei Starkregen fällt die Führung aus. Die Führungen sind kostenlos, der Nabu freut sich über eine Spende.

Noctalis lädt mit dem Info-Zentrum Dosenmoor und dem Nabu Neumünster am Sonnabend dann zu einen Fledermaustag. Von 15 bis 19 Uhr werden im Info-Zentrum Dosenmoor, Am Moor 99, in Neumünster, Spiele und Bastelaktionen veranstaltet. Um 17 Uhr und um 20.30 Uhr werden Führungen angeboten. Alle Aktionen sind kostenfrei.

Rund um die Höhle

1913 entdeckten zwei Jungen beim Spielen die Kalkberghöhle. Der Legende nach sollen sie sich mit eine Wäscheleine abgeseilt und anschließend ihren Lehrern Karl Gripp, Jürgen Thode und Ernst Bornhöft davon erzählt haben. Sie sollen daraufhin die Höhle erkundet haben und gelten seither als Entdecker.

2 Kilometer lang ist die nördlichste Höhle Deutschlands, 450 Meter sind für Besucher erschlossen. Das Gestein besteht aus Gips und Anhydrit.

25 000 Fledermäuse überwintern mindestens von Oktober bis März in der Höhle. Damit ist sie eines der größten Winterquartiere in ganz Nordeuropa. In der Zeit bleibt die Höhle geschlossen. Die Höhle und der Berg werden aber auch das restliche Jahr über unterschiedlich intensiv von Fledermäusen genutzt.

Km Kim Meyer

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